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mMmm
/
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ILSENBURGER ANNALEN
ALS
QUELLE DER PÖHLDER CHRONIK.
EIN BEITRAG ZUR KRITIK
MITTELALTERLICHER GESCHICHTSQUELLEN.
VON
DB. HERMANN HERBE.
11 1
LEIPZIG
IN KOMMISSION BEI DER J. C. HINRICHS’SCHEN BUCHHANDLUNG
1890.
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HERRN PROFESSOR
D R WILHELM MAURENBRECHER
IN DANKBARKEIT ZUQEEIGNET.
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513345
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Vorbemerkung.
Die folgende Abhandlung ist ein Teil einer grösseren Arbeit über die Quellen
der Pöhlder Chronik. Benutzt habe ich sowohl die Oxforder als auch die Göttin¬
gische Handschrift der Chronik, erstere infolge gütiger Vermittlung der Herren
Professor Dr. Maurenbrecher und Professor Dr. Windisch und freundlichen Ent¬
gegenkommens des Herrn Dr. Neubauer, Bibliothekars an der Bodleiana zu Oxford,
an Ort und Stelle, letztere wiederholt längere Zeit auf der hiesigen Universitäts-
Bibliothek. Ausserdem konnte ich, wofür ich Herrn Oberbibliothekar Professor
Dr. von Heinemann in Wolfenbüttel zu lebhaftem Danke verpflichtet bin, die in
dem Cod. Aug. 17, 20 der Wolfenbüttler Bibliothek enthaltenen Auszüge aus ver¬
lorenen Sächsischen Annalen, welche demnächst Herr Privatdocent Dr. von Heine-
mann in Halle unter dem Titel „Annalium Saxonicorum Excerpta“ im 29. Bande
der Mon. Germ, veröffentlichen wird, einsehen. Auch wurde mir seitens der Hohen
Verwaltung der Königlichen Bibliothek in Berlin die Benutzung des Cod. Berol.
Lat. N. 295 der Chronik Ekkehards bereitwilligst gestattet und der Cod. zu die¬
sem Zwecke der hiesigen Universitäts-Bibliothek übersandt.
Im Jahre 1170 oder wenig später wurde in Quedlinburg, und zwar
wahrscheinlich in dem zwischen 1139 und 1150 von der Äbtissin Beatrix,
der Schwester der Gemahlin Albrechts des Bären, mit regulierten Augu¬
stinerchorherren besetzten Wipertikloster, eine Weltchronik 1 verfasst:
die jetzt nach dem Kloster, in welchem der ihr eingefügte Papst- und
Kaisercatalog bis zum Jahre 1421 dürftig fortgesetzt wurde, benannte
Pöhlder Chronik, Der Verfasser, dessen Name leider nicht mehr zu er¬
mitteln ist, war, wie sich aus seinen Bemerkungen in der Vorrede fol¬
gern lässt, durch die zahlreichen chronologischen Differenzen, welche er
zwischen den ihm bekannten grösseren Geschichtswerken, und zwar vor¬
nehmlich in den die nachchristliche Zeit behandelnden Abschnitten der-
1 Der Verfasser selbst nennt sein Werk eine „Chronik“. Vgl. die Über¬
schrift des Prologes: ,lncipit prologus considerationis (!) cronicorum (!)% und Cod.
Laud. fol. 109 in dem Abschnitt ,De sanctis virginibus undecim milibus*: ,sicut
in libro cronicorum commemoratur*.
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2
selben, wahrgenommen hatte 1 , zu chronologischen Studien veranlasst
worden. Die Frucht derselben war der erwähnte, aus verschiedenen
noch nachweisbaren Quellen zusammengestellte Papst- und Kaisercatalog.
In diesen das ihm vorliegende historische Material einzufugen, dies war
die Aufgabe, welche er in seiner Chronik zu lösen versuchte.
Zu Grunde legte er Ekkehards Chronik. Zur Erweiterung und Er¬
gänzung derselben benutzte er in den älteren Partien die Imago mundi
des Honorius 2 , die Chroniken des Hieronymus und des Idacius, die mit
einer Fortsetzung aus der historia miscella versehene historia Romana
des Paulus Diaconus, die Vulgata und Rufins Kirchengeschichte. Darauf
griff er zu den Gesta regum Francorum (mit den Gesta Dagoberti) und
zur Langobardengeschichte des Paulus Diaconus, und weiterhin zu den
Fulder Annalen. Schliesslich, vom Anfänge des 10. Jahrhunderts an,
wandte er sich den schon früher ab und zu von ihm benutzten Hildes¬
heimer Annalen zu, welche er dann auch bis zu ihrem Schluss (1137)
excerpierte. Ausserdem zog er wiederholt die Rosenfelder Annalen zu
Rate und einige Male den Liber revelationum Elisabeth (de Sconaugia)
de sacro exercitu virginum Coloniensium, das Decretum Gratiani, die
Vita Machtildis antiquior, die Vita Godehardi prior und Wiberts Vita
Leonis IX. Auch scheint ihm ein freilich sehr fehlerhafter Catalog der
Mainzer Erzbischöfe Vorgelegen zu haben. Erst nach Vollendung des
ganzen Werkes wurde ihm Sigeberts Chronik bekannt, aus welcher er
nun noch eine grössere Anzahl Stellen teils auf den Rändern teils auf
Zetteln nachtrug.
Ausser den genannten noch jetzt vorhandenen Quellen muss er aber
noch einige andere für uns leider verlorene gekannt haben. Denn cin-
1 Cod. Laud. fol. 1 (cfr. MG. SS. XVI, 51 und Waitz im Neuen Archiv IV, 28):
Verum de his personis et temporibus, que ante incarnationem Domini transierunt,
correcti historiarum libri satisfaciunt. Sed adtendendum de his, que postea eon-
scripta sunt, quosdam ordinäre cupientes seriem temporum minus diligenter con-
ßiderasse, a quibus operis sui viam debuerant assumsisse. Plurimi enim libri in
augmento vel diminutione numerorum, in transpositione vel omissione nominum,
aut cum ab alio gesta alteri asscribuntur (!), in tantum a considerantibus variati
inveniuntur, ut vix sit aliquis, qui concordet cum altero.
4 Die Erwähnung dieser Quelle bietet mir zu folgender Bemerkung Anlass.
In der neuen Ausgabe der Chronik Thietmars bezweifelt Kurze (Einleitung S. 13.
Anm. 6), dass Honorius Thietmars Chronik benutzt habe, wie Lappenberg (MG.
SS. III, 729. Anm. 94) angiebt. Sehr mit Unrecht! Die betreffende von Lappen¬
berg angeführte Stelle (Thietmar I, 11 — 14Y, welche in einer Handschrift der
Imago mundi in der von Alvenslebenschen Bibliothek in Stendal enthalten sein
soll, findet sich mit denselben Textänderungen auch in der Pöhlder Chronik. In
der Ausgabe der letzteren (MG. SS. XVI, 62) ist irrtümlich Thietmars Chronik als
Quelle angegeben.
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mal ist es schwer zu glauben, dass er, der wie gesagt nicht vor 1170
schrieb, alle die zuverlässigen Nachrichten, welche er nach 1125 bez.
1137, nach dem Versiegen von Ekkehards Chronik und der Hildes¬
heimer Annalen, bietet, sei es aus dem eigenen Gedächtnis mitgeteilt,
sei es aus dem Munde Anderer erhalten haben könnte, und dann findet
sich in seinem Werke sowohl vor als auch nach 1125 bez. 1137 bis
zum Jahre 1164 hin eine beträchtliche Anzahl keiner bekannten Quelle
entlehnter Nachrichten, welche er in ganz demselben Wortlaute mit¬
teilt, in welchem sie auch von andern, weder von ihm noch von ein¬
ander abhängigen, geschweige denn ihm bekannten Autoren, z. B. dem
Sächsischen Annalisten und den Verfassern der Kölner Chronik und der
Magdeburger und Stader Annalen, mitgeteilt werden. Letzteres kann
offenbar seinen Grund nur darin haben, dass ihm dieselbe oder die¬
selben verlorenen Quellen Vorlagen wie jenen.
In neuerer Zeit ist denn auch wiederholt versucht worden, Anzahl,
Umfang, Ursprung und Charakter dieser Quellen festzustellen. So wies
zuerst Waitz 1 nach, dass die zahlreichen, an verschiedenen Stellen in
den Text eingestreuten, meist auf die deutschen Kaiser und Könige
bezüglichen sagen- und legendenhaften Erzählungen einer von einem
Sachsen geschriebenen verlorenen „Kaiserchronik“ entlehnt seien. Da¬
rauf stellte Scheffer-Boichorst 8 fest, dass in den Jahren 1125 bis 1137
der Darstellung verlorene Paderborner Jahrbücher zu Grunde lägen,
aus denen in diesem Zeiträume auch die Mehrzahl derjenigen Berichte
stamme, welche man bisher auf die aus ihnen abgeleiteten Hildesheimer
Annalen zurückgeführt habe. Und endlich zeigte Bemheim 8 , dass nach
dem Ausgehen der Paderborner Annalen bis zum Jahre 1164 hin eine
verlorene Fortsetzung der Rosenfelder Annalen und sogenannte „Stau¬
fische Nachrichten“ dem Verfasser als Quellen gedient hätten.
Indes von diesen Ansichten ist, von derjenigen Scheffer-Boichorsts 4
abgesehen, keine ohne Widerspruch geblieben. Waitz’ Ansicht bestreitet
1 G. Waitz, Über eine Sächsische Kaiserchronik und ihre Ableitungen. (Ab¬
handlungen der histor.-philol. Klasse der Kgl. Gesellschaft der Wissenschaften zu
Göttingen. Bd. XII. 1866. S. 1-48.)
8 P. Scheffer-Boichorst, Annales Patherbrunnenses, eine verlorene Quellen¬
schrift des zwölften Jahrhunderts aus Bruchstücken wiederhergestellt. Innsbruck
1870. S. 22—24.
8 E. Bernheim, Die Sage von den treuen Weibern zu Weinsberg und der Zu¬
sammenhang sächsischer Annalen. (Forschungen zur deutschen Geschichte. Bd. XV.
1875. S. 239-288.)
4 Scheffer-Boichorsts Ansicht ist gleichwohl nicht in ihrem ganzen Umfange
haltbar; denn die Thatsache, dass der Pöhlder Chronist die meisten seiner Pader¬
borner Berichte in derselben Weise wie der Hildesheimer Excerptor kürzt, be-
1 *
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4
Voigt 1 : er will von der Benutzung einer „Kaiserchronik" nichts wissen
und bezeichnet statt ihrer als Quellen des Chronisten teils Lieder teils
ein Exemplar von Ekkehards Chronik, in welches ein im Anfänge des
12. Jahrhunderts lebender Mönch einen Teil der in Betracht kommen¬
den Sagen in der Form von Zusätzen eingetragen hatte. Gegen Bem-
heims Ansicht aber hat sich kürzlich v. Heinemann* erklärt: er be¬
hauptet, dass alle diejenigen Nachrichten, welche Bernheim auf eine
Fortsetzung der Rosenfelder Annalen zurückführe, den von Günther 3
und Scheffer-Boichorst 4 nachgewiesenen verlorenen Nienburger Annalen
entlehnt seien, jedoch nicht direkt, sondern durch Vermittlung eines
anderen, ebenfalls verlorenen Annalenwerkes, von welchem Bruchstücke
noch eine Wolfenbüttler, aus dem Braunschweigischen Egidienkloster
stammende Handschrift (sec. XV.) enthalte.
Von den beiden letzteren Streitfragen ist die zweite zweifellos die
wichtigere. Handelt es sich doch bei ihr gerade um denjenigen Teil
der Chronik, auf welchem fast ausschliesslich deren Wert als Quelle für
die Geschichte des zwölften Jahrhunderts beruht! Offenbar kann es
nicht gleichgiltig sein, ob die zum überwiegenden Teile auf Vorgänge
in den Gegenden zwischen und in der Nähe von Harz, Bode und Saale
bezüglichen Nachrichten des Chronisten aus dem fernen Rosenfeld oder
aus dem nahen Nienburg stammen, vielmehr wird gerade die Lage ihres
Aufzeichnungsortes bei Beurteilung ihrer Glaubwürdigkeit ins Gewicht
fallen; denn je geringer die Entfernung war, in welcher der Verfasser
dieser Nachrichten vom Schauplatz der betreffenden Ereignisse lebte,
um so besser wird er unterrichtet gewesen sein, um so bedingungsloser
wird man auch der Pöhlder Chronik folgen dürfen, je grösser sie aber
war, um so mehr wird Vorsicht bei der Benutzung der letzteren am
Platze sein.
Darüber Klarheit zu schaffen, ist der Zweck der folgenden Unter¬
suchung. Sie wird naturgemäss in zwei Teile zerfallen müssen: in dem
einen werden die von Bernheim und von v. Heinemann für ihre An¬
weist, dass der letztere und nicht der Paderborner Annalist der Hauptgewährs-
mann des ersteren war.
1 J. Voigt, Die Pöhlder Chronik und die in ihr enthaltenen Kaisersagen.
Hall. Dissert. 1879.
* L. v. Heinemann, Ober ein verlorenes sächsisches Annalenwerk. (Neues
Archiv XIII, 33—59.)
8 C. Günther, Die Chronik der Magdeburger Erzbischöfe. I. Teil bis 1142.
Gotting. Dissert 1871. S. 63—72.
4 P. Scheffer-Boichorst, Beiträge zur Kritik deutscher und italienischer
Quellenschriften. I, 1. Annales Nienburgenses. (Forschungen zur deutschen Ge¬
schichte. XI, 485—489.)
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sichten geltend gemachten Gründe nachzuprüfen und gegen einander
abzuwägen, in dem anderen aber je nach den im vorhergehenden ge¬
wonnenen Resultaten entweder die für die Fortsetzung der Rosenfelder
Annalen bez. die verlorenen Annales Saxonici und deren Quelle, die
Nieüburger Annalen, zu beanspruchenden Nachrichten des Pöhlder Chro¬
nisten zusammenzustellen oder, falls er weder aus diesen noch aus jener
geschöpft haben sollte, die statt ihrer von ihm benutzten Quellen zu
ermitteln sein.
Bernheims Ansicht beruht vornehmlich auf dem folgenden, auch
von Jaffe in seiner bekannten Abhandlung über die Rosenfelder An¬
nalen 1 2 angewendeten Satze: Ist erwiesen, dass die Verwandtschaft zweier
oder mehrerer von einander völlig unabhängiger Quellen ihren Grund
in der gemeinsamen Benutzung einer dritten Quelle hat, welche zwar
teilweise noch vorliegt, deren mangelhafte handschriftliche Überlieferung
jedoch keinen sichern Schluss auf ihr ursprüngliches Endjahr gestattet,
dann ist die etwaige wiederholte Übereinstimmung jener Ableitungen
nach dem Jahre, mit welchem das oder die vorhandenen Exemplare der
Vorlage schliessen, durch Benutzung eines verlorenen Teiles der letz¬
teren verursacht worden. Wie nun Jaffe auf Grund dieses Satzes die
Übereinstimmung der Magdeburger Annalen 8 mit den Stader Annalen 3
in einer Reihe von Berichten aus den Jahren 1141 bis 1144 und 1152
bis 1164 durch Benutzung einer verlorenen Fortsetzung der Rosenfelder
Annalen 4 , deren einziges vorhandenes Exemplar bekanntlich beim Jahre
1130 endet und unvollständig ist, erklärt hatte, so nimmt dies Bern¬
heim auch für die Jaffe damals noch unbekannte Pöhlder Chronik an,
da deren Verfasser die Rosenfelder Annalen ebenfalls vor 1130 benutzt
habe und dieselbe nach 1130 in den oben angegebenen Abschnitten
und auch sonst noch sowohl mit den Magdeburger als auch mit den
Stader Annalen übereinstimme.
Diese Annahme, so folgerichtig sie auch auf den ersten Blick er¬
scheint, ist doch nicht ganz unbedenklich. Jener Satz darf nämlich nur
dann ohne Vorbehalt angewendet werden, wenn in den in Betracht
kommenden abgeleiteten Werken nachweislich keine andere Quelle be-
1 Archiv XI, 850—867.
2 Hrsg. v. G. H. Pertz, MG. SS. XVI, 105-196.
8 Hrsg. v. J. M. Lappenberg, MG. SS. XVI, 271—379. Diese Ausgabe ist je¬
doch infolge vorgenommener Kürzungen für meine Zwecke teilweise unbrauchbar;
ich benutzte neben ihr diejenige Schilters (Scriptores rerum Germanicarum. Ar-
gentorati 1702. p. 123—336).
4 Hrsg. v. G. H. Pertz, MG. SS. XVI, 99—104.
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nutzt worden ist, welcher die denselben gemeinsamen Nachrichten zu¬
gewiesen werden könnten. Solange es sich nur um die Magdeburger
und die Stader Annalen handelte, war dies allerdings der Fall. Seit¬
dem aber die Pöhlder Chronik bekannt geworden ist, liegt die Sache
etwas anders. Denn Bernheim selbst 1 hat nachgewiesen, dass ihr Ver¬
fasser aus einer verlorenen, jedenfalls über das Jahr 1140 hinausrei¬
chenden Quelle, den sogenannten „Staufischen Nachrichten“, geschöpft
habe. Es bietet sich also wenigstens die Möglichkeit, die der Pöhlder
Chronik und den Magdeburger und Stader Annalen gemeinsamen Nach¬
richten auf diese Quelle zurückzuführen.
Doch wird durch dieses Bedenken die Richtigkeit von Bernheims
Ansicht noch nicht in Frage gestellt; es würde sich zudem leicht durch
den Hinweis darauf, dass von einer Benutzung der „Staufischen Nach¬
richten“ vor 1140 weder in den Magdeburger noch in den Stader An¬
nalen eine Spur zu bemerken ist, entkräften lassen. Aber es ist nicht
das einzige, welches sich erheben lässt. Bernheim hat weiterhin ganz
übersehen, dass das aus der Vergleichung der Magdeburger und Stader
Annalen mit der Pöhlder Chronik in dem Abschnitt 1153 bis 1164 sich
ergebende Verhältnis zu der Annahme nötigt, dass jene beiden hier die
gemeinsame Vorlage nicht in ihrer ursprünglichen, sondern in einer teil¬
weise gekürzten Gestalt benutzten. Man vergleiche z. B. die folgende
Stelle 2 3 .
P. 1154.
Fridericus rex pascha
Magdeburg celebrans men-
bc Maio cum valida manu
Italiam ingreditur.
Wenn auch M. diese Nachrichten nicht in derselben Reihenfolge
giebt wie P. und St., so zeigt doch seine inhaltliche Übereinstimmung
mit ihnen, und noch mehr die formale mit St., dass er mit beiden aus
gemeinsamer Vorlage schöpfte. Doch kann er ebensowenig wie St. diese
Vorlage direkt benutzt haben, vielmehr w r eist die gleichmässige Kürzung
des Berichtes durch beide darauf hin, dass ihro Verwandtschaft mit
jener keine so nahe ist wie diejenige P.’s. Denn diese Kürzung kann
unmöglich eine zufällige sein. Wie sollten wohl beide Annalisten, welche
doch völlig unabhängig von einander schrieben 4 , dazu gekommen sein,
1 a. a. 0. S. 281 ff.
2 Der Kürze halber bezeichne ich von hier ab die Pöhlder Chronik und die
Magdeburger und Stader Annalen nur durch P., M. und St.
3 Schilter p. 286.
4 Vgl. darüber Bernheim a. a. 0. S. 260 ff.
M. 1154. St. 1154. 8
Fridericus rex Romam Fridericus rex Magde-
profectus cst. Fridericus bürg pascha celebravit et
rex Magdeburg pascha ce- Romam proficiscitur.
lebrat.
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den Bericht über den Einmarsch Friedrichs in Italien im Mai 1154
übereinstimmend in den nichtssagenden von einem Römerzuge überhaupt
umzuwandeln und dabei sich gar auch der gleichen Ausdrucksweise zu
bedienen! Ihr Gleichlaut kann offenbar nur darin seinen Grund babeu,
dass zwischen ihnen und der reicheren Vorlage P.’s eine verlorene Quelle
vermittelte, deren Verfasser bereits den ursprünglichen Text in die vor¬
liegende kürzere Fassung gebracht hatte.
Dies ergiebt sich noch deutlicher aus dem Bericht über die Be¬
lagerung Mailands ira Jahre 1158.
P.
Inperator Frankenvord
conventum habuit, pascha
autem Traiecto celebrans
Italiam rursus hostiliter
intravit, ac evocatis cleri-
corum et laicornm Teu-
tonici regni principibus
cum duce Bohemie et
aliis multis gentibus cum
grandi apparatu belli Me-
diolanum obsedit, arie-
tibusque et machinis por-
tas destruens sub inperiali
vexillo ad deditionem cives
coegit.
M.
Fridericus imperator
Franconford conventum
habuit, pascha vero apud
Traiectum celebravit. Ita¬
liam hoßtiliter intravit,
Me-
diolanum obsedit.
St. 1
Fridericus imperator
Franconfort conventum
habuit, pascha vero apud
Traiectum celebravit; Ita¬
liam hostiliter intravit.
Me-
diolanum obsidens subiu-
gavit.
Auch hier dasselbe Verfahren, welches wir oben beobachteten! Wie
M. und St. schon dort die Bemerkung, dass Friedrich „mit einem starken
Heere“ (cum valida manu) in Italien eingerückt sei, übergingen, so lassen
sie auch hier die Angaben über das Aufgebot und den Anlass zur Ca-
pitulation Mailands weg 2 .
Doch könnten ja nur M. und St. die ursprüngliche Gestalt der ver¬
lorenen Quelle bewahrt, dagegen P. sie mit Hilfe einer zweiten, gleich¬
falls verlorenen Quelle erweitert haben! Dieser Einwand, den man gegen
meine Behauptung erheben könnte, ist mit Hilfe der jüngst in Wolfen¬
büttel aufgefundenen, weder von P. noch von M. und St. abhängigen
Annalium Saxonicorum Excerpta 3 leicht zurückzuweisen. Auch diese be-
1 Schilter p. 288.
2 Ähnliche Beobachtungen macht man bei Vergleichung der Berichte über
die Wiedereinsetzung des Dänenkönigs Sven durch Heinrich den Löwen (1156)
und über die Weihnachtsfeier in Magdeburg und den polnischen Feldzug Frie¬
drichs I. (1157).
3 Näheres über diese Quelle, insbesondere über ihre handschriftliche Über¬
lieferung findet man bei v. Heinemann a. a. 0. S. 35 u. 36. — Ich bemerke, dass
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8
richten nämlich da, wo M. und St. sich kürzer fassen, mit derselben
Ausführlichkeit wie P., oder deuten doch, wenn es nicht geschieht, an,
dass ihnen ein ebenso ausführlicher Bericht vorlag wie diesem. Man
vergleiche nur ihren Bericht über die Belagerung Cremas und mehrere
andere Ereignisse aus dem Jahre 1159 mit demjenigen der andern drei
Quellen!
P.
Mediolanenses ab-
sentia regis malo
suo indurati rebel¬
les effccti sunt. In-
perator autem ac-
citis principibus,
Heinrico duce Sa-
xonum et duce Bo-
hemico aliisque
regni primoribus,
in manu forti Cre-
mam castrum Me-
diolanensium obse-
dit, quod non Bine
magno suorum de-
trimento captum
destruxit. Frideri-
cus Colonicnsis epi-
scopu8 obiit et Rci-
noldus cancellarius
succedit. Ileinricus
dux propter multi-
plicandam christi-
anitatem in Scla-
via episcopos sta-
tuendi et investien-
di potestatem a ce-
sareaccepit. Adri¬
anus papa rebus hu-
manis eximitur,...
A. 1
Imperator accitis
principibus, Hin-
rico duce Saxonum,
duce Bohemico etc.
Mediolanum inva-
dit etc.
et triumphat.
Eodem anno Hinri-
cus dux propter
multiplicandam
christianitatem in
Slavonia constitu-
endi et investiendi
episcopos potesta¬
tem a cesare acce-
pit. . . .
M.
Heinricus düx et
ceteri principes
collecto exercitu
Italiam intrant.
Friderico Coloni-
ensi archiepiscopo
succedit Reinoldus
cancellarius. Im¬
perator castrum
Grimme obsidet,
rebellantibus Me-
diolanensibus.
Adrianus papa obi¬
it, cui successit Oc-
tavianus, qui et
Victor. Heinricus
dux propter multi¬
plicandam christi¬
anitatem consti-
tuendi et investi¬
endi episcopos in
Sclavania potesta¬
tem a cesare acce-
St.*
Heinricus dux et
caeteri principes
collecto exercitu
Italiam intrant.
Im¬
perator castrum
Grimme obsidet,
rebellantibus Me-
diolanensibus.
Adrianus papa obi¬
it, et ortum est
schisma in ecclesia
Dei inter Alexan-
drum, qui et Ro-
landus, et Victo-
rem, qui dictus est
Octavianus.
Dass die Notizen über die Teilnahme des Böhmenherzogs an der
Belagerung und über die Einnahme Cremas in der von M. und St. be-
diese Annalen mit den von Bethmann (MG. SS. XVI, 430. 431) herausgegebenen
Annales Saxonici in keinem Zusammenhänge stehen. — Als Quellen des Verfassers
der verlorenen Annalen macht v. Heinemann (S. 58. 59) die Chroniken des Thiet-
mar und Ekkehard und die Annalen von Nienburg und Paderborn namhaft.
1 Durch A. bezeichne ich wie v. Heinemann die Annalium Saxonicorum Ex-
cerpta.
* Schilter p. 288.
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9
nutzten Quelle nicht gestanden haben können, wird ohne weiteres ein¬
leuchten. Und ebenso leuchtet es ein, dass M.’s und St.’s Berichte in
letzter Linie auf dieselbe Quelle zurückgehen, aus welcher P. und die
Vorlage A.’s schöpften. In dieser Quelle waren, wie einmal aus den
beiden „etc.“ A.’s, welche unzweifelhaft auf eine ausführlichere Bericht¬
erstattung in dessen Vorlage schliessen lassen, und dann daraus, dass
P. und A. bez. dessen Vorlage ihre Nachrichten hier in der gleichen
Reihenfolge geben, also offenbar nur einer Quelle folgen und nicht
etwa Teile verschiedener Quellen miteinander verbinden, hervorgeht,
bereits die erwähnten, in M. und St. fehlenden Notizen enthalten. Da¬
raus folgt denn mit Notwendigkeit, dass M. und St. nur Ableitungen
zweiten Grades sind, d. h. dass zwischen ihnen und der von P. und
der Vorlage A.’s benutzten Quelle eine verlorene Quelle vermittelt hat.
Das Verhältnis ist also das folgende:
1) f.
X.
2) Vorlage von A. 3) X,.
I , ---V
A. 1) M. 2) St.
Setzt man in diesem Schema an die Stelle der Quelle X. die Rosen¬
felder Annalen, so muss nach dem eben über M. und St. Bemerkten
unter X x . eutweder ein grösseres Annalenwerk verstanden werden, dessen
Verfasser die Rosenfelder Annalen sei es selbst gekürzt, sei es in bereits
gekürzter Gestalt vor sich gehabt hatte, oder ein Auszug aus den Rosen¬
felder Annalen. Indes die erstere Möglichkeit ist hier von vornherein
ausgeschlossen, da die Rosenfelder Annalen in St. nur direkt benutzt
worden sind und in M., wo nicht direkt, da nur durch Vermittlung der
höchstens bis 1152 reichenden 1 Nienburger Annalen 2 . Will man aber
die andere Möglichkeit gelten lassen, so muss man, da wiederholte, zu
der Annahme der Benutzung eines Auszuges Anlass bietende gleich-
mässige Kürzung der aus den Rosenfelder Annalen stammenden Berichte
in M. und St. vor 1130, oder vielmehr, falls die Rosenfelder Annalen
doch noch weiter gereicht haben sollten, vor 1153 nicht wahrzunehmen
ist, zugleich annehmen entweder, dass das von M. und St. benutzte
Exemplar der Rosenfelder Annalen nur bis 1152 den vollständigen, und
von da an bis 1164 einen gekürzten Text derselben bot, oder, dass bei¬
den zwei Exemplare Vorlagen, von denen das eine, den vollständigen
Text bietende schon 1152 abbrach, das andere gekürzte aber über dieses
Jahr hinaus bis 1164 reichte. Ich gebe zu, dass sowohl dieses wie
1 Vgl. darüber den Schluss dieser Abhandlung.
* Vgl. Bernheim a. a. 0. S. 255 ff. und S. 260 ff.
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jenes der Fall gewesen sein könnte, vorausgesetzt natürlich, dass wirk¬
lich, wie Jaffe und Bernheim behaupten, in dem die Jahre 1131 bis
1152 umfassenden Abschnitt M.’s und St.’s Rosenfeldcr Berichte ent¬
halten sind und überhaupt eine Fortsetzung der Rosenfelder Annalen
für diesen Zeitraum ehemals existiert hat; denn sonst würde sich die
Übereinstimmung jener beiden Quellen in dem Abschnitt 1153 bis 1164
auch auf andere Weise erklären lassen. Diese Voraussetzung trifft aber
zunächst für den Abschnitt 1145 bis 1152 nicht ein, denn weder M.
noch St. noch P. teilen in diesem Zeiträume Nachrichten mit, von denen
man mit absoluter Sicherheit behaupten könnte, dass sie Rosenfelder
Ursprungs seien; unter den von Bernheim angeführten wenigstens findet
sich keine, deren Aufnahme, sei es nun in P., sei es in M. oder St.
nicht auch in anderer Weise bequem erklärt werden könnte. Ich gehe
die betreffenden Nachrichten hier durch.
Aus St. glaubt Bernheim 1 zunächst die beiden Nachrichten vom
Tode des Abtes Konrad von Rosenfeld und von der Weihe des — so
giebt wenigstens er an — diesem nachfolgenden Rosenfelder Abtes ihres
Rosenfelder Lokalcharakters halber für die Rosenfelder Annalen bean¬
spruchen zu müssen. Hier ist ihm jedoch ein bedauerlicher Irrtum be¬
gegnet. St. berichtet nämlich an der betreffenden Stelle nicht von der
Weihe eines „Rosenfelder“ Abtes, sondern von der Weihe Adalwards,
des ersten Abtes von St. Marien in Stade 2 ; er giebt also eine Stader
Lokalnachricht. Und letzteres ist auch bei der anderen Notiz der Fall;
denn Abt Konrad von Rosenfeld hatte das Marienkloster mitbogründet
und es mit Rosenfelder Mönchen besetzt 3 . Albert, der Verfasser der
Stader Annalen, selbst längere Zeit Abt des Marienklosters 4 , hatte ge¬
wiss nicht nötig, sich über diese beiden Ereignisse aus Rosenfelder An¬
nalen zu unterrichten.
Weiter führt Bernheim 5 aus St. zwei auf den Tod des Erzbischofs
Adalbero von Bremen und den Tod des Bischofs Thietmar von Verden
bezügliche Notizen an, welche auch in P. mitgeteilt werden und hier
J a. a. 0. S. 265.
a Annales Stadenses (MG. SS. XVI, 327) 1147: Albero, Bremensis archiepi-
scopus, Adalwardum priraum abbatem Sanctae Mariae in Stadio consecravit cum
abbate Roseveldensc pridie Nonas Julii. — Denselben Irrtum wie Bernheim be¬
geht übrigens schon Lappenberg (MG. SS. XVI, 327. Anm. 7). Konrads Nachfolger
hiess Ado. (Ilamburgisches Urkundenbuch, hrsg. v. J. M. Lappenberg. Bd. I. Ham¬
burg 1812. S. 171. 172.)
3 Vgl. das Hamburgische Urkundenbuch a. a. 0.
* Vgl. W. Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter bis
zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts. Bd. II. 5. Aufl. Berlin 1886. S. 401.
ö H. a. 0. S. 266.
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11
ebenso wie in St. unmittelbar auf einander folgen, ein Umstand, wel¬
cher nach Bernheims Ansicht beweist, dass beide eine gemeinsame Quelle,
eben die Rosenfelder Annalen, benutzt haben. Man vergleiche:
P. 1148.
Adelbero, Bremensis archiepiscopus,
obiit *..
Qui vir mansueti Spiritus a Deo presul
effectus ab ipso in benedictione et of¬
ficio sacerdotali misericorditer est con-
servatus. Cuius vicem gerendam susce-
pit Hartwigus, eiusdem ecclesie maior
prepositus. Tiethmarus, Fardunensis
episcopus, honorificura et utile membrum
ecclesie, requievit in Domino, et Here-
mannus, Halberstadensis archidiaconus
et custos ecclesie, functus est eius officio.
St. 1148.
Albertus, Bremensis archiepiscopus,
obiit,
cui successit Hartwicus maior preposi¬
tus, Rodulfi marchionis filius. Thetma-
rus, Verdensis episcopus, obiit.
Ich will zugeben, dass die gleichmäßige Aufeinanderfolge beider
Notizen für die Benutzung einer gemeinsamen Quelle sprechen könnte.
Indes da, was Bernheim wohl entgangen ist, die Todestage der beiden
Bischöfe nur um einen Monat 1 auseinanderliegen, so darf meinea Er¬
achtens auf die Verbindung jener Notizen durch P. und St., zumal auch
die formale Übereinstimmung beider Quellen hier denjenigen Grad nicht
überschreitet, welcher in nekrologischen Notizen auch zwischen einander
ganz fernstehenden Quellen zu herrschen pflegt, weiter kein Gowicht ge¬
legt werden. Nur dann wäre der Schluss auf die Benutzung einer ge¬
meinsamen Vorlage gerechtfertigt, wenn sowohl von P. als auch von St.
die zweite Notiz der ersten vorangestellt, also von beiden derselbe chro¬
nologische Irrtum begangen worden wäre.
Endlich erwähnt Bernheim 2 noch zwei Stellen, welche zwar nur
in P. und M. Vorkommen, aber gleichwohl Rosenfelder Ursprungs sein
sollen. In der einen, den Hoftag zu Kaina (1146) betreffenden, bedienen
sich beide übereinstimmend der Worte ,rex curiam habuit Cuine‘ bez.
,rex dum Cuine curiam haberet*, in der anderen, im Bericht über den
zweiten Kreuzzug stehenden, knüpfen sie, wiederum übereinstimmend,
die Nachricht vom Tode Bernhards von Plötzkau mit den Worten ,ubi
et‘ an diejenige von der Vernichtung der Nachhut des Kreuzheeres bei
Doryläum an. Es wird genügen, auf diese „Anklänge an die Rosen¬
felder Annalen“ wenigstens hingewiesen zu haben; sie zu widerlegen, ist
unmöglich!
1 Adalbero starb am 25. August, Thictmar am 23. September 1148,
* a. a. 0. S. 265. 266.
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12
Die Benutzung von Rosenfelder Annalen durch P., M. und St. in
den Jahren 1145 bis 1152 lässt sich sonach nicht einmal wahrscheinlich
machen. Und damit schwindet auch jede Möglichkeit, nachzuweisen,
dass überhaupt ehemals eine Fortsetzung der Rosenfelder Annalen für
den angegebenen Zeitraum existierte. Es bleibt also eine Lücke in
Jaffes und Bernheims Beweisführung. Diese zu beseitigen, reichen auch
die beiden Erklärungen Bernheims *, nämlich einerseits, dass die Rosen¬
felder Annalen, wie ja überhaupt die Geschichtschreibung unter der
unfruchtbaren Regierung Konrads III. dürftig werde, für die Geschichte
der Jahre 1145 bis 1152 nur spärlichen Stoff geboten hätten, anderer¬
seits, dass wenigstens dem Pöhlder Chronisten und dem Verfasser der
Magdeburger Annalen für denselben Zeitraum aus anderen Quellen so
reichliches Material zugeflossen sei, dass sie die dürftigen Nachrichten
der Rosenfelder Annalen recht wohl hätten entbehren können, nicht
aus. Denn Bernheim hat nirgends nachgewiesen, welche Quellen M. und
P. für jene acht Jahre noch benutzt haben könnten. Zudem steht auch
die zweite Erklärung mit der ersten in offenbarem Widerspruch; denn
die Geschichtschreibung zur Zeit Konrads III. kann, insofern es sich,
wie hier, um die Masse des historischen Stoffes handelt, doch wohl
nicht „dürftig“ genannt werden, wenn in dieser Zeit entstandene Quellen
„reichliche“ Nachrichten boten.
Sehen wir nun zu, ob P., M. und St. wenigstens bis 1144 eine Fort¬
setzung der Rosenfelder Annalen benutzt haben! Nach Bernheims Mei¬
nung 1 2 hätten alle drei, und mit ihnen das Chronicon Sampetrinum 3 ,
dessen Verfasser Bernheim 4 ebenfalls zu den Benutzern der Rosenfelder
Annalen rechnet, von derselben namentlich in den Jahren 1141 bis 1144
starken Gebrauch gemacht. Und zwar sollen sie ihr in diesem Ab¬
schnitt die folgenden Stellen entlehnt haben 5 :
r.
1141. Obiit Ri-
chence regina,
Adelbertus quoque
iunior, Mogoncie
episcopus, pro quo
Marcolfus ordina-
M.
1141. Obierunt
Ricbeza imperatrix
et Adalbertus Mo-
gontinus archiepi-
scopus; cui succes-
sit Marcolfus pre-
St.
1141. Rikenza
imperatrix obiit,
et post paululum
sedatae sunt con-
certationes princi-
pum Saxoniae, quae
Samp.
1141. Ricbiza
imperatrix obiit.
Adelbertus, Mo-
gontinus archiepi-
scopus XVI. Kal.
Augusti obiit, cui
1 a. a. 0. S. 266 und S. 270.
fl a. a. 0. S. 267. 268.
8 Hrsg, von B. Stübel in den Geschichtsquellen der Provinz Sachsen. Bd. I.
Halle 1870. S. 1—194.
4 a. a. 0. S. 268 ff.
6 Vgl. die Übersicht bei Bernheim a. a. 0. S. 279. 280.
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13
P.
tur. Qui piissime
recordationis vir ..
1142. Conradus,
Magdeburgers
episcopus, obiit;
cui Fridericus suc-
cessit.
Marcolfus, Mogon-
cie episcopus, obiit;
cui felix Heinricus
successit.
1143. Gertrudis
ducissa Bawariam
tendens partu peri-
clitata moritur. In-
nocentius papa obi¬
it, cui Celestinus
successit.
1144. Rodolfus
comes de Fraken-
leve a septentrio-
nalibus Saxonibus,
qui Thietmarici di-
cuntur, peremtus
est, ipso mense et
die, quo frater eius
Udo noscitur oc-
cubuisse. Sifridus
comes de Boumene-
M.
positus de Asca-
phanburch, vir per
cuncta laudabilis.
1142. Obierunt
Cuonradus Maga-
daburgensis archi-
epmcopus, etEilica
cometissa, et Otto
episcopus, et Mar¬
colfus, Mogontinus
archiepiscopus; cui
successit Heinricus
prepositus maioris
ecclesie eodem an¬
no. Cuonrado suc¬
cessit Fridericus in
archipresulatu, cu-
stos maioris eccle¬
sie et prepositus
Bivere.
1143. Innocen-
tius papa obiit, cui
cardinalis Wido,
qui et Celestinus
successit.
Obiit Adalbero Cor-
biensis abbas, et
Gertrudis ductrix,
et Agnes marchio-
nissa, mater Cuon-
radi regis.
1144. Obiit Ce¬
lestinus papa, eique
successit cardinalis
Gebebardus, muta-
to nomine Lucius.
Rothulfus comes de
Staden interfectus
est a Transalbianis
Saxonibus, qui Ted-
marsgoi dicuntur,
propterea quia op-
St.
fuerant contra re¬
gem et Albertum
marchionem. Al¬
bertus Moguntinus
archiepiscopus obi¬
it, cui successit
Marcolfus.
1142. Eodem an¬
no Eilica, mater
Alberti, filia ducis
Saxoniae Magni,
obiit. Conradus
Magdaburgensis
archiepiscopus obi¬
it, eique successit
Fridericus. Mar¬
colfus Moguntinus
obiit Cui succes¬
sit Heinricus.
1143. Gertrudis,
mater Heinrici Le¬
onis filiaque Lo-
tharii et Rikence,
obiit. Innocentio
papae successit
Wido, qui et Coe-
lestinus.
1144. Rodulfus
iunior comes in
Thietmarsia occi-
sus est in cometia
sua.
Coelestino papae
succedit Gerardus,
qui et Lucius. Sige-
fridus comes obiit.
Samp.
Marcolfus Ascafin-
burgensis preposi¬
tus successit.
1142. Marcolfus,
pie memorie Mo¬
gontinus archiepi¬
scopus, 5. Jd. Julii
obiit. Pro quo
Heinricus preposi¬
tus maioris ecclesie
constituitur.
1143. Innocen-
cius papa, qui et
Gregorius, obiit;
pro quo Celestinus,
qui et Gwido.
1144. Celestinus
papa obiit, pro quo
Lucius, qui et Ger-
hardus constitui-
tur. Rudolfus mar-
chio, occiditur. Si-
gefridus comes de
Bomeneburg obiit.
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14
p.
M. St. I
burch obiit. Ce-
pressiones eiusdiu-
lestinus papa obiit,
tius ferre nolue-
cui Lucius, qui et
runt. Sigifridus co-
Gerardus, succes-
mes de Boumini-
sit.
burch etiam obiit, j
Also fünf Nachrichten über Papst- und Bischofswechsel und drei
nekrologische Notizen 1 in dem kurzen Zeiträume von vier Jahren! In
der That eine stattliche Anzahl von den vier Quellen gemeinsamen Nach¬
richten, aber doch von viel zu geringer Beweiskraft, als dass sich auf
sie eine Hypothese wie diejenige Bernheims sicher gründen Hesse! Denn
Nachrichten und Notizen wie die obigen konnte jeder andere sächsische
Annalist, und nicht blos ein Rosenfelder erhalten, und hatte wohl auch
jedes beUebige sächsische Kloster in seinem Nekrologium verzeichnet.
Doch dies nur nebenbei! Schwerer fällt gegen Bernheims Ansicht die
chronologische Genauigkeit ins Gewicht, welche in P. in den Jahren
1141 bis 1143 zu bemerken ist. Man vergleiche die folgende tabella¬
rische Übersicht über alle aus diesen drei Jahren in den vier Quellen
mitgeteilten Ereignisse.
P. M.
1141. 1141.
18. Mai. Reichs- 10. Juni. Tod der
tag zu Würzburg. Kaiserin Richinza.
? Gründung des 17. Juli. Tod des
Klosters Sittichen- Erzbischofs Adal-
bach. bert von Mainz.
10. Juni. Tod der
Kaiserin Richinza.
17. Juli. Toddes
Erzbischofs Adal¬
bert von Mainz.
1142. 1142.
2. Mai. Tod des 2. Mai. Tod des
Erzbischofs Kon- Erzbischofs Kon-
rad von Magde- rad von Magde¬
burg. bürg.
10. Mai. Reichs- 16. Januar. Tod
tag zu Frankfurt. der Gräfin Eilika
von Ballenstedt.
St. Samp.
1141. 1141.
10. Juni. Tod der 10. Juni. Tod der
Kaiserin Richinza. Kaiserin Richinza.
17. Juli. Toddes 17. Juli. Toddes
Erzbischofs Adal- Erzbischofs Adal¬
bert von Mainz. bert von Mainz.
29. August. Auf¬
ruhr in Erfurt.
1142. 1142.
2. Juli. Weibe 10. Mai. Reichs-
des Marienklosters tag zu Frankfurt,
in Stade.
16. Januar. Tod 9. Mai. Brand in
der Gräfin Eilika Erfurt,
von Ballenstedt.
1 Die Notizen über den Tod der Gräfin Eilika und der Herzogin Gertrud
rechne ich absichtlich nicht mit, da sie nicht in allen vier Quellen Vor¬
kommen.
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15
P.
9. Juni. Tod des
Erzbischofs Mar-
culf von Mainz.
1143.
Januar. Landtag
in Goslar.
2. Februar. Auf¬
enthalt Konrads III.
in Quedlinburg.
18. April. Tod
der Herzogin Ger¬
trud von Baiern.
24. September.
Tod des Papstes
Innocenz II.
M.
? Tod des Bi¬
schofs Otto von ?*
9. Juni. Tod des
Erzbischofs Mar-
culf von Mainz.
1143.
24. September.
Tod des Papstes
Innocenz II.
7. November.
Tod des Bischofs
Ekkilev von Merse¬
burg.
29. Mai. Tod des
Abtes Adalbaro von
Corvey.
18. April. Tod
der Herzogin Ger¬
trud von Baiern.
24. September.
Tod der Markgräfi n
Agnes von Öster¬
reich.
St.
2. Mai. Tod des
Erzbischofs Kon-
rad von Magde¬
burg.
9. Juni. Tod des
Erzbischofs Mar-
culf von Mainz.
(10. Mai. Reichs¬
tag zu Frankfurt.)*
1143.
(Jauuar. Land¬
tag in Goslar.)
18. April. Tod
der Herzogin Ger¬
trud von Baiern.
24. September.
Tod des Papstes
Innocenz II.
Samp.
11. (9.)Juni. Tod
des Erzbischofs
Marculf von Mainz.
7. April. Tod des
Abtes Rüdiger von
Erfurt.
1143.
7. November.
Tod des Bischofs
Ekkilev von Merse¬
burg.
24. September.
Tod des Papstes
Innocenz II.
Man sieht, 'während in P. nirgends ein Irrtum zu bemerken ist 3 ,
ist in M. und im Chronicon Sampetrinum in den Jahren 1142 und 1143
und in St. im Jahre 1142 die Chronologie ganz verwirrt. Nehmen wir
nun einmal an, es habe wirklich eine Fortsetzung der Rosenfelder An¬
nalen existiert und es habe dieselbe die von Bernhoim ausgehobenen
Notizen enthalten! Nehmen wir auch an, diese Fortsetzung habe den
Verfassern der citierten vier Quellen Vorgelegen und sei von ihnen be¬
nutzt worden! Wie mag es dann wohl P., der doch in seiner Rosen¬
felder Vorlage keinerlei Daten vorfand, angefangen haben, um zwischen
1 Wahrscheinlich ist der im Jahre 1135 auf dem Konzil zu Pisa von Papst
Innocenz II. abgesetzte Bischof Otto von Halberstadt gemeint.
8 Die Stader Annalen erwähnen den Frankfurter Reichstag, sowie den Gos-
larer Landtag selbst nicht, sondern nur die Resultate derselben.
8 Doch will ich nicht unerwähnt lassen, dass spätere Quellen als Gründungs¬
tag des Klosters Sittichenbach den 5. Mai, allerdings ein konventionelles Datum,
aiigeben.
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16
die Nachrichten dieser diejenigen der „Staufischen Nachrichten“ — denn
diesen hat er nach Bernheims Ansicht 1 alles entlehnt, was nicht aus
den Rosenfelder Annalen stammt — so einschieben zu können, dass die
chronologische Folge der Ereignisse gewahrt blieb? Um nur ein Bei¬
spiel anzufiihren, auf welche Weise mag er gefunden haben, dass von
den in den Rosenfelder Annalen mitgeteilten beiden Bischofswechseln
des Jahres 1142 der eine dem Bericht der „Staufischen Nachrichten“
über den Frankfurter Reichstag voran-, der andere aber ihm nach¬
zustellen sei? Man könnte antworten, dass diese Genauigkeit nur eine
zufällige sei. Indes diese Antwort kann ich nicht gelten lassen, denn
es handelt sich ja hier nicht um einen vereinzelten Fall, vielmehr kann
man dieselbe Beobachtung wie 1142 auch 1143 und 1141, ja schon
1140, 1139 und 1138 machen. P. kann daher hier nur eine Quelle
benutzt haben, und man hat die Wahl zwischen den Rosenfelder An¬
nalen und den „Staufischen Nachrichten“. Da sich nun nicht in Ab¬
rede stellen lässt, dass P. eine den letzteren entsprechende Quelle ge¬
kannt hat, so wird man die Annahme der Benutzung von Rosenfelder
Annalen in P. auch hier fallen lassen müssen 2 .
Welcher Quelle M. folgte, werde ich später zeigen: Rosenfelder An¬
nalen waren es nicht. Sind aber diese nicht in M. benutzt, so fällt
auch jeder Grund weg, sie für die Quelle St.’s oder des Chron. Sain-
petrinum zu halten. Letztere mögen aus einem Nekrologium geschöpft
haben.
Wie die erwähnten, so halten aber auch die noch übrigen drei von
Bernheim 3 erwähnten Stellen aus den Jahren 1131, 1139 und 1140
vor einer genaueren Prüfung nicht stand. Mit der einen (1140) in P.
und St. Enthaltenen verhält es sich genau ebenso wie mit denjenigen
Stellen, welche Bernheim aus P. und M. 1146 und 1147 aushebt und
deren schon oben (S. 11) gedacht worden ist; die andere (1139) aber
kann, da sie nur in P. und S. 4 vorkommt, mit demselben, wenn nicht
mit besserem Rechte auf die „Staufischen Nachrichten“ zurückgeführt
werden. Nur die dritte in P., M. und S. zu findende Stelle verdient
hier eingehender besprochen zu werden; sie bezieht sich auf die Lüt¬
ticher Synode des Jahres 1131 und lautet wie folgt:
1 a. a. 0. S. 285.
2 Dasselbe gilt natürlich auch von den drei Berichten P.’s aus dem Jahre 1144,
welche Bernheim für die Rosenfelder Annalen beansprucht. Ich komme auf diese
Berichte weiter unten zurück.
8 a. a. 0. S. 278.
4 Durch S. bezeichne ich den Annalista Saxo (hrsg. v. Waitz, MG. SS. VI,
542—777), welcher bis 1139 für die Fortsetzung der Rosenfelder Annalen in Be¬
tracht kommt.
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17
P.
Sinodus
36 episcoporum ab Inno-
cencio papa Leodio babita
est presente rege Lotha-
rio cum regina;
in qua domnus Otto, Hai-
berstadensis episcopus,
iam triennio episcopatu
privatu8 cathedre pontifi-
cali restituitur.
S.
[Dominica ante mediam
quadragesimam 11. Kal.
Aprilis celeberrimus con-
ventus] 36 episcoporum [et
principum fit Leodii, dom-
no apostolico Innocentio et
rege Lothariol ac regina
[presentibus, ubi multa
tarn de eclesiasticis quam
de regni utilitatibus pro-
vide ordinata sunt.] Ibi
exconraunicati sunt Petrus
Leonis, Conradus et frater
suus Fridericus cum Om¬
nibus eis faventibus. [Ibi
Halberstadensis episcopus
Otto ab Honorio papa]
iam triennio episcopatu
I privatus, [interventu regis
et principum officii sui
restitutionem promeniit.] 1
M.
Habita est Bynodus ge¬
neralis in quadragesiroa
apud Leodium, presidente
papa Innocencio cum nu-
merosa multitudine epi¬
scoporum, abbatum et cle-
ricorum diversorum ordi-
num, presente rege Lo-
thario et regina Richeza,
ibique ab ipso apostolico
et omni ecclesia inibi col-
lecta excommunicati sunt
Petrus Leonis, Counradus
et frater suus Fridericus
cum omnibus illis faven¬
tibus. Otto eciam Halver-
stadensis episcopus, ab
Honorio papa depositus,
ibidem propter peticionem
ecclesie et regis pristinam
resumpsit sedem.
Der Grund, warum Bernheim hier Benutzung von Rosenfelder Annalen
— in S. und M. durch Vermittlung der verlorenen Nienburger Quelle —
annimmt, ist der, weil P. und M. übereinstimmend den Bericht mit
den Worten ,Sinodus... habita est* bez. ,Habita est synodus* beginnen,
und darauf die Anwesenheit Lothars und Richinzas in Lüttich mit den¬
selben Worten wie S. mitteilen. Dieser Grund lässt sich leicht ent¬
kräften. S. hat nämlich die Worte ,ante mediam quadragesimam —
domno apostolico* nicht den Nienburger Annalen entlehnt, wie Bern¬
heim anzunehmen scheint, sondern — dies lehrt ein Blick in die Kölner
Chronik 2 — den Paderborner Annalen; und auf diese gehen auch die
sich anschliessenden vier Worte ,et rege Lothario ... presentibus* zu¬
rück. Es bleiben daher für die Fortsetzung der Rosenfelder Annalen
ausser dem P. und M. gemeinsamen stereotypen Ausdruck ,synodus ha¬
bita est* nur die beiden Worte ,ac regina*, oder richtiger nur das eine
Wort ,regina* übrig. Diese Übereinstimmung reicht doch wohl noch
nicht aus, um auf die Benutzung einer gemeinsamen Vorlage in den
drei Quellen schliessen zu können. Zudem führt auch sorgfältige Ver¬
gleichung der drei Berichte miteinander zu einem ganz andern Resultat.
Scheidet man nämlich aus S.’s Bericht die Paderborner Bestandteile
1 Die eingeklammerten Stellen stammen aus den Paderborner Annalen; vgl.
Scheffer-Boichorst, Annales Patherbrunnenses S. 156.
2 Hrsg. v. G. Waitz. Hannover 1880. S. 68.
2
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18
aus, so stimmt dieser in dem verbleibenden Rest bald mit P. bald mit
M., nie aber mit beiden zugleich überein. So hat er mit P. die in M.
fehlenden Notizen über die Anzahl der in Lüttich versammelten Bischöfe
und über die dreijährige Dauer der Absetzung des Bischofs Otto von
Halberstadt gemeinsam, mit M. aber berührt er sich in der in P. nicht
enthaltenen Nachricht von der Exkommunikation des Petrus Leonis und
Friedrichs und Konrads von Schwaben. Dieses eigentümliche Verhält¬
nis lässt sich nur so erklären, dass S. neben den Paderborner Annalen
noch zwei andere Quellen benutzte, von denen die eine auch P., die
andere auch M. kannte, mit anderen Worten, dass dem Bericht M/s ein
Nienburger Originalbericht zu Grunde liegt, welchen teilweise auch S.
benutzt hat, und dass die P. und S. gemeinsamen Stellen auf eine
andere, von den Rosenfelder Annalen ganz unabhängige Quelle zurück¬
gehen.
Sonach kann von der ehemaligen Existenz einer Fortsetzung der
Rosenfelder Annalen für die Jahre 1131 bis 1152 nicht mehr die Rede
sein. Es muss demgemäss auch die oben noch als möglich bezeichnete
Benutzung entweder eines bis 1152 vollständigen und von da ab ge¬
kürzten Exemplares der Rosenfelder Annalen oder zweier Exemplare,
von denen das eine vollständige bis 1152, das andere gekürzte bis 1164
reichte, in M. und S. verworfen werden.
Doch bietet sich noch ein letzter Ausweg, um wenigstens die P.,
A., M. und St. von 1153 ab gemeinsamen Nachrichten für die Rosen¬
felder Annalen zu retten. Es wäre nämlich denkbar, dass irgend ein
Rosenfelder Mönch das von ihm Vorgefundene, bis 1130 reichende Exem¬
plar der Annalen nur von 1153 ab fortgesetzt, also den dazwischen
liegenden Zeitraum unausgefüllt gelassen, und darauf ein Abschreiber,
nachdem er den Text bis 1130 vollständig abgeschrieben, diesen letzten
Teil gekürzt hätte. Wäre dem so, dann würde nur dem Pöhlder Chro¬
nisten und dem Verfasser der Vorlage A/s der Schluss der Annalen in
seiner ursprünglichen Gestalt, dem Magdeburger und Stader Annalisten
dagegen bereits gekürzt Vorgelegen haben. Die ersteren beiden hätten
dann die Lücke zwischen 1130 und 1153 mit Hilfe einer anderen ihnen
gemeinsamen Quelle ausgefüllt. Diese Annahme ist jedoch nur in dem
Falle zulässig, dass seitens des Pöhlder Chronisten sowohl wie seitens
des Verfassers der Vorlage A/s die Rosenfelder Annalen auch vor 1130
benutzt worden sind. Lässt sich dies auch nur einem von ihnen nicht
nach weisen, dann bleibt nichts anderes übrig, als der Benutzung der¬
jenigen Quelle, auf welcher ihre Übereinstimmung in dem Zeitraum von
1131 bis 1152 beruht, auch diejenige in dem Zeitraum von 1153 bis
1164 zuzuschreiben, und dementsprechend den Grund der Übereinstim-
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19
mung M.’s und St.’s mit ihnen in der Benutzung eines den letztgenannten
Zeitraum umfassenden Fragmentes dieser noch unbekannten Quelle zu
suchen. Betreffs P.’s trifft — dies bedarf keines weiteren Beweises —
jene Voraussetzung allerdings ein. In A. jedoch ist auch nicht ein ein¬
ziger Rosenfelder Bericht zu finden; es darf daher auch nicht ange¬
nommen werden, dass der Verfasser seiner Vorlage die Rosenfelder An¬
nalen gekannt habe. Also ist auch der letzte sich noch bietende Aus¬
weg verschlossen, und damit fällt denn die ganze so lange aufrecht er¬
haltene Rosenfelder Annalen-Hypothese Jaffes und Bernheims in sich
zusammen: Die Rosenfelder Annalen sind nie über das Jahr 1130
hinaus fortgesetzt worden.
Entsprechend dem negativen Resultat, zu welchem die Kritik der
Ansicht Bernheims geführt hat, wären nunmehr die für die Ansicht
v. Heinemanns sprechenden Gründe auseinanderzusetzen. Leider sehe
ich mich jedoch genötigt, auch diese Ansicht zurückzuweisen; denn
nichts spricht für, alles gegen die Benutzung der Nienburger Annalen
bez. der Vorlage der Annalium Saxonicorum Excerpta in der Pöhlder
Chronik.
Um von dem Verhältnis P.’s zu A. auszugehen, so folgert v. Heine¬
mann 1 die Abhängigkeit jenes von der Vorlage dieses lediglich daraus,
dass beide die Paderborner Jahrbücher, nachdem sie dieselben bis 1125
nur selten benutzt, übereinstimmend von diesem Jahre ab häufiger zu
Rate ziehen. Er beruft sich dabei betreffs P.’s auf Scheflfer-Boichorst.
Aber dessen Ansicht ist, wie ich schon in der Einleitung mitgeteilt habe,
unbegründet: die Benutzung der Paderborner Annalen ist in P. nach
1125 nicht viel stärker als vor diesem Jahre. Zu der Annahme, dass
A.’s Vorlage P.’s Quelle gewesen sei, liegt daher kein Grund vor.
Dann hat also, wird man nun sagen, wie A.*s Vorlage so auch P.
die Nienburger Annalen selbständig benutzt. Auch diese Annahme muss
ich als unhaltbar bezeichnen. Denn einmal ist in P. und A. bis zum
Jahre 1139, also gerade bis zu demjenigen Zeitpunkte, bis zu welchem
nach der bisherigen Annahme die Nienburger Annalen ungefähr reichten 2 ,
1 a. a. 0. S. 47. 48.
8 Winkelmann (Geschichtschreiber der deutschen Vorzeit, XII, 12: Die Jahr¬
bücher von Magdeburg. Einl. S. 6) meint, dass die Annalen nach Lothars Kaiser¬
krönung und nach der Wahl des Erzbischofs Konrad von Magdeburg verfasst wor¬
den seien; wie weit sie reichten, lässt er dahingestellt. Günther (a. a. 0. S. 32
u. S. 40) setzt ihre Abfassung um die Mitte des 12. Jahrhunderts an, bestimmt
sie aber dann (S. 51) genauer als bald nach 1142 erfolgt; auch er lässt (S. 69)
das Ende ihrer Fortsetzung unbestimmt. Nach Giesebrechts Annahme (Geschichte
der deutschen Kaiserzeit. Bd. IV. Braunscbweig 1875. S. 389) wurde das Werk
bald nach 1130 geschrieben und etwa bis 1149 fortgesetzt. Bernheim (a. a. 0.
2 *
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20
von einer Benutzung derjenigen Nachrichten, welche, wie sich aus der
Vergleichung des Annalista Saxo und der Magdeburger Annalen ergiebt,
der Verfasser der Nienburger Annalen den Chroniken Reginos, Thiet-
mars und Ekkehards (Rec. A.), den Gesta Hammaburgensis ecclesiae
pontificum Adams von Bremen, der Vita Godehardi, den Quedlinburger,
Rosenfelder und älteren Hildesheimer Annalen, den Annalen Lamberts
von Hersfeld, den Gesta Widukinds und Adalbolds Vita Heinrici II.
entnahm J , sowie der ihm eigentümlichen Berichte auch nicht die leiseste
Spur vorhanden, und dann ist die Zurückführung der P., A., M. und
St. in den Jahren 1145 bis 1164 gemeinsamen Nachrichten auf die
Nienburger Annalen aus genau denselben Gründen unmöglich, aus wel¬
chen dieselben oben den Rosenfelder Annalen abgesprochen werden
mussten: es lässt sich eben auch hier weder für das Fehlen von nun¬
mehr Nienburger Nachrichten in dem Abschnitt 1145 bis 1152 noch
für die Kürzung derselben in dem folgenden Abschnitt 1153 bis 1164
in M. und St. eine annehmbare Erklärung finden. Dass aber P., A.,
M. und St. nur ein die Jahre 1140 bis 1144 umfassendes Fragment der
Nienburger Annalen vor sich gehabt haben könnten, wird niemand an¬
nehmen wollen, welcher das Verhältnis M/s zu dieser Quelle kennt.
Möglicherweise wird jedoch v. Heinemann einwenden, dass A. aus
Ekkehards Chronik stammende Stellen enthalte, deren ursprünglicher
Text in derselben Weise wie in M. geändert worden sei, mithin die
obige Behauptung, dass sich in A. keine dem nichtoriginalen Teile der
Nienburger Annalen entlehnte Stelle finde, nicht zutreffe 2 . Dieser Ein-
S. 267 Anm. 4) dagegen lässt es nur bis 1140 reichen. Wattenbach (a. a. 0. S. 227)
und Kurze (Neues Archiv XIV, 85) setzen die Abfassung ganz allgemein ersterer
in die Zeit Abt Arnolds (1134—1166), letzterer in die erste Hälfte des 12. Jahr¬
hunderts.
1 Vgl. Günther, a. a. 0. S. 63 ff., und Wattenbach, a. a 0. S. 227, auch Schum,
die Jahrbücher des Sanct-Albans-Klosters zu Mainz. Gotting. Diss. 1872. S. 93.
Anm. 2.
2 Die von v. Heinemann (a. a. 0. S. 40) angeführte Stelle findet sich auch
in der Pöhlder Chronik und in der Chronik Heinrichs von Herford (Ausgabe von
Potthast S. 87). In der ersteren (Cod. Laud. fol. 7l\ 72) lautet sie: (981) Greci
offensi contra ius et fas provincias Grecorum invadi inperatori Ottoni in Cala¬
bria bello congrediuntur; in quo bello omnes Romanorum copie usque ad interni-
tionem pene delete sunt. Inperator natando evadere nitens a nautis eum ignoran-
tibus capitur et a quodam eorum, qui negociator erat, agnitus nec proditus et per
illius miserationem et industriam re delata ad reginam Theophanu et Teoderi-
cum, Mettensem episcopum, qui in civitate Rosan rei eventum prestolabantur,
cum magna difficultate per negociatorem et per episcopum de manibus
nautarum liberatus vix evasit. Omnibus igitur pro infortunio et pudore rei
publice consternatis sola regina feminea et Greca levitatc insultabat eis, quod ab
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21
wand ist aber ohne Belang, da die betreffenden Stellen nur in der Re¬
daktion E., nicht aber in der vom Nienburger Annalisten benutzten Re¬
daktion A. der Chronik Ekkehards Vorkommen. Und auch wenn dies
nicht der Fall wäre, auch wenn der Nienburger Annalist die Redaktion
E. benutzt hätte, würden sie gleichwohl jeder Beweiskraft entbehren;
denn die in ihnen vorgenommenen Änderungen des Textes sind, wie aus
den Handschriften der Redaktion E., z. B. dem von mir benutzten Cod.
Berol. Lat. N. 295, ersichtlich ist, dieser eigentümlich 1 .
Es sind sonach auch keine Nienburger Annalen in der
Pöhlder Chronik, und ebensowenig in der Vorlage der Anna-
lium Saxonicorum Excerpta und dem die Jahre 1153 bis 1164
umfassenden Abschnitt der Magdeburger und Stader Annalen
benutzt worden.
Die Streitfrage, ob der Pöhlder Chronist, nachdem die von ihm
nach dem Schluss der Chronik Ekkehards seiner Darstellung zu Grunde
gelegten Hildesheimer Annalen 1137 geendet, zu einer verlorenen Fort¬
setzung der Rosenfelder Annalen oder zu den verlorenen Annales Saxonici
bez. zu dem verlorenen Nienburger Geschichtswerke gegriffen habe, lässt
sich also weder zu Bemheims noch zu v. Heinemanns gunsten entschei¬
den, und zwar zu Bernheims gunsten nicht, weil eine Fortsetzung der
Rosenfelder Annalen überhaupt nicht existiert hat, und zu v. Heine¬
manns gunsten nicht, weil sowohl für die Annahme, dass die Pöhlder
Chronik aus den verlorenen Annales Saxonici abgeleitet sei, als auch
für die Annahme, dass die Nienburger Jahrbücher bis zum Jahre 1164
gereicht haben, jeder stichhaltige Grund fehlt.
Ich gehe nun zum zweiten Teile dieser Untersuchung über. Es
gilt, die verlorene Quelle oder die verlorenen Quellen zu ermitteln,
welche vom Pöhlder Chronisten noch ausser der von Waitz angenom¬
menen Kaiserchronik und den Paderborner Annalen benutzt worden sind.
Schon oben, als ich den Bericht über die Synode zu Lüttich (1131)
besprach, habe ich darauf hingewiesen, dass dem Pöhlder Chronisten
und dem Sächsischen Annalisten neben den Paderborner Annalen noch
ein anderes, jedoch mit den vom Sächsischen Annalisten auch benutzten
exercitu sue gentis tarn miserabiliter victi essent Romani. Quod vcrbum
altius, quam rata erat, in pectus omnium descendit, &c per boc cepit a
primatibus exosa haberi.
1 Es ist bedauerlich, dass dies Waitz in der Ausgabe nicht angedeutet hat.
Ich habe den Zeitraum von 741 bis 1125 genau verglichen und kann, ohne zu
übertreiben, behaupten, dass in der Ausgabe gegen 200 Varianten nicht ange¬
geben sind.
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22
Nienburger Annalen nicht identisches, verlorenes Annalenwerk Vorgelegen
haben müsse. Dieses ist hier zuerst ins Auge zu fassen.
Ich führe zunächst, um zu zeigen, dass das Verhältnis des Anna-
lista Saxo, der Pöhlder Chrouik und der Magdeburger Annalen zu ein¬
ander auch anderwärts dasselbe ist wie in dem eben erwähnten Be¬
richte, noch die folgende Stelle an.
P. 1138.
Eo tempore dux Hein-
ricus latenter Saxoniam
introivit et obnitentes re-
gi in suum contubernium
ascivit. 1
1139. Crescente odio du-
cis Heinrici et marchionis
Adelberti.
S. 1139.
Rex Conradus natale
Domini Goslarie celebra-
vit, ubi et publicum con-
ventum habuit, sed nichil
de ret publice utilitate
tractatum est; sicque non-
nullis dedignantibus curia
defluxit, illo ibidem per
integrum mensem inuti-
liter degente. p]o tempore
dux Bawarie Heinricus la¬
tenter Saxoniam introivit,
et obnitentes regi in su¬
um contubernium ascivit.
Intrante Februario . . . .
M. 1139.
Rex natalem Domini
Goslarie celebrat, ubi et
publicum conventum ha
buit, sed nichil ibi de rei
publice Btabilitate tracta¬
tum est, sicque nonnullis
dedignantibus curia de¬
fluxit, illo ibidem per in¬
tegrum mensem inutiliter
degente.
Intrante
vero Februario.
Die Übereinstimmung einerseits P.’s, andererseits M.’s mit S. zu
erklären, würden sich zwei Wege bieten: entweder könnte man an¬
nehmen, dass allen drei ein und dieselbe Quelle Vorgelegen habe, hier
aber nur von S. vollständig wiedergegeben werde, oder man könnte S.
die Benutzung zweier Quellen zuschreiben, von denen ihm die eine mit
P., die andere mit M. gemeinsam war. Die erstere Erklärung bereitet
jedoch Schwierigkeiten. M. stimmt nämlich wie hier so auch ander¬
wärts nie mit P. überein; er würde daher, wenn er dieselbe Quelle wie
P. benutzt hätte, aus ihr sich immer nur diejenigen Abschnitte heraus¬
gesucht haben, welche P. übergangen hatte. Dies könnte aber nur dann
angenommen werden, wenn ihm P. zur Vergleichung Vorgelegen hätte.
Dafür bietet sich jedoch nirgends ein Anhalt, und so ist jene Erklärung
einfach unmöglich. Man wird deshalb der anderen, an und für sich ja
auch viel einfacheren, den Vorzug geben müssen: S. verwertete zwei
Quellen, die Nienburger Annalen, welche ihm mit M. gemeinsam sind
und eine zweite, auch von P. benutzte Quelle.
1 Pertz hat in der Ausgabe (MG. SS. XVI, 80) eigenmächtig diesen und den
ihm unmittelbar vorhergehenden Satz zum Jahresbericht 1139 geschlagen. In beiden
Handschriften der Chronik stehen diese Sätze am Schluss des Jahresberichtes 1138.
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23
Letzterer hat Bernheim 1 den Namen „Staufische Nachrichten“ ge¬
geben; ich nenne sie vorläufig J.
Auf diese Quelle J. sind nun, da sie die einzige annalistische Vor¬
lage ist, welche P. und S. von 1125 ab — höher hinauf lässt sich die
verlorene Quelle zunächst nicht verfolgen — gemeinschaftlich neben den
Paderborner Annalen benutzt haben, auch alle diejenigen beiden ge¬
meinsamen Berichte zurückzufiihren, welche den Paderborner Annalen
nicht zugewiesen werden dürfen. Denn dass beide dieselben nur einer
Quelle entnommen haben können, ergiebt sich aus folgender Erwägung.
Nimmt man dem Sächsischen Annalisten in den Jahren 1127 bis 1139,
in welchen er am häufigsten mit P. übereinstimmt, alles weg, was er
den Paderborner und den Nienburger Annalen entlehnt hat, desgleichen
die ihm eigentümlichen genealogischen Notizen und die zweifellos eben¬
falls von ihm herrührende kurze laudatio Lotharii am Schluss des Jahres¬
berichtes 1135, so bleiben ausser den nur ihm und P. gemeinsamen Be¬
richten noch drei übrig, welche weder durch P. noch anderweitig belegt
sind. Es sind dies der Bericht (1127) über die Empörung Friedrichs
und Konrads von Schwaben gegen Lothar, derjenige (1136) über die
Absetzung des Bischofs Otto von Halberstadt und die Nachfolge des
Vitztums Rudolf, und derjenige (1138) über die Ernennung der Äbtissin
Beatrix von Heerse zur Äbtissin von Quedlinburg. Von diesen lassen
sich aber die letzteren beiden mit grosser Wahrscheinlichkeit noch den
Nienburger Annalen zuweisen, und zwar der eine wegen seines Lokal¬
charakters — Beatrix war bekanntlich die Schwägerin Albrechts des
Bären, des Schutzvogtes von Nienburg —, der andere deshalb, weil sich
in ihm eine Wendung findet, deren sich der Nienburger Annalist schon
früher gelegentlich der Erwähnung der Wiedereinsetzung des Bischofs
Otto durch Innocenz II. auf der Lütticher Synode (1131), worüber der
Sächsische Annalist, wie ich schon erwähnte 2 , nach den Paderborner
Annalen und der ihm mit P. gemeinsamen Quelle berichtet, bediente.
Dort (Ann. Magdeb. 1131) hiess es, ,ab Honorio papa depositus, ibidem
propter peticionem ecclesie et regis pristinam resumpsit sedem‘, und
hier (Ann. Saxo 1136) steht fast gleichlautend ,olim ab Honorio papa
depositus, sed per Innocentium papam ob peticionem Lotharii impera-
toris plurimorumque episcoporum in priorem honorem restitutus 4 . Der
übrigbleibende Bericht aber kann — dies zeige ich weiter unten —
ohne Schwierigkeit auf dieselbe Quelle zurückgeführt werden, aus wel¬
cher der P. und S. gemeinsame Bericht über die Vermählung von Lo-
1 a. a. 0. S. 281 ff.
* Vgl. oben S. 17. 18.
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24
thars Tochter Gertrud mit Heinrich dem Stolzen stammt. Ganz ähn¬
lich verhält sich’s mit P. Entfernt man hier die den Hildesheimer und
den Paderborner Annalen entlehnten Berichte, so bleiben ausser den P.
und S. gemeinsamen Berichten nur die beiden Erzählungen von der
Tötung eines Mannes durch den Blitz (1129) und von der wunderbaren
Heilung einer Frau durch den heiligen Godehard (1134) stehen. Die
letztere Erzählung lässt sich jedoch, wie wir später sehen werden, be¬
quem derselben Quelle zuweisen, aus welcher die ihr unmittelbar vor¬
hergehende P. mit S. gemeinsame Notiz von der Grundsteinlegung zur
Godehardikirche in Hildesheim stammt. Da sonach bei S. gar keine,
bei P. nur eine, aber gerade weil sie die einzige ist, belanglose Notiz
übrig bleibt, welche darauf schliessen Hesse, dass beiden noch eine an¬
dere verlorene Quelle bekannt gewesen sei, so liegt auch kein Grund
vor, die Herkunft der sämtlichen hier in Betracht kommenden, P. und
S. gemeinsamen Berichte aus J. zu bezweifeln.
Bevor ich diese Berichte zusammenstelle, habe ich noch zu unter¬
suchen, ob sich Spuren einer Benutzung J.’s auch in anderen Quellen
finden. Dies ist nur in den Excerpten aus den Annalcs Saxonici und
in Peter Engelbrechts Chronologia abbatum Ilsineburgensium 1 der Fall.
Letztere lasse ich hier noch beiseite; sie wird erst später au geeigneterer
Stelle Verwendung finden. Hier sind nur die ersteren von Wert. Zum
Beweise, dass in ihnen aus J. stammende Berichte enthalten sind, diene
ihr Bericht über die Vermählung von Lothars Tochter Gertrud mit
Heinrich dem Stolzen und über die Einnahme Nürnbergs.
P. 1127.
Rex pentecosten Merse¬
burg celebravit, ubi
unicam et dilectam
filiam Buam Gertruden
Heinrico, duci Bawario-
rum,
coniugio sociavit. Inde ad-
versus castrum Noremberg
expeditione facta idem ca-
S. 1127.
Rex Liuderus penteco¬
sten Merseburh celebra¬
vit; ubi dccentissimo mul-
torum principum habito
conventu unicam et dilec¬
tam filiam suam Gertru-
dem glorioso Bawarie duci
Heinrico, ducis Heinrici
et Wullilde, Magni ducis
nate filio. cum multa ho-
norificentia in matrimonü
honore sociavit. Inde ad-
versus castrum Nurinberh
expeditionem fecit eamque
A. 1127.
Expost rex pentecosten
Merseborch celebravit, ubi
unicam et dilectam
filiam suam, Gertrudem
nomine, Hinrico glorioso
Bavarorum duci
in matrimonii
honore sociavit. Inde ad-
versus castrum Nurinberch
expeditione facta idem ca-
1 Hrsg, von G. W. Leibniz (Scriptores rerum Brunsvicensium. Tom. III. Ha-
noverae 1711. p. 684—690). — Sie ist nach Jacobs (Ilsenburger Urkundenbuch II.
Einl. S. 24. Anm. 7) im Jahre 1588 verfasst worden.
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25
P.
strum regie dicioni subegit.
S.
obsedit, sed nil relatu dig-
üum actum est ibi, sed
sine effectu cum dampno
suorum rediit.
A.
strum regie dicioni subegit
Diese drei Berichte verdienen etwas ausführlicher besprochen zu
werden. Schon Scheffer-Boichorst \ Bernheim 2 und v. Heinemann 3
haben nämlich versucht, die Quelle, aus welcher die falsche Nachricht
von der Einnahme Nürnbergs — sie erfolgte bekanntlich erst im '
Jahre 1130 — stamme, zu ermitteln. Jeder von ihnen ist aber zu
einem anderen Resultate gelangt. Während Scheffer-Boichorst annimmt,
dass P. die ganze Stelle einer einheitlichen, auch S. bekannten, aber
von diesem nur bis zu den Worten ,expeditionem fecit* benutzten und
von da an durch die Paderborner Annalen ersetzten Quelle entlehnt
habe, meint Bernheim, dass von P. und S. bis zu den Worten Expe¬
ditione facta 4 bez. ,expeditionem fecit* die „Staufischen Nachrichten“*
also unsere Quelle J., benutzt worden seien. Darauf hahe S. zu den
Paderborner Annalen gegriffen, P. aber die Rosenfelder Annalen 4 zur
Hand genommen und aus diesen jene falsche Nachricht abgeschrieben,
indem er von den Schlussworten des Berichtes derselben ,que tarnen
ei postea est tradita* das ,postea 4 falsch verstand uud wegliess 5 .
Demgegenüber bekennt sich v. Heinemann im allgemeinen zu
Scheffer-Boichorsts Ansicht. Auch er nimmt die Benutzung oiner ein¬
heitlichen Quelle seitens P. an. Glaubt aber Scheffer-Boichorst, dass
sich Ursprung und Charakter dieser Quelle schwerlich je werde näher
bestimmen lassen, so will sie v. Heinemann in der Vorlage von A. ge¬
funden haben, wohl deshalb, weil er S. und P. für Ableitungen der¬
selben hält.
Was zunächst Bernheims Ansicht anbetrifft, so kann diese unmög¬
lich richtig sein. Denn einmal teilt, was Bernheim allerdings noch
nicht wusste, auch A. bez. dessen Vorlage den Bericht in derselben
Fassung wie P. mit, so dass nicht erst letzterer der Urheber jenes Irr¬
tums gewesen sein kann, und dann war, was sich Bernheim leider hat
entgehen lassen, dieselbe falsche Nachricht schon dem Sächsischen An¬
nalisten bekannt. Dieser fährt nämlich, nachdem er den Paderborner
Annalen folgend von der Erfolglosigkeit der Belagerung Nürnbergs ge-
1 Annales Patherbrunnenses S. 26 und S. 150, Anm. 4.
8 a. a. 0. S. 277. 283. 284.
* a. a. 0. S. 46. 47.
4 Ann. Rosenv. (MG. SS. XVI, 104) 1127: Luderus rex obsedit Norinberg cum
duce Bohemie, et non potuit debellare municionem, que tarnen ei postea est tradita.
5 Ebenso äussert sich Bernhardi, Lothar von Supplinburg. S. 125. Anm. 19.
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26
sprochen, fort: ,Fridericus namque dux Suevorum et frater eius Conra-
dus, Heinrici inperatoris consobrini, ipso adhue superstite voluntatis sue
libertate male potiti, Heinrico inperatore decedente, plurima castella et
multa alia regii iuris sibi vendicantes, temeraria potestate sub princi-
patus sui conditionem hereditario iure usurpaverunt ipsumque religiosum
principem Liuderum regem ad fastigia regni subrogatum invida emu-
latione zelantes, multis iniuriis provocabant, ita ut Conradus in Italiam
profectus, apud Mediolanum a conplicibus suis in regem se consecrari
fecerit.* Entsprechend der kausalen Verknüpfung dieses Satzes mit dem
vorhergehenden sollte man erwarten, dass in ihm die Ursachen der Er¬
folglosigkeit der Belagerung auseinandergesetzt werden w r ürden. Aber
davon enthält er nichts, vielmehr bezieht sich sein Inhalt auf die Em¬
pörung Friedrichs und Konrads von Schwaben gegen Lothar. In dem
Zusammenhänge, in welchem er hier erscheint, wird daher dieser Satz
in der von S. benutzten Quelle schwerlich gestanden haben. Nun er¬
setze man einmal die Worte ,eamque obsedit — rediit c durch die Worte
,et idem castrum regie ditioni subiecit*. Sofort ist der Zusammenhang
klar: Lothar zog gegen Nürnberg und eroberte es zurück, weil es Fried¬
rich und Konrad von Schwaben, sei es nun noch bei Lebzeiten, sei es
nach dem Tode des ihnen verwandten Kaisers Heinrich V., unter dem
Vorwände, dass es ihnen nach Erbrecht gehöre, in Besitz genommen
hatten 1 . Der Inhalt des oben angeführten Satzes setzt also das Vor¬
handensein der falschen Notiz von der Einnahme Nürnbergs in dem un¬
mittelbar vorhergehenden Satze voraus, d. h. beide Sätze stammen aus
ein und derselben Quelle. Es ergiebt sich also auch hier, dass der Irr¬
tum nicht von P. herrührt, und dieser daher auch nicht die Rosenfelder
Annalen hier benutzt haben kann.
Wie Bernheims Ansicht, so erweist sich aber auch diejenige v. Heine¬
manns als unhaltbar. Denn da P., wie ich schon früher zeigte, nicht
aus A.’s Vorlage abgeleitet ist, sondern mit ihr aus gemeinsamer Quelle
geschöpft hat, so muss auch jone falsche Nachricht schon dom Ver¬
fasser dieser letzteren zugeschrieben werden.
So bleibt nur Scheffer-Boichorsts Ansicht übrig. Und diese stimmt
in jeder Beziehung mit der meinigen überein. Die von ihm angenom¬
mene verlorene Quelle ist eben keine andere als die, wie aus der oben
mitgeteilten Stelle klar hervorgeht, S., P. und der Vorlage A/s gemein¬
same Quelle J.
Jch sagte, dass auch S. aus J. geschöpft habe. Dagegen behauptet
v. Heinemann 2 , dass S. die Vorlage von A. benutzt habe. Sollte dem
1 Vgl. darüber Giesebrecht. Geschichte der deutschen K&iserzeit IV, 17.
a a. a. 0. S. 37 ff.
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so sein, dann wäre freilich S. für die Kritik J/s nahezu wertlos, und
würde sich, da dann nur zwei Nachrichten, welche P. mit A. gemein¬
sam hat, bestimmt für J. beansprucht werden könnten, meine Ansicht
über die letztere Quelle nicht in ihrem ganzen Umfange halten lassen.
Es ist daher nötig, die von v. Heinemann geltend gemachten Gründe
hier noch einmal in Erwägung zu ziehen. Zwei von ihnen, Benutzung
von Nienburger Annalen in A. bez. dessen Vorlage und gleichmässige
Änderung der der Chronik Ekkehards entlehnten Stellen, kann ich über¬
gehen, da sie schon widerlegt worden sind. Nur der dritte, die gleich¬
mässige Änderung einiger auf Thietmars Chronik zurückgehender Stellen
in S. und A., kommt in Betracht. Da A. in diesen Stellen, wie genau
er auch sonst mit S. übereinstimme, doch in einigen Wendungen das
Ursprüngliche besser bewahrt habe als dieser, so müsse ihm, folgert
v. Heinemann, die Priorität vor S. zuerkannt, und daher dieser für von
A.’s Vorlage abhängig bezeichnet werden. Leider hat sich v. Heine¬
mann darauf beschränkt, S. mit A. zu vergleichen, und so ist es ihm
entgangen, dass von den von ihm angeführten Stellen gerade diejenigen,
welche noch am ehesten geeignet sind, seine Ansicht zu stützen, in der¬
selben Weise wie in S. und A. geändert auch in anderen, nachweislich
weder von S. noch von A/s Vorlage abhängigen Quellen Vorkommen.
So findet sich gleich die erste Stelle auch in M.; sie bezieht sich auf
die Übertragung der Gebeine des heiligen Moritz nach Regensburg bez.
nach Magdeburg und lautet wie folgt:
A. 961. 1
Anno Domini 961.
Regnante Ottone
Magno, presentibus
regni optimatibus
in vigilia
S. 961.
Regnante piissi-
mo rege Ottone,
anno regni eius 25.,
presentibus legatis
domni apostolici et
universalis pape
Johannis XII., Jo¬
hanne scilicetsanc-
tae Romane ecle-
siae archidiacono
et Azone protoscri-
niario, archiepisco-
pis vero Waltberto
Mediolanensi, [fol¬
gen die Namen der
Bischöfe] .
.in vigilia
M. 961.
Regnante serc-
nissimo imperatore
Ottone, anno regni
eius 25., praesenti-
bus missiB univer¬
salis papae Johan¬
nis, Johanne scili-
cet archidiacono
sanctae Romanae
ecclesiae et Azone
protoscriniario cum
13 episcopis vocan-
tibus eum contra
severissimam Be-
rengarii filiorum-
que eius insaniam,
.in vigilia
Thietmar II, 17.®
Anno dominicae
incarnationis 961,
regni autem eius vi-
cesimo quinto, pre¬
sentibus cunctis op¬
timatibus,
in vigilia
* Vgl. Neues Archiv XIII, 38.
* Ich citiere Thietmars Chronik nach der Ausgabe von Kurze (Hannover 1889).
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28
A.
nativitatis Domini
corpus sancti Mau-
ricii et quorundam
sociorum eius cum
aliis sanctorum
porcionibuB Ratis-
pone allatum et
ab eo cum maximo
honore Partheno-
polim transmissum.
S.
nativitatis Domini
corpus sancti Mau-
ricii et quorundam
sociorum eius de-
fertur.
Quod maximo.
ut decuit honore
Partenopolim
transmissum, uu-
animi indigenarum
et comprovincia-
lium conventu ibi¬
dem susceptum est,
et ad salutem pa-
trie hactenus ve-
neratum est In¬
super plurimorum
reliquie sanctorum,
apostolorum scili-
cet, martirum, con-
fessorum atque
sanctarum virgi-
num eodem die
gloriosissimo regi
Ratispone allate
sunt.
M.
nativitatis Domini
corpus sancti Mau-
ricii et quorundam
sociorum eius,
in-
super et plurimo¬
rum reliquiac sanc-
torum, apostolorum
scilicet, martirum,
confessorum atque
sanctarum praefa-
to regi gloriosissi¬
mo Radisponae al-
latae sunt.
Tbietmar.
nativitatis Domini
corpus sancti Mau-
ricii et quorundam
sociorum eius cum
aliis sanctorum
porcionibus Ratis-
bone sibi allatum
est. Quod maximo,
ut decuit honore
Parthenopolim
transmissum, un-
animi indigenarum
et comprovincia-
iium conventu ibi¬
dem susceptum est,
et ad salutem pa¬
triae tocius hac¬
tenus veneratum
est.
Schon bei einer oberflächlichen Vergleichung dieser vier Berichte
wird man finden, dass hier von einer Abhängigkeit S.’s von A.’s Vor¬
lage nicht die Rede sein kann. Denn S. lehnt sich in der Hauptsache
eng an M. an, d. h. er folgt der ihm mit diesem gemeinsamen ver¬
lorenen Magdeburger Bischofschronik *. Dieser hat er auch die Namen
der dreizehn Bischöfe entlehnt. In den wenigen Worten aber, welche
er mit A. gemeinsam hat, stimmt er viel genauer als dieser mit dessen
Quelle überein, hat also zweifellos Thietmars Chronik selbständig benutzt.
Ähnlich ist das Verhältnis in der zweiten von v. Heinemann an¬
geführten, auf Ott 08 II. Testament bezüglichen Stelle. Hier lassen sich
aber zur Vergleichung auch noch die Gesta archiepiscoporum Magde-
burgensium 2 heranziehen.
1 Vgl. über diese Wattenbacli, a. a. 0. I, 329, und Kurze, a. a. 0. Einleitung
S. 11. 12.
a Hrsg, von W. Schum (MG. SS. XIV, 361—484). Dieselben haben übrigens
auch schon die Schlussworte der vorhergehenden Stelle: Maximam quoque partem
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A. 983. 1
Deinde Impera¬
tor Romam ve-
nit relicta ma-
tre sua venera-
bili Alheyda
in Papia civi-
tate, graviter
infirmatus
omnem suam
pecuniam in
quatnor partes
divisit, primam
ecclesiis, secun-
dam pauperi-
bus, terciam di-
lecte sorori sue
Mattildi, que
abbaciam in
Quidilingborch
devota Christi
famulaoptinuit,
quartam suis
tristibus dona-
yit ministris ac
militibus.
S. 983.
Imperator cum
Romam venis-
set, relicta ve-
nerabili matre
sua
in Papia civi-
tate, graviter
infirmatur, et
ut extrema per-
sensit adesse,
omnem suam
pecuniam in
quatuor partes
divisit, unam
eclesiis, secun-
dam pauperi-
bus, terciam
matri ac unice
sorori pro com-
mendatione de-
bite caritatis,
quartam militi¬
bus, qui vitam
et patriam suo
amori et obse-
quio postposu-
erant; factaque
latialiter con-
fessione coram
apostolico cete-
risque coepisco-
pis atque pres-
biteris
29
Gesta.*
. . . . indeque
Romam re ver¬
sus, relicta ma¬
tre sua venera-
bili Alheyda im-
peratrice in Pa-
piensi civitate
graviter infir-
matur, et ut ex¬
trema sensit ad¬
esse,
omnem suam
pecuniam in
quatuor partes
divisit, unam
ecclesiis, secun-
dam pauperi-
bus, terciam
matri ac unice
sorori sueMech-
tildi abbatisse
de Quedelinge-
borch, quartam
militibus, qui
vitam patriam-
que suam suo
amori postpo-
suerant; facta¬
que latialiter
confessione co¬
ram apostolico
ceterisque epi-
scopis atque
presbiteris
M. 983.
Post haec Ro¬
mam reversus,
apostolicum
digno cum ho-
nore sanctae
Romanae pre-
fecitaecclesiae.
His omnibus in-
genti sollertia
peractis, vi fe-
brium arreptus,
cum se proxi-
mum excessui
conspiceret, col-
lecto primum
in vires animo,
quicquid census
habere poterat,
in quadrum
dispertiens
unam in hono¬
rem principis
apostolorumbe-
ati Petri templo
et altari deferre
precepit, alte-
ram matri im-
peratriciacuni-
cae sorori pro
commendatione
debitae carita¬
tis transmittere
curavit, terciam
militibus, qui
vitam patriam-
que suam suo
amori et obse-
quio postposue-
rant, erogare
decrevit, quar¬
tam pauperibus
sustentandis...
Thietm. III, 25.
. . . . namque
imperator cum
Romam veniret,
relicta matre
sua venerabili
in Papia civi¬
tate, graviter
infirmatus, ut
extrema per-
sensit adesse,
omnem suimet
pecuniam par¬
tes divisit in
quatuor, unam
aecclesiis, se-
cundam paupe¬
ribus , terciam
dilectae suimet
sorori Machtil-
dae, quae abba¬
ciam in Quidi-
lingeburg devo¬
ta Christo fa-
mula obtinuit,
quartam suis
tristibus dona-
vit ministris ac
militibus. Fac¬
taque latialiter
confessione co¬
ram apostolico
caeterisque co-
episcopis atque
presbiteris,
corporis sancti Mauricii et quorundam sociorum eius cum plurimis apostolorum,
martirum, confessorum ac virginum pigneribus in eandem civitatera transtulit idem
Otto rex gloriosus. (Vgl. MG. SS. XIV, 377.)
1 Vgl. Neues Archiv XIII, 38.
* MG. SS. XIV, 389.
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30
A.
et sic 6. Idibus
Decembris ob-
iit. Terre vero
commendatur,
ubi introitus
orientalis pa-
radisi domus
sancti Petri
cuncti8 patet
fidelibus, et
imago domini-
ca honorabili-
ter formata ve-
nientes quos-
que stans bene-
dicit.
S.
7. Idus Decem¬
bris ex hacluce
subtractuB est,
terreque com¬
mendatur, ubi
introitus oricn-
talis paradisi
domus sancti
Petri cunctis
patet, et imago
dominica ho-
norabiliter for¬
mata venientes
quosque stans
benedicit.
Gesta.
acceptaque
ab eis optata
remissione, sep-
timo Idus De¬
cembris ex hac
luce subtractus
est, terreque
commendatur,
ubi introitus
orientalis pa¬
radisi domus
sancti Petri
cunctis fideli¬
bus patet, et
imago Domini
honorabiliter
formata veni¬
entes quosque
stans benedicit.
M.
distribuit. De¬
in de astante co-
ram apostolico
unacum episco-
pi8 . . . confite-
tur, acceptaque
ab eis optata
remissione ac
sacrosancta
communione...
spiritum astris
inseruit.
Thietmar.
acceptaque
ab eis optata
remissione, 7.
Idus Decembris
ex bac luce sub¬
tractus est; ter¬
reque commen¬
datur, ubi in¬
troitus orienta¬
lis paradisi, do¬
mus sancti Pe¬
tri cunctis pa¬
tet fidelibus, et
imago domini¬
ca honorabiliter
formata veni¬
entes quosque
stans benedicit.
Wie vorhin, so benutzt auch hier M. ausschliesslich die verlorene
Bischofschronik. Auch Thietmar folgt ihr, bez. ihrer Quelle 1 , schreibt
aber ihren Bericht nicht wie M. wörtlich ab, sondern kürzt und bear¬
beitet ihn. Ein Excerpt aus Thietmars Bericht ist derjenige A.’s.
S. dagegen schöpft weder aus Thietmar noch aus A.’s Vorlage, sondern,
was bisher noch niemand bemerkt hat 2 , aus einer ihm mit den Gesta
gemeinsamen Quelle. Es ergiebt sich dies klar und deutlich daraus,
dass beide den Bericht Thietmars mit dem der verlorenen Magdeburger
Bischofschronik ganz gleichmässig verbinden. Diese gemeinsame Quelle
waren zweifellos die Nienburger Annalen 3 ; wenigstens kennen wir ausser
ihnen und der Bischofschronik keine verlorene Quelle, welche S. und
den Gesta gemeinsam ist. An eine Benutzung von A.’s Vorlage in S.
ist daher auch hier nicht zu denken.
1 Ob diese Quelle ein „Chronicon Taginonis“ war, wie Kurze (Einleitung zur
Thietmarausgabe S. 11. 12) meint, mag dahingestellt bleiben.
2 Auch Kurze (a. a. 0. S. 63. Anm. 4) hat diese Stelle übersehen; er lässt
die Gesta aus Thietmar schöpfen, S. erwähnt er nicht.
8 Wir gelangen also hier zugleich zu dem interessanten Resultat, dass die
verlorene Magdeburger Bischofschronik eine Quelle des Nienburger Annalisten war.
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31
Unter diesen Umständen kann der dritten, auf die Zerstörung des
Lorenzklosters in Kalbe und diejenige der Stadt Hamburg bezüglichen
Thietmarstelle (983), welche v. Heinemann 1 erwähnt, keine Beweiskraft
bei gemessen werden; denn die Änderung des Originaltextes, welche in
S. und A. wahrzunehmen ist, beschränkt sich darauf, dass beide ein
,quondam c Thietmars durch ein ,tunc‘ ersetzen, eine Übereinstimmung,
welche sicher noch nicht zu der Annahme der Benutzung der einen
Quelle in der andern berechtigt, und dies um so weniger, als sonst S.
genau mit Thietmar übereinstimmt, A. dagegen wiederholt in bemer¬
kenswerter Weise sowohl stilistisch als auch inhaltlich von ihm ab¬
weicht, also von dem, was v. Heinemann bezüglich des Verhältnisses
beider zu Thietmar behauptet, das Gegenteil stattfindet: nicht A. lehnt
sich enger an Thietmar an, sondern S.
Andere Stellen, denen sich Beweise für v. Heinemanns Ansicht ent¬
nehmen Hessen, sind nicht vorhanden. Ich muss daher die Abhängig¬
keit S.’s von A.’s Vorlage ebenso entschieden bestreiten, als ich dies
oben betreffs derjenigen P.’s von ihr gethan habe.
Steht nun fest, dass S., P. und der Verfasser von A.’s Vorlage die
Quelle J. direkt benutzten, steht ferner fest, dass ihnen ausser J. und
den Paderborner Annalen keine andere verlorene Quelle gemeinsam ist
und die Paderborner Annalen 1144 endeten 8 , steht endlich fest, dass
S. ursprünglich weiter als bis 1139, bei welchem Jahre die einzige
erhaltene Handschrift abbricht, reichte, so kann es keinem Zweifel
unterliegen, dass der Quelle J. auch alle diejenigen Berichte entstam¬
men, welche A. und P. nach 1139 gemeinsam haben. Ja noch mehr!
Da von 1153 ab auch M. und St. wiederholt mit A. und P. überein¬
stimmen, und keine andere Quelle zu finden ist 3 , durch deren Be¬
nutzung diese Übereinstimmung verursacht sein könnte, so sind auch
diese beiden Quellen als Ableitungen J.’s zu betrachten und demgemäss
J. auch alle diejenigen Berichte zuzuweisen, welche M. und St. sei es
mit A. und P. sei es mit P. allein gemeinsam haben.
So lassen sich denn durch Vergleichung von S., P., A., M. und St.
für J. die folgenden Berichte gewinnen 4 .
Mit Unrecht bestreitet daher Günther (a. a. 0. S. 31. 32), dass S. indirekt aus der
Bischofschronik geschöpft habe.
1 Die Stellen sind im Neuen Archiv XIII, 39 abgedruckt.
2 Vgl. Scheffer-Boichorst, Ann. Patherbr. S. 86; dazu Bernheim a. a. 0. S. 286 ff.
8 Vgl. dazu das oben S. 18. 19. Gesagte.
4 Das vorhandene Material eignet sich nicht zu einer Wiederherstellung der
Annalen in der Weise, in welcher Scheffer-Boichorst die Paderborner Annalen
wiederhergestellt hat. Ich ziehe es deshalb vor, die Berichte zur Vergleichung
neben einander zu stellen.
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32
P.
1125.
Dux Lotharius contra
Sclavos ultra Albim exer-
citum duxit.
1128.
Signum quoddam san-
guinei coloris in celo ap-
paruit, et multa talia signa
ipso anno visa sunt.
Otto,
Halberstadensis episcopus,
Rome de simonia convictus
deponitur.
1129.
Adelbertus marchio tur-
rim Gundereslevo obsedit,
sed per amicos regis ab
ea pulsus abscessit.
1130.
Deinde concilium 16 epi-
scoporum a rege Lothario
Wirciburg congregatur,
S.
1125.
Eodem anno dux Liu-
derus contra Slavos trans
Albiam ivit, sed inacte
rediit.
1128.
Signum quoddam san-
guinei coloris in celo Vi¬
sum est nocte 14. Kal. De-
cembris, et multociens hoc
eodem anno signa talia
visa sunt.Otto. Ilal-
berstadensis episcopus Ro¬
me ab Honorio papa ca-
nonice deponitur. 2 * 4
1129.
Adelbertus marchio tur-
rim Gunderslevo obsedit,
a qua per amicos regis
pellitpr.
1130.
Concilium 16 episcopo-
rum mense Octobri a rege
Wirceburh congregatur,
A. 1
1127.
Expost rex pentecosten
Merseborch celebravit, ubi
unicam et dilectam filiam
suam, Gertrudem nomine,
Hinrico glorioso Bavaro-
rum duci in matrimonil
honore sociavit. Inde ad-
versus castrum Nurin-
berch expeditione facta
idem castrum regie di-
cioni subegit.
1127.
Rex pentecosten Merse¬
burg celebravit, ubi uni¬
cam et dilectam filiam
suam Gertruden Heinrico
duci Bawariorum coniugio
sociavit. Inde adversus
castrum Noremberg expe¬
ditione facta idem castrum
regie dicioni subegit.
1127.
Rex Liuderus pente¬
costen Merseburh celebra¬
vit; ubi decentissimo mul-
torum principum habito
conventu unicam et dilec¬
tam filiam suam Gertru¬
den glorioso Bawarie duci
Heinrico ... in matrimo-
nii honore sociavit. Inde
adversus castrum Nurin-
bcrh expeditionem fe-
cit.
1 Die Veröffentlichung der nachfolgenden Stellen aus den Annalium Saxoni-
corum Excerpta erfolgt im Einverständnis mit Herrn Geheimen Regierungsrat
Professor Dr. Dümmler, Vorsitzendem der Centraldirektion der Monumenta Ger-
maniae historica.
4 S. benutzt hier auch die Nienburger Annalen, deren Bericht beinahe den¬
selben Wortlaut, wie derjenige J.’s hat. Vgl. Ann. Magdeb. (MG. SS. XVI. 183)
1128: Otto, Halverstadensis episcopus, Rome ab Honorio papa deponitur.
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33
P.
cui affuit archiepiscopus
Ravenne, apostolice sedis
legatus, ibique dissipata
lite Innocentius ab Omni¬
bus collaudatus confirma-
tur. Bertoldo Hildeneshei-
mensi episcopo defuncto
successit Bernhardus, eius-
dem ecclesie prepositus,
vir Deo dignus. Udo mar-
chio occiditur, pluresque
de parte eius capti ac
vulnerati sunt.
1131.
Sinodus 36 episcoporum
ab Innocencio papa Leo-
dio habita est presente
rege Lothario cum regina;
in qua domnus Otto, Hal-
berstadensis episcopus,
iam triennio episcopatu
privatus cathedre pontifi-
cali restituitur.
1132.
Corpus sancti Godehar-
di 4. Non. Mai cum magna
miraculorum declaratione
de tumulo levatur.
Cometa visa est 6. Non.
Octobris.
1134.
Hoc anno posita sunt
fundamenta ecclesie sancti
Godehardi Hildensheim a
Bernhardo episcopo.
1137.
His ante pentecosten
gestis in ipsa sancta die
papa Innocentio apud Ba-
S.
cui affuit archiepiscopus
Ravenne, apostolice sedis
legatus;.
Bertoldus Hildinishei-
mensis episcopus obiit;
pro quo Bernhardus eius-
dem eclesie canonicus con-
stituitur. Udo [comes de
Frekenleve . . . .] aput
Ascherleve .... occisus
est, plurosque de parte
eius capti ac vulnerati
sunt, Idus Martii. 1
1131.
[. . conventus] 36 episco¬
porum [fit Leodii, domno
apostolico Innocentio et
rege Lothariol ac regina
[presentibus. Ibi
Halberstadensis episcopus
Otto ab Honorio papa] iam
triennio episcopatu priva-
tuB, [... officii sui resti-
tutionem promeruit]. 2 3
1132.
Corpus sancti Godehar¬
di ... cum magna miracu¬
lorum declaratione eleva-
tur 4. Non. Martii (!);.
Cometa visa est 6. Non.
Octobris.
1134.
Hoc anno 16. Kal. Julii
prima fundamenta posita
sunt eclesie sancti Gode¬
hardi ab episcopo Hildinis-
heimensi venerabili Ber-
nardo.
1137.
Aput Barum quoque in
die sancto pentecosten
papa missarum sollempnia
A
[1137.]
Et apud Barum in die
sancto pentecostes papa
missarum sollemnia cele-
1 Vgl. Ann. Magdeb. (MG. SS. XVI, 183) und Gesta archiepisc. Magdeb. (MG.
SS. XIV, 414), welche den von S. hier neben J. benutzten Nienburger Annalen folgen.
2 Vgl. über die Zusammensetzung dieses Berichtes durch S. oben S. 17. 18.
3
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34
P.
rum mis8arum sollemnia
celebrante presente rege
cum episcopis et princi-
pibus visa est super mo-
nasterium sancti Nicolai
corona aurea de celo de-
scendens, super quam Co¬
lumba, subtus vero thuri-
bulum cum incenso fere-
batur,quam et precedentes
duo cerei ardentes vide-
bantur. 1
1138.
Cui (sc. Conrado) a non-
nullis contradicitur, pre-
cipue Saxonie principibus,
quia ducatum regionis ip-
sius absque consilio eorum
Adelberto marchioni con-
cesserat, volens eo privare
ducem Heinricum sibi con-
contrarium 8 . Hinc deni-
que animis accensi Con-
radus marchio, Fridericus
S.
celebrante, astantibus in-
peratore episcopis et prin¬
cipibus, visa est super mo-
nasterium sancti Nicolai
corona aurea de celo de-
scendens, super quam co-
lumba, subtus vero thuri-
bulum cum incenso fere-
batur, quam et precedentes
duo cerei ardentes vide-
bantur.
1138.
Cuius (sc. Conradi) elec-
tioni a nonnullis, preser-
tim Saxonie principibus,
contradicitur 2 3 .
Siquidem
animis accensis Conradus
marchio, Fridericus pala-
A.
brante, astantibus impe-
ratore episcopis et princi¬
pibus, visa est super mo-
nasterium sancti Nicolai
corona aurea de celo de-
scendens, super quam co-
lumba, subtus vero thuri-
bulum cum incenso fere-
batur, quam precedentes
duo cerei ardentes vide-
bantur.
1 Diese Stelle stammt also nicht, wie Wattenbach (a. a. 0. II, 226) behauptet,
aus der verlorenen „Kaiserchronik“. Das 1245/1246 verfasste Scriptum super Apo-
calypsim (ed. Capitulum Metropolitanum Pragense [A. Frind] Pragae 1873), auf
welches sich Wattenbach beruft, stimmt allerdings mit den obigen drei Ableitungen
J.’s fast wörtlich überein: (p. 239) Ut manifostius appareat concordia imperatoris
Lotarii, qui anno Domini 1129 sedit, et pape Innocentio (!), dicit hystoria: Con-
venerant enim apud Barum die sancto penthecostes, et papa missarum solemnia
celebravit astantibus imperatore, principibus et episcopis, visa super monasterium
sancti Nicolai corona aurea de celo descendens, super quam columba, suptus vero
thuribulum cum incenso ferebatur, quam precedere duo cerei ardentes videbantur.
Quod interpretatum est significari concordiam regni et sacerdotii. — Auch ist es
richtig, dass in der vom Verfasser öfter citierten ,hystoria 4 Ekkehards Chronik be¬
nutzt worden ist. Aber Wattenbach dürfte übersehen haben, dass der Verfasser
ausdrücklich bemerkt: ,Historiae, in quibus haec primitus didicimus, in idioma
teutonicum translatae fuerunt, quae modo latinis conscriptae sunt verbis 4 (vgl. Ausg.
S. 13). Es ist daher wahrscheinlicher, dass der Verfasser die kurz vorher (ca. 1237)
erschienene Sächsische Weltchronik benutzt und aus dieser auch die oben angeführte
Stelle in das Lateinische zurückübersetzt hat. (Vgl. Deutsche Chroniken II, 207.)
2 Das in P. Folgende hat S. schon weiter oben nach den Paderborner An¬
nalen erwähnt.
3 In der zweiten Hälfte dieses Satzes scheint P. auch die Paderborner An¬
nalen benutzt zu haben.
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35
P.
palatinus, Sifridus et Rodolfus comites,
iostigante eos regina Richence, con-
dixerunt, ut pariter venientes dimicarent
adversus marchionem Adelbertum. An-
ticipavit ille manum inimicam et ino-
pinate victor existens plures adversario-
rum captivavit 1 * * .
Eo tempore dux Heinricas latenter Saxo-
niam introivit et obnitentes regi in su-
nm contnbernium ascivit.
1139.
Grescente odio ducis Heinrici et mar-
chionis Adelberti, quorum unus dux in
Bawaria pro desponsatione filie Lotharii
regis etiam Saxonie ducatum ab eodem
rege acceperat, alter eum avito beneficio
iure sibi vendicans apud Conradum re¬
gem obtinuerat, hinc igitur eorum exar-
descente odio Saxonica tellus alterno
fedata est litigio. Et quidem Heinricus
militari copia prevalens Adelberto civi-
tates eius et castella obsedit, expugnavit
et delevit.
Plozeken quoque, Bernhardi comitis ur-
bem, demolitus est, eo quod faveret
marchioni.
Rex vero expeditionem contra Heinricum
ducem movit in Saxoniam, sed illo cum
suis complicibus iuxta Cruceburg occur-
rente episcopi, qui plures illo cum rege
convenerant, se interserentes congressu-
ris inpedimento fuerunt; facta compo-
aitione inter utramque partem singuli
ad propria cum pace redierunt. Duce
S.
tinus comes, Sifridus comes de Boumene-
burh, Rodolfus comes de Stadhen, in-
stigante eos inperatrice Richeza, con-
dixerunt, ut pariter venientes adversus
Adalbertum marchionem dimicarent. An-
ticipavit ille manum inimicam in loco,
qui dicitur Mimirberh, et inopinate Vic¬
tor existens plures adversariorum capti¬
vavit.
[1139] . . . Eo tempore dux Bawarie
Heinricus latenter Saxoniam introivit,
et obnitentes regi in suum contubernium
ascivit.
1139.
Ita crescente odio propinquorum Hein¬
rici et Adalberti, quorum unus dux in
Bawaria, pro desponsatione filie Lotha¬
rii imperatoris, etiam Saxonie ab eo du¬
catum acceperat, alter eum avito bene-
ficii iure vendicans aput Conradum regem
optinuerat, Saxonia alterno est fedata*
litigio. Sed Heinricus militari copia pre¬
valens Adelberto, civitates eius et ca¬
stella expugnans delevit.
Post pascha Conradus archiepiscopus
cum duce Heinrico et aliis principibus
Plozeken, castrum Bernhardi comitis, eo
quod fautor esset marchionis, obsedit,
cepit, destruxit*.
Appropinquante festoassumptionis sancte
Marie Conradus archiepiscopus etc. 4
Sed episcopi, qui perplures illo cum
rege convenerant, pugnaturis impedimento
fuerunt; factaque conpositione inter
utramque partem usque ad condictum
tempus, singuli cum pace redierunt . . .
1 So, und nicht ,captavit‘, welches der Cod. Gott, hat, ist mit dem Cod. Land,
zu lesen.
* So ist das ,sedata‘ der Handschrift zu verbessern, und nicht in ,turbata',
wie Waitz will. Vgl. auch Bernhardi, Konrad III. S. 80. Amn. 10.
* In S. geht dieser Satz den beiden vorigen voran. Anfang und Schluss
stammen aus den Nienburger Annalen (vgl. Ann. Magdeb. MG. SS. XYI, 186).
4 S. berichtet weiterhin dasselbe wie P., nur nach den Nienburger An¬
nalen anstatt nach J.
3 *
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36
P.
aatem paulo post veneno extincto Adel-
bertus estimans amodo se ducatu libere
potiturum, cum episeopatum Bremensern
tempore autumnali 1 [gloriabundus adiret,
quasi dux patrie a turbis suscipiendus,
adversariorum insidiis circumventüs fuga
Usus vix cum paucis suorum evasit] 4 .
P.
1141.
Obiit Richence regina.
1142.
Ante ascensionem Domini rex Fran-
conevorde sollemnem curiam conventu
procerum habuit, ubi Gertrudem, filiam
Lotharii regis, viduam Heinrici ducis,
fratri suo Heinrico coniunxit, et hac oc-
casione federatis sibi principibus pax
optata regioni tribuitur.
1143.
Gertrudis ducissa Bawariam tendens
partu periclitata moritur.
1147.
Primi ad hanc expeditionem accepta
cruce sigDantur rex et regina Franco¬
rum cum numerosa multitudine plebis
ipsorum. Conradus, Romanorum rex,
nativitate Domini Spire celabrata sumens
et ipse crucem ad eandem expeditionem
cum aliis principibus preparatur, Bern-
hardo, Clarevallensi abbate, nimium ur¬
gente eius profectionem. Frater regis
Conradi Frisingensis episcopus, Otto no¬
mine, Udo Cicensis cum aliis eiusdem
officii, item alius frater regis Heinricus,
dux quoque Bohemie et dux Lotharingie,
S.
.Tune Adal-
bertus, estimans se ammodo ducatu libere
potiturum, [cum forum aput Bremam in
festo omnium sanctorum adiit], loco com-
petenti placitum habiturus, hic angustia-
tus, matura sibi quorumdam familiarium
ope fretus, ab amicis mirabiliter ereptus,
amicis illesus est restitutus.
A.
1141.
Imperatrix Rikinza pie memorie obiit.
[1142.] 3
Sequenti anno rex Conradus pente-
costen Franconevort celebrat. Ibi Ger¬
trudis, filia Lotharii imperatoris, predicti
ducis Hinrici vidua, Hinrico, fratri re¬
gis, in matrimonio copulatur, et huius-
modi nupeiis omnis controversia,queeati-
nus inter regem et Saxones, sedata est.
[1143.]
Que quidem Gertrudis ob difficultatem
primi partus sequenti anno vitam finivit.
[1147.]
Primo ad hanc expedicionem signan-
tur cruce rex et regina Francorum cum
multa plebe,
dux Bohemie, dux Lotaringie, comes
1 Dieses Wort ist nach Pertz hier zu ergänzen.
4 Das Eingeklammerte haben P. und S. den Paderborner Annalen entlehnt
(vgl. Scheffer-Boichorst, Ann. Patherbr. S. 168). Der Schluss von S.’s Bericht stammt
jedenfalls aus J.; die Nienburger Annalen enthielten, soviel sich noch ermitteln
lässt, über das betreffende Ereignis nichts.
8 Die Jahreszahlen fehlen in den Annalium Saxonicorum Excerpta meist; ich
deute dies, wie schon oben (S. 33), durch Einklaramcrn derselben an.
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37
P.
Welpho dux, comes Flandrie, Bernhardus
comes de Ploceke, cum reliquis eiusdem
societatis pari voto se preparaverunt; et
hi omnes probande fideitestimonio egressi
suut mense Maio .
Rex igitur Conradus valida manu Unga-
riam Bulgariamque pertransiens prope
menia Constantinopolitane urbis cum
suis castra metatus est, ubi magnifice
cum omni exercitu a Grecis et a rege
ipsorum excipitur, multis insuper ab
eodem muneribus ampliatur non absque
suorum invidia. Advcntus itaque sui
causam depromens, quid facto opus esset
inquisivit. Deinde mare, quod brachium
sancti Georgii dicitur, transiit, et recen-
situs est numerus signatorum et inventa
sunt LXX milia virorum bellatorum
absque inermi et plebeio vulgo. Post
hec ad responsum regis Grecie accepta
optione, quam trium adire vellet pre-
signatarum regionum, secundum dispo-
sitionem magnatuum suorum previis duc-
toribus Grecorum arripuit iter deserti,
tendens Armeniam.
Prenotatum itaque dcsertum duorum seu
trium dierum itinere perlustrantes rep-
pererunt tabernacula pastorum et greges
ovium, quod vulgus prede cupidum aliter,
quam finis docuit, interpretabatur sue
deincepsprosperitatis auspicium. Direptis
que ad manum occurrerant, exinde 14
diebus per horribilem beremum avia
secuti locum horroris et vaste solitudinis
inciderunt, ubi peBtilentia famis et qui-
busdam inundationibus multa milia oc-
cubuerunt. Multi a Turcopolis et Sar-
racenis sagittis interierunt;.
Postea rex Constantinopolin repetens
paucos admodum de grandi exercitu,
quem prius babuerat, secum reduxit.
1148.
Princeps Francorum Lodewigus pu-
gna cum gentilibus inita primo victor
extitit, denuo vero congressus exercitum
pene totum amisit; reginam quoque il-
lius bostes abduxere captivam.
A.
Flandrie etc.
Egressi sunt mense Mayo.
Rex igitur Conradus
cum omni exercitu magnifice a Grecis
excipitur apud Constantinopolim, sed
astucia ipsorum et pecunia corruptus et
seductus
mare, quod brachium sancti Georgii
nuncupatur, transiit; et recensitus est
numerus signatorum Septuaginta millia
virorum bellatorum etc.
Inde moventes previis ductoribus Greco¬
rum, et
14 die per heremum locum horroris et
vaste solitudinis inciderunt, ubi pesti-
lencia famis et quibusdam inundacioni-
bus multa millia occubuerunt. Multi
eciam a Turcopolis et Sarracenis sagittis
interierunt etc.
Sequenti anno rex Conradus paucos de
innumerabili exercitu Constantinopolim
reduxit.
[1148.]
Princeps Francorum Ludewicus pugna
cum gentilibus inita primo victor extitit,
denuo congressus exercitum pene cunc-
tum amisit; reginam quoque eius bostes
abduxerunt captivam.
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st.
p.
1151.
Bertoldus quidam, ca-
pellanus ducisse, dum mis-
sam celebraret Lutere,
partiturus dominicum Cor¬
pus, repente sanguis ex
manibus eius guttatim
fluere cepit. Completis ita-
que misteriis secundum
höre necessitatem langore
correptus et acrius laborans
in eadem septimana vitam
finivit.
1152.
Anoo igitur regni sui 15,
festo luminis instante,
placitum habiturus Baven¬
berg molestia corporis
tangitur, neque ideo co-
mitatu, quem indixerat,
postposito, tune ut prius
de concordia procerum
agitur. Porro cum decum-
benti languor diatim ac-
cresceret, eximendus in-
plicamentis mundi nume-
rosorum vir preliorum 15.
Kal. Marcii placida morte
requievit. Deus enim la-
bores eius complevit; et
8epultus est Bavenberg in
ecclesia maiori. Huic suc-
ceßsit inregnumFridericus
dux, filius Friderici ducis,
vir strennuus et manu
promtus ad omnia. Fri-
dericus novus rex pente-
coßten Merseburg celebra-
vit ibique Suenonem et
Kanutum de regno con-
certantes pacificavit, Sue-
none regnum obtinente.
Rex Wirceburg conventum
habens
1 , celebraret 4 fehlt in
A.
1151.
Bartoldus quidam, ca-
pellanus ducisse, dum mis-
sam celebraret 1 Lüttere,
partiturus dominicum Cor¬
pus repente sagwis (!) e
manibus eius guttatim ce¬
pit fluere. Completis ita-
que misteriis secundum
höre necessitatem, lan-
gwore corripitur et
post moritur.
[1152.]
Conradus autem rex an¬
no regni sui 15
moleBtia corporis
tangitur
et moritur;
sepultus est in
Bavenberch. Successit in
regnum Fridericus dux
Suevorum, filius Friderici
ducis.
der Handschrift.
1152.
Et pentecosten Mers-
burch celebravit, ubi regi
Danorum Suenoni regnum
confirmavit et Canutum
parte regni et possesioni-
bus propriis contentum esse
facit. Rex Wirceburg con¬
ventum habuit, ibique
Heinricum ducem et Al-
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39
ibi expeditionem
io Italiam iurari
fecit.
1153.
Fridericus rex
Saxoniam pacifice
intravit.
Fridericus rex se-
paratus est ab uxore
sua coram legatis
sedis apostolice.
1154.
Fridericus rex
pascha Magdeburg
celebraos mense
Maio cum valida
manu Italiam in-
greditur.
Anastasio pape
mortuo Adrianus
successit.
1155.
Rex Fridericus
inperiali subliman-
dus honore militan-
tium sibi non tarn
numero quam vir-
tute munitus Ro¬
main tetendit, dum-
que vie moras in-
nectit, adversanti-
um sibi alias urbes
cepit alias evertit.
Tandem fatigatus
multis laboribus
sancti Petri sedem
adiit. Ubi consilio
satis provido civi-
um precavens se-
ditionem, Heinrico
duceSaxonum fide-
liter adnitente
A.
[1153.]
Rex Fridericus se-
paratus est ab uxo¬
re sua coram aposto¬
lice sedis legatis.
1155.
Fridericus rex Pe¬
tri sedem adiit, et
Hinrico
duce Saxonum fide-
| liter adnitente ab
M.
| 1153.
i Fridericus rex
i Saxoniam pacifice
j intravit.
Fridericus ab uxore
sua separatus est
coram legatis apo-
stolici.
1154.
Fridericus rex
Romam profectus
est. Fridericus rex
Magdeburch pas-
cha celebrat. Ana¬
stasio papae suc¬
cessit Nicolaus Al-
banensis episcopus,
qui et Adrianus.
1155.
St.
bertum marchio-
nem discordantes
pacificavit, et prin-
cipes expeditionem
in Longobardiam
iurare fecit.
1153.
Fridericus rex
Saxoniam intrat,
et eodem anno ab
uxore sua coram
legatis apostolici
separate.
1154.
Fridericus rex
Magdeburg pascha
celebravit et Ro¬
mam proficiscitur.
Anastasius papa
obiit, cui successit
Nicolaus Albanen-
sis episcopus, qui
et Adrianus.
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40
r.
14. Kal. Julii ab Adriano
papa augustalem suscepit
benedictionem. Crastina
dies, que tune dominica
babebatur, his addicta
fuerat sollemniis idque
fama revelaverat auribus
populorum; verum accele-
rato sagacitate principum
negocio corda stupuerunt
emulorum, quia sperave-
rant summam pecunie se
consecuturos ex huiusmodi
occasione. Itaque singulis
ad propria divertentibus
inperator comitesquc sui
fessi quietem sperabant;
et ipse quidem eminus
tabernacula fixerat, cum
ecce legio Romanorum
ducem Heinricum bello
preceps adgreditur, que
mox contraria spe mortem,
quam intentat, ipsa mise-
randa nimis assequitur.
Advena denique miles
correptis pro necessitate
armis minus parcendum
manibuB estimat, et quia
sibi pro anima res est,
viriliter agere non detrec-
tat, adversarioque deiecto
,Nunc, Heinrice, manet
tanti te gloria facti,
Qui, decus omne tuis, stra-
visti cede superbos 4 .
Augustu8 prepeti nuncio
quod gestum est compe-
riens, ocior advolat et quem
deprehendit rebellem con-
terens pacem sibi strage
parat inimici. Milia ce-
sorum, luctus ac dolores
ingeminant propinquo-
rum.
A.
Adriano papa augustalem
suscepit benedictionem.
etc.
Ecce Romanorum legio
ducem bello preceps ag-
greditur,
et correptis armis pro
necessitate viriliter egit:
,Nunc, Hinrice, manet
tanti te gloria facti,
Qui, decus omne tuis, stra-
visti cede superbos 4 .
Augustus prepeti nuncio
quod gestum est compe- i
riens ocior advolat, et quem
deprehendit rebellem con-
terens pacem 1 sibi strage
parat inimici.
1 .pacem 4 fehlt in der Handschrift.
M.
Fridericus rex imperiali
benedictione ab Adriano
papa 8ublimatur, et co-
ronatus
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41
P.
,Cesare Victore fir-
mantur federa
Rome,
Et patriam repe-
tens satagit sibi
subdere plebes*.
His gestis cesar
cum victoria et glo-
ria magna reverti-
tur. Suen, rex Da¬
norum, a regni pri-
moribus dignitate
privatur, regnum-
que eius a Eanuto
et Waidemaro oc-
cupatur.
1156.
Heremannus, Tra-
iectensis episcopus,
subita morte prere-
ptusdecessit. Inpe-
rator in episcopatu
Monasteriensi pas-
cha celebravit.
Principio Maii
mensis primi regi-
onis convenerunt
Halverßtad iussu
inperatoris, ....
Qui nobilem ha-
bens uxorem filiam
Tiepaldi marchi¬
oniß, propter in-
proborum figmenta
dudum illam re-
pudiaverat, et nunc
aliam exBurgundia
ducens peractis
diebus pentecosten
Wirciburg nupti-
alia festa peregit.
Heinricus dux Fre-
siam hostiliter in-
gressuß est, sed in-
A.
,Cesare Victore fir-
mantur federa
Rome,
Et patriam repe-
tens ßatagit sibi
subdere plebes*.
[1153.]
Qui nobilem ha-
bens uxorem filiam
Tietpaldi raarchi-
onis, propter im-
proborum figmenta
repudiavit. Expost
aliam duxit ex Bur-
gundia
etWirzeburch nu-
pcialia festa pere¬
git.
M.
cum victoria et glo-
ria magna reverti-
tur. Sueno, rex Da¬
norum, a regni pri-
moribus regno de-
pellitur; cuius re-
gnum a Knuto et
W aldamaro nepoti-
bus ipsius occu-
patur.
1156.
Heremannus, Tra-
iectensis episcopus,
obiit, cui succeßsit
Godefridus. Fride-
ricus imperator
Monasterio pascha
celebravit. Conven-
tum apud Halver¬
ßtad habuit Kal.
Mai.
Heinricus dux Fre-
siam hostiliter in-
greditur, set in-
Sueno, rex Dano¬
rum, regno depelli-
tur, et regnum a
Kanuto et Waide¬
maro, ipsius nepo-
tibuß occupatur.
1156.
Fredericus impe¬
rator Monasterii
pascha celebravit.
Conventum apud
Halverstad habuit
Kalend. Mai.
Heinricus dux Fre-
siam hostiliter in-
greditur, sed in-
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42
P.
acte rediit. Inpe-
rator Ratispone
conventum habuit,
ubi ipso mediante
Heinricus duxSaxo-
num ducatum Ba-
warie obtinuit; Ba-
waricus vero dux
eatenus Heinricus,
frater Conradi re-
gis, marchiam terre
illiuspossedit. Con-
radus marchio, pa-
cis amator, aucto-
rem pacis Deum
veneratuß Jerusa¬
lem adierat diesque
suos cum honore
deducens novissime
cum languore cor-
reptuB esset, apud
montem Ethereum
communionem re-
ligioßorumexpeciit,
ubi non longum
agens vite spacium
a seculo migravit
ad Dominum. Hein¬
ricus dux Sue-
nonem, Danorum
regem a suis expul-
sum regno suo re-
stituit.
1157 .
Adelbertus mar¬
chio Brandeburg
diu a Sclavis occu-
patam maximo con-
provincialium peri-
culo, Wicmanno,
Magdaburgensi
presule, cooperante
recepit; ubi con-
sobrinum ipsius,
iuniorem Werne¬
rum de Veltheim,
atrox gentilium
A.
[ 1156 .]
Imperator Ratispo-
ne conventum ha¬
buit. Ipso vero me-
diante Heinricus
dux Saxonum du¬
catum Bavarie ob¬
tinuit.
1159 .
Adelbertus mar¬
chio Brandeburch
diu a Sclavis occu-
patam maximo com-
provincialium peri-
culo, Wichmanno,
Magdeburgensi ar-
chiepiscopo, coope¬
rante recepit. Ubi
consobrinum eius,
iuniorem Werne¬
rum de Veltera,
atrox gentilium
M.
acte revertitur. Fri-
dericus imperator
Radispone conven¬
tum habuit, ubi
ipso mediante Hein¬
ricus dux Saxoniae
ducatum Bawariae
optinuit. Heinricus
Bawaricus mar¬
chiam terre illius
retinuit. Marchio
Cuonradus obiit.
Heinricus dux Suc-
nonem, regem Da¬
norum, regno suo
restituit.
1157 .
Brandeburch ob-
sidetur et capitur.
St.
acte revertitur. Fri-
dericus imperator
Ratisbonae conven¬
tum habuit, ubi
ipsomediante Hein¬
ricus dux Saxoniae
ducatum Bawariae
obtinuit Heinri¬
cus Bawaricus mar¬
chiam terrae illius
retinuit.
Heinricus dux Sue-
nonem, regem Da¬
norum, regno suo
restituit.
1157 .
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43
P.
phalanx cum ali-
is quam pluribus
interemit. Inpera-
tor manu robusta
Poloniam ingressus
gloriam regni 8ui
quaqua versum pro-
pagavit, subactis
ducibus illius re-
gionis. Kanutus,
rex Danorum, a
Suenone dolose per-
imitur; Waldema-
rua vero vulneratus
vix evasit. Non
multo post factum
est prelium inter
Suenonem etWal-
demarum; Suenonis
pars victa corruit,
ipse autem capitur
et obtruncatur.
1158 .
Imperator natale
Domini Magdaburg
magnifice peragit.
Adelbertus mar-
chio cum Odelrico,
Halberstadensi
episcopo, per Gre-
ciam Jerosolimam
causaorationis pro-
ficiscitor. Inperator
Frankenvord con-
ventum habuit, pas-
cha autem Traiec-
to celebrans Ita-
liam rursus hosti-
liter intravit, ac
evocatis clericorum
et laicorum Teu-
tonici regni prin-
cipibus cum duce
Bohemie et aliis
multis gentibus
cum grandi appa-
A.
phalanx cum aliis
quam plurimis in¬
teremit.
M.
Fridericus impera-
tor Poloniam hosti-
liter ingreditur.
Kanutus rex a
Suenone dolose in-
terimitur; Waldo-
marus vero vul¬
neratus vix evasit.
Non post multum
vero temporis fac¬
tum est prelium
inter Suenonem et
Waldomarum. Sue¬
nonis pars victa
corruit, ipse autem
fugiens capitur et
obtruncatur.
Fridericus impe-
rator natalem Do¬
mini apud Magde-
burch celebrat. A-
dalbertus marchio
causa visitandi se-
pulchrum Domini
Jerosolimam petiit.
1158 .
Habita curia in
purificatione, Fri¬
dericus imperator
Franconford con-
ventum habuit, pas-
cha vero apud
Traiectum celebra-
vit. Italiam hosti-
liter intravit,
St.
Fridericus impera¬
tor Poloniam hosti-
liter ingreditur.
Kanutus rex a
Suenone dolose in-
terimitur, Walde-
marus vulneratus
vix evasit. Postea
factum est praelium
inter Suenonem et
Waldemarum. Sue¬
nonis victa pars
corruit, ipse autem
fugiens capitur et
obtruncatur.
* Fridericus impe¬
rator natalem Do¬
mini apud Magde¬
burg celebrat.
1158 .
Fridericus impe¬
rator Francofort
conventum habuit,
pascha vero apud
Traiectum celebra-
vit; Italiam hosti-
liter intravit, et
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44
P. A.
ratu belli Mediola-
num obsedit, ari-
etibusque et machi-
nis portas destruens
sub inperiali vexil-
lo ad deditionem
cives coegit.
Heinricusdux Scla-
viam cum exercitu
intrans totam ter-
ram ferro et ignc
devastat. Eodem
anno sevissima tem-
pestas extitit, ven-
tus turbinis fortis-
simus arbores in-
mensas radicitus j
evulsit, ecclesias |
cum domibus aliis-
que edificiis sub-
vertit, aquarum
quoque inundantia
infinitam multitu-
dinem hominum
et pecorum ex-
tinxit. !
1159 . 1159 .
Mediolanenses
absentia regis malo
suo indurati rebel-
les effecti sunt.
Inperator autem
accitis principibus, Imperator accitis
HeinricoduceSaxo- principibus, Hinri-
num et duce Bo- co duce Saxonum.
bemico aliisque re- duce Bohemico etc.
gni primoribus, in
manu forti Cremam
castrum Mediola- Mediolanum inva-
nensium obsedit, dit etc.
quod non sine ma¬
gno suorum detri-
mcnto captum de- et triumphat.
struxit. Fridericu8,
Colonien8is episco-
pus, obiit, et Rei-
noldus cancellarius
M. St.
Mediolanum obse- Mediolanum obsi-
sedit. dens subiugavit.
Heinricusdux Sela- HeinricusduxScla-
vaniam cum exer- viam cum exercitu
citu intrans, terram intrans, terram
ferro et igne de- ferro et igne vasta-
vastat. Eodem anno vit. Eodem anno
tempestas extitit, immanissima tem-
ventuB turbinis ar- pestas extitit, ven-
bores inmensas ra- tuB turbinis fortis-
dicitus evulsit, ec- simus arbores im-
clesias cum domi- mensas radicitus
bus edificiisque evulsit, ecclesias
evertit; aquarum cum domibus aedi-
quoque inundantia ficiisque evertit.
hominum multitu- Aquarum quoque
dinem cum pecori- inundantia infini-
bus extinxit. tarn hominum mul-
l titudinem cum pe-
coribus suis extin-
I xit.
1159 . | 1159 .
Heinricus dux et Heinricus dux et
ceteriprincipescol- caeteri principes
lecto exercitu Ita- collecto exercitu
liam intrant. . . . Italiam intrant.
Imperator castrum Imperator castrum
Grimme obsidet, re- Grimme obsidet, re-
bellantibus Medio- bellantibus Medio-
lanensibus. lanensibus.
Friderico, Coloni- j
ensi archiepiscopo, 1
I succedit Reinoldus
I cancellarius.
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45
P. A. M. St.
succedit. Heinricus Eodem anno Hinri- Heinricus dux pro-
dux propter mul- cus dux propter pter multiplican-
tiplicandam chri- multiplicandam dam christiani-
stianitatem in Sela- christianitatem in tatem constituendi
via episcopoa sta- Sclavonia constitu- et investiendi epi-
tuendi et investi- endi et investiendi scopos in Sclavania
endi potestatem a episcopos potesta- potestatemacesare I
cesare accepit. tem a cesare ac- accepit.
cepit; 1 .
Adrianus papa re- Adrianus papa mo- Adrianus papa ob- Adrianus papa ob-
bus humanis exi- ritur, et detestan- iit, cui successit iit, et ortum schis-
mitur et detestan- dum scisma inter Octavianus qui et ma in ecclesia Dei
dum scisma inter cardinales de pa- Victor. inter Alexandrum,
Cardinal es Rolan- patu oritur, maior qui et Rolandus, et
dum et Octavianum siquidem pars Ro- Victorem, qui dic-
de papatu exoritur. landum cancellari- tus est Octavianus.
. um elegit.
Octavianus vero Octavianus vero
cum suis electori- cum suis electori-
bus ad cesarem busadimperatorem
divertens omnia, fugit;
ut acta sunt, retu-
lit. Cesar autem
dolose cum eo actum
sentienseum secum
retinuit. Uterque uterque a suis con-
igitur a suis conse- secratur, Rolandus
cratus Rolandus Alexander, Octavi- ;
Alexander, Octavi- anus autem Victor
anus Victor appel- appellatur. Ad de-
latur. cisionem scismatis
Addecisionemscis- curia Papie cele-
matis huius sollem- bratur ab impera-
nia curia Papie ab tore,
inperatore, episco-
pis, abbatibus et
Omnibus ecclesie
prelatis indicitur,
ubi examinata rei
veritate Victor ab ubi Victor ab uni-
universis electus versis confirmatur,
confirmatur, Rolan- Rolandus vero, qui
dus vero, qui et et Alexander, tan-
Alexander, tan quam scismaticus
quam scismaticus interdicitur. Sic j
1 In A. folgt hier der Bericht über die Errichtung von Bistümern durch
Heinrich den Löwen; ich führe ihn auf S. 47 an.
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46
P.
abicitur. Sic Alexandro per Willehel-
mum, Sicilie regem, ob odium cesaris
orientalis inclinatur ecclesia et per
Francie regem G&llia, Victor vero in-
periali fulciebatur potentia. Ecce effusa
est nostris temporibus contentio super
principes principalis ecclesie, que est
caput omnium, et sciderunt unitatem
summi sacerdocii, ruperunt vinculum
pacis ecclesiastice, ita ut invicem mor-
deant et invicem se interficiant anathe-
matizando alterutrum. Est tarnen in*
certum, que duarum partium percuciat
in gladio Petri, cum nec possit in
partes dividi nec indivisus sibi adver-
sari; unde fit, ut non iam correctionis
dulcedinem, sed dissensionis amari-
tudinem propinent omnibus terris. Ecce
enim ex illorum vesano motu non mo-
dica turbatio derivata est in omnes
subiectos eorum. Ecclesiarum patres,
cui parti magis adsenciendum sit, ne-
scientes, ipsi quoque invicem sibi ma-
liciose adversantur, alterutrum se ab-
hominantur, odiisque et detractionibus
se invicem persecuntur. Sed et seculi
reges et optimates omnium regnorum
suo motu suaque perturbatione calicem
ire Dei universe ecclesie propinant,
furiose eam concuciendo ac devorando,
et est videre miseria, omnem ecclesia-
sticam censuram per hanc discordiam
translatam in inperatoris curiam.
A.
Alexandro per Wilhelmum Siculum ob
odium cesaris orientalis inclinatur ec¬
clesia, et per regem Francie Gallia,
Victor vero imperiali fulciebatur po¬
tentia. Sed ecce effusa est hec contentio
super principes
ita ut 1 se invicem mor-
deant et interficiant anathematizando
alterutrum. Est tarnen incertum, que
duarum parcium percuciat in gladio
Petri, cum nec possit in partes dividi.
Et per hanc
discordiam eis censura ecclesiastica
translata est in imperatoris curiam.
1 ,ut‘ fehlt in der Handschrift
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47
P.
1160.
Domna Sophia
marchionissa ob-
iit,.
Arnoldus, Mogon-
tinus presul, in
atrio ecclesie sanc-
ti Jacobi ab eius-
dem civitatis civi-
bus circumventu8
occiditur, ipsaque
ecclesia cum Om¬
nibus edificiis mo-
nasterii igne cre-
matur.
Inperator cum Me-
diolanensibus bello
congressus vexil-
lum sancti Ambro-
8ii auferens, plu-
rimis occisis et
captis gloriose de
ipsis triumphavit.
Heinricus dux ter-
ram Sclavorum
hostiliter intravit,
ferroque et igne
totam devastavit,
principem Niclot,
qui et Nicolaus, tru¬
cidavit, ipsos rebel¬
les sibi subiugavit.
Episcopos etiam in
ipsa terra constitu-
ens investivit, Ge-
roldum in Alden¬
burg, Evermodum
in Razisburg, Ber-
nonem in Magno-
polin, quitranslatus
A.
1159. 1
. . . et subiugavit
terram illam et
constituit episco-
poB, Geroldum in
Aldenborch, Ever¬
modum in Racis-
borch, Bemonem
in Magnopolim, qui
trans latus est in
M.
1160.
Sophia marchio¬
nissa obiit.
Arnoldus, Mogun-
tinus archiepisco-
pus, in atrio eccle-
siae beati Jacobi
ab inimicis suis,
eiusdem urbis ci-
vibus, circumven-
tus occiditur, ipsa¬
que ecclesia cum
omnibus edificiis
monasterii igne
comburitur.
Fredericus impera-
tor cum Mediola-
nensibus pugnavit;
vexillum beati Am-
brosii auferens, plu-
rimis occisis, victo-
toriam retinuit.
Heinricus dux ter¬
ram Sclavorum ho¬
stiliter intravit,
ferro et igne totam
devastavit, prin¬
cipem eorum Niu-
clath, qui et Nico¬
laus, trucidavit, ip¬
sos rebelles sibi
subiugavit. Hein¬
ricus dux episcopos
in Sclavania ordi-
natos investivit,
Geroldum in Alden-
burch, Evermodum
in Razzisburch,
Bernonem in Ma¬
gnopolim, qui trans-
St.
1160.
Arnoldus, Mogun-
tinus archiepisco-
pus, in atrio eccle-
siae beati Jacobi
occiditur, ipsaque
ecclesia cum Om¬
nibus aedificiis mo¬
nasterii igne com¬
buritur.
Fridericus impera-
tor cum Mediola-
nensibus pugnavit;
vexillum beati Am-
brosii auferens,
plurimis occisis,
cum victoria re-
meavit. Heinricus
dux terram Scla¬
vorum hostiliter
devastat, prin¬
cipem eorum Ni-
clod, qui et Nico¬
laus, trucidavit, et
rebelles sibi subiu¬
gavit.
Heinricus dux epi¬
scopos in Sclavia
ordinatos investi-
vit, Geroldum in
Aldenburgk, Ever¬
modum in Race-
burg, Bernonem in
Magnopolin, qui
1 Vgl. oben S. 45 Anm. 1.
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48
P. | A.
est in Zuarinensem ' Swerinensem epi-
episcopatum. scopatum.
1161 .
Magna discordia
inter Heinricum
ducem et Ratispo-
nensem episcopum
facta est.
1162 . [ 1162 .]
Inperator cum Expost impera-
rege Francie et tor cum rege Fran-
rege Danorum cu- cie et rege Dano-
riam sollemnem rum sollemnem cu-
Bisuncio indixit, riam Bisuncie in-
ut in facie totius dixit, ut in facie
ecclesie et inperii totius ecclesie et
examinatis duobus imperii examinatis
apostolicis corpus duobus apostolicis
ecclesieinunitatem corpus ecclesie in
redigeret; verum unitatem redigeret.
clero suo repu- Verum clero suo
gnante et precipue repugnante et pre-
abbatibus de or- cipue abbatibus de
dine Cläre Vallis, ordine Clarevallis,
rex Francie curiam rex Francie curiam
declinavit et cum declinavit et cum
Rolando suo in suo Rolando in
Franciamrcmeavit. Franciam reme-
Inperator iterato avit. Imperator ite-
cum rege Danorum rato cum rege Da-
ct optimatibu8 re- norum et optima-
gni et omni eccle- tibus regni et om-
sia inibi coadunata ni ecclesia inibi
Victorem in papam coadunata Victo-
confirmavit. Qui rem in papam con-
Germaniam ingres- firmavit. Qui Ger- i
sußsinoduminfesto maniam ingressus
omnium sanctorum sinodum in festivi-
Treveris cum mul- täte omnium sanc-
tis episcopis et re- torum Treveris ce-
ligiosis personis lebravit. Impera-
celebravit. Inpera- tor Fridericus Me-
tor Italiam repe- diolanum cepit et
tens, Mediolanen- vastavit urbem.
ses longa incdia fa-
mis et bellorum | j
M. | St
latus est in Zuari- ' translatus est in
nensem urbem. Zuerinensem
urbem.
1161 .
Magna discordia
inter ducem Hein¬
ricum et Radispo-
nensem episcopum.
1162 . 1162 .
Conventus apud
Bisantium.
!
Mediolanum im- | Mediolanum im
peratori traditur. peratori traditur.
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49
p.
plurimi8 anfractibus con-
tritos et desperatos, glo¬
riose de ipsis triamphans
in deditionem accepit, tur-
ribus deiectis, muris et
menibos conplanatis.
1163 .
Heinricas dux castrum
Sclavorum Werla obsidens
et capiens ad deditionem
ipsos coegit. Inperator Mo-
goncie conventum habuit
et in ultione episcopi
occisi murum civitatis cum
torribu8 deiecit, interfec-
tores autem proscribens,
quosdam vita quosdam re-
bus Omnibus abiudicavit.
Heinricus dux in Liubike
congregationem clericorum
instituit. Ecclesiam inibi
ex lignis factam in honore
Bancte Marie sanctique
Nicolai dedicari fecit, ubi
pacis gratia principes Ru-
giane insule ad deditionem
venerunt.
1164 .
Nova maris et fluctuum
confusio exorta est. Mira-
biles siquidem facte sunt
elationes maris horrida vi
ventorum et commotione
aeris, et instar montium
elevaverunt flumina fluc-
tus suo8, omnibus in cir-
cuitu nationibus interitum
quasi in diluvio exspectan-
tibus. Per triduum enim
aque de profundo abissi
exagitate ibant et intume-
scebant, et omnia circa
maritima flumina alveos
suo8 pre inundatione ex-
cedentes multas insulas
cum hominibusetiumentis,
M.
1163 .
Heinricus dux castrum
Sclavorum Werlam obsi¬
dens ad deditionem coegit.
Fridericus imperator Mo-
gontie conventum habuit,
murum civitatis cum domi-
bus destruxit,interfectore8
quosdam vita quosdam re-
bus abiudicavit.
Heinricus dux congrega¬
tionem in Lubeke cleri¬
corum instituit, ecclesiam
ex lignis constructam in
honore sancte Mariae et
sancti Nicolai dedicari fe¬
cit. Ubi pacis gratia prin¬
cipes Rugianae insule ad
dedicationem venerunt.
1164 .
Commotio aeris nimia,
turbines ventorum, fulgu-
rum choruscationes multis
in locis terribiliterapparu-
erunt. Sed et fluctus maris
in cumulos excrescentes,
omnibus circa maritima
commorantibus interitum
minabantur. Ab aquilone
vero ventus turbinis exur-
gens, cumulos aquarum
conquassavit, omnia circa
maritima flumina aquis
redundare fecit, ex quibus
innumerabile8 insulae
cum hominibus, iumentis,
domibus, edificiis, substan-
tiis, ecclesiis ecclesiarum-
1163 .
Heinricus dux castrum
Werle cepit.
Imperator Moguntiam
destruxit, et interfectores
archiepiscopi trucidavit.
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50
P.
villis, domibus, edificiis, substanciis,
ecclesiis et, quod dictu mirum, agris et
domorum areis et cimiteriis cum solidi-
tate alias transpositis, miserabiliter
suffocaverunt. Eratque mirabile specta-
culum inter misericordiam Dei et iudi-
cium, cum per iudicium fieret interitus
hominum et iumentorum et ad 20 mili-
aria secus ripas fluminum viderentur
cadavera suffocatorum, et e converso
per misericordiam lactentes in cunis et
ulvis eriperentur, natantes multi in lignis
edificiorum vel in vasculis constituti
ventorum vi et fluctuum longe in alias
regiones vivi deferrentur. Eratque in
maxiraa miseria gemitus et clamores
videre et audire pereuntium. Hec clan-
destina plaga circa occidentem ct aqui-
lonem facta est 14. Kal. Marcii. Ipso
die in Magnopoli civitate occisa et cap-
tivata est a Sela vis multitudo christi -
anorum.
Signa quedam in sole et luna visa re-
feruntur. Fruges agrorum multis in
locis grandinis nimietate contrite sunt.
Dissensio magna facta est inter Reinol-
dum, Coloniensem electum, et palatinum
de Reno propter castrum Rinegge.
Der Bericht über die Fehde zwischen dem Erzbischof Rainald von
Köln und dem Pfalzgrafen Konrad bei Rhein um den Besitz der Burg
Rineck wäre also in P., und überhaupt der letzte, welcher für die verlorene
Quelle beansprucht werden könnte. Pertz und Bernheim machen zwar,
jener in seiner Ausgabe der Magdeburger Annalen 1 , dieser in der oft
citierten Abhandlung 8 , noch drei andere Berichte über Ereignisse in
den Jahren 1166, 1170 und 1172 namhaft, in denen P. und M. ein¬
ander nahe stehen sollen, doch ist meines Erachtens die Übereinstim¬
mung derselben nicht schlagend genug, um einen sichern Schluss auf
eine Fortsetzung J.’s bis zum letztgenannten Jahre zu gestatten. Ich
ziehe es daher vor, als Endjahr J.’s das Jahr 1164 zu bezeichnen.
Den Charakter der verlorenen Quelle zu beurteilen, kann, da jetzt
so umfangreiche Bruchstücke vorliegen, nicht mehr schwer halten. Wir
1 MG. SS. XVI, 192. 193.
2 Forschungen zur deutschen Geschichte Bd. XV. S. 271.
M.
que locis funditus erute vel exstinctae.
Homines vero numerum omnino exce-
dentes aquis suffocati, frigore exanimati,
littora fluminum cadaveribus repleverunt.
Quidam etiam vel in lignis edificiorum
vel in vasculis constituti, vi ventorum
et fluctuum longe in alias regiones,
terras vivi deiecti sunt; eratque miseria,
gemitus et clamores audire et videre
pereuntium. Hec clandestina miseria
circa occidentem et aquilonem misera¬
biliter predicatur facta 14. Kal. Martii.
Ipso die in Magnopoli civitate occisa et
captivata est multitudo christianorum a
Sclavis. Signa quedam in sole et nubi-
bus visa dicuntur. Fruges agrorum mul¬
tis in locis grandine percussae. Magna
discordia inter Reinoldum, Coloniensem
electum, et palatinum de Reno propter
castrum Rineke.
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51
haben es offenbar mit einem von staufischer Seite ausgegangenen An¬
nalenwerke zu thun. Darauf weist hin erstens die auffallende Berück¬
sichtigung, welche zumal in der Zeit von 1138 bis 1143 Konrad III.
und fast noch mehr Albrecht dem Bären, bekanntlich einem der Haupt¬
verfechter der staufischen Interessen in jener Zeit, zu teil wird, zweitens
das unverkennbare Bestreben des Verfassers, die Wahl des kaiserlichen
Gegenpapstes Victor zu rechtfertigen, bez. vom Kaiser alle Schuld am
Ausbruch des Schisma abzuwälzen, und endlich drittens der Umstand,
dass, während in andern gleichzeitigen, aber von welfisch gesinnten
Autoren verfassten Quellen, wie den Paderborner Annalen, die bis zum
Schluss der Regierung Lothars III. sehr ausgedehnte Berichterstattung
nach dessen Tode mit einem Male dürftig wird, in unserer Quelle um¬
gekehrt die bis 1137 noch spärlichen Aufzeichnungen unmittelbar nach
dem Regierungsantritt Konrads HL an Umfang gewinnen.
Doch darf das Werk trotz dieses staufischen Charakters nicht zu
den Reichsgeschichten im strengeren Sinne dieses Wortes gerechnet
werden. Denn die Reichsgeschichte findet in ihm stets nur so lange
eingehendere Berücksichtigung, als sie zugleich Geschichte Sachsens, der
Heimat des Verfassers, ist, z. B. in den ersten Regierungsjahren König
Konrads III. Sobald Sachsen auf hört, den Mittelpunkt derselben zu
bilden, macht in J. das reichs- dem provinzialgeschichtlichen Elemente
Platz. Die auf die Reichsgeschichte bezüglichen Aufzeichnungen neh¬
men dann mehr den Charakter des Gelegentlichen und Zufälligen an
und lassen kein tiefer gehendes Interesse des Verfassers an den betref¬
fenden Vorgängen durchblicken. Sie sind dann, um einen Ausdruck
Wattenbachs 1 zu gebrauchen, nur noch „für den Hausbedarf“ be¬
stimmt.
Letzteres zeigt sich recht deutlich in demjenigen Abschnitt, wel¬
cher sich auf die Regierung Lothars bezieht, während welcher bekannt¬
lich Sachsen als Schauplatz politisch wichtiger Ereignisse im Vergleich
jpit andern Gegenden des Reiches fast ganz in den Hintergrund tritt.
Über diese Zeit scheint J. nur zwei Berichte von ausschliesslich reichs¬
geschichtlichem Inhalte gebracht zu haben, nämlich den über die Be¬
lagerung und Einnahme Nürnbergs und den über die Würzburger
Synode des Jahres 1130. Denn der Bericht über die Lütticher Synode
(1131) trägt wegen der besonderen Hervorhebung der auf ihr erfolgten
Wiedereinsetzung des Bischofs Otto von Halberstadt schon mehr ein
•provinzialgeschichtliches Gepräge an sich. Alle andern Berichte aber
beziehen sich auf Vorgänge in den sächsischen Gegenden. Da wird
1 a. a. 0. II, 395.
4 *
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52
1127 die Vermählung Gertruds, der Tochter Lothars, welcher bekannt¬
lich auch damals noch die Würde eines Herzogs von Sachsen neben der
deutschen Königswürde bekleidete, mit dem Herzog Heinrich von Bayern
in Merseburg erwähnt, 1128 die Absetzung des Bischofs Otto von Hal¬
berstadt, und im folgenden Jahre die Belagerung der Warte Gunders-
leben (bei Wegeleben im Halberstädtischen) durch Albrecht den Bären.
Sodann gedenkt die Quelle 1130 des in einem Gefecht mit den Mannen
Albrechte des Bären bei Aschersleben erfolgten Todes des Markgrafen
Udo von der Nordmark und des Todes des Bischofs Berthold von Hil¬
desheim, sowie der Nachfolge des Hildesheimer Dompropstes Bernhard.
Endlich berichtet sie 1132 von der feierlichen Erhebung der Gebeine
des heiligen Godehard in Hildesheim, und 1134 von der Grundstein¬
legung zur Hildesheimer Godehardikirche.
Aber kaum ist Konrad III. zur Regierung gelangt und hat der
Kampf zwischen Staufen und Welfen in den sächsischen Gegenden be¬
gonnen, so tritt auch in der Berichterstattung unseres Annalisten ein
plötzlicher Umschwung ein. Die Aufzeichnungen nehmen an Umfang
zu und werden detaillierter. Sie lassen erkennen, dass ihr Verfasser
entweder in der unmittelbaren Nähe des Kriegsschauplatzes lebte oder
mit den leitenden Kreisen der staufischen Partei Fühlung besass. Kurz
die Provinzialgeschichte wird zur Reichsgeschichte, und für diese die
verlorene Quelle zu einer Quelle ersten Ranges.
In der That beruht unsere Kenntnis von dem Verlauf der säch¬
sischen Wirren in erster Linie auf den verlorenen Annalen. Ohne sie
ein einigermassen zutreffendes Bild von jener ereignisreichen Zeit zu
entwerfen, würde kaum möglich sein. Denn die Nachrichten, welche
andere zeitgenössische Quellen bieten, wie die Nienburger und die
Paderbomer Annalen, obwohl auch diese beiden manchen Bericht ent¬
halten, welchen man anderwärts vergeblich sucht, sind doch im Ver¬
gleich mit den in unsern Annalen enthaltenen dürftig; sie können nur
zur Ergänzung der letzteren dienen. Zudem sind namentlich die Pader-
borner Berichte gerade hier nur zu oft infolge der Parteilichkeit ihres
Verfassers unzuverlässig und daher nur zu oft geeignet, die Vorgänge
in einem falschen, der welfischen Partei günstigen Lichte erscheinen
zu lassen. Dagegen befleissigt sich der Verfasser J.’s trotz seines stau¬
fischen Standpunktes doch meist einer anerkennenswerten Objektivität.
Giebt er auch, wenn er von einem Erfolge seiner Partei berichten kann,
seiner Freude darüber ganz unverhohlen Ausdruck, wie er denn in dem
zweifellos ebenfalls von ihm herrührenden 1 Bericht über die Schlacht
1 Vgl. S. 57.
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53
bei Weinsberg den Sieg der Staufen als einen ,magnificuin ex adver-
sariis triumphum* preist, so bleibt er doch dabei innerhalb der Grenzen.
Auch verschweigt er nicht die Niederlage seiner Partei, sondern be¬
richtet auch über diese mit derselben Treue und Gewissenhaftigkeit
wie über jene. Nie lässt er sich’s beikommen, die Thatsachen in der
Weise zu entstellen, in welcher der Paderborn er Annalist z. B. die Vor¬
gänge bei Kreuzburg entstellt hat 1 .
Diesen hohen Wert für die Reichsgeschichte besitzen jedoch, wie
schon gesagt, die verlorenen Annalen nur etwa für die Jahre 1138 bis
1142. Nach dem Frankfurter Friedensschluss nimmt ihre Bedeutung
für dieselbe ebenso schnell wieder ab als sie zuvor zugenomraen hatte.
Die Verbindungen des Verfassers waren offenbar nicht von der Art,
dass sie ihm eine sich gleichmässig über alle Teile des Reiches oder
auch nur auf die Person des Reichsoberhauptes erstreckende Bericht¬
erstattung ermöglichten. Erregen daher nicht Ereignisse, wie der zweite
Kreuzzug und später die glorreichen Römerzüge Friedrichs I. sein In¬
teresse, so berücksichtigt er die Reichsgeschichte in der Regel nur dann,
wenn es sich um Vorgänge handelt, bei*denen die beiden hervor¬
ragendsten sächsischen Fürsten seiner Zeit, Heinrich der Löwe und
Albrecht der Bär, in irgend einer Weise beteiligt waren. Bemerkens¬
wert ist aber, dass er, während er unter Konrads Regierung Albrecht
dem Bären seine besondere Teilnahme zu wendet, von dem Regierungs¬
antritt Friedrichs I. ab mehr die Person Heinrichs des Löwen in den
Vordergrund treten lässt. Nicht als ob er den Standpunkt gewechselt
hätte, nein, seine staufische Gesinnung tritt auch fernerhin überall
deutlich hervor; aber die enge Verbindung, in welcher fortan Heinrich
mit den Staufen steht, lässt ihn offenbar diesen jetzt mehr berück¬
sichtigen, als es bisher geschah: Albrecht der Bär hat sich, nachdem
seine Bemühungen um die Erlangung der Herzogswürde vergeblich ge¬
wesen, mehr und mehr von dem seitherigen Schauplatz seiner Thätig-
keit zurückgezogen und sich der Verwaltung seiner Stammlande und
seinen colonisatorischen Bestrebungen in den benachbarten Slavenländern
gewidmet; an seine Stelle ist nun der jugendliche Sachsenherzog ge¬
treten. Er ist es, welcher fortan am eifrigsten die staufische Politik
unterstützt und die staufischen Interessen fördert. Nichts natürlicher
daher, als dass in unsern staufischen Annalen, je mehr die thatkräftige
Unterstützung, welche der Askanier den Staufen bisher gewährt hatte,
abnimmt, um so dürftiger auch die Nachrichten über ihn werden, und
andererseits je enger sich der Welfe den Staufen anschliesst, um so
1 Vgl. Bernheim, a. a. 0. S. 251.
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54
mehr die Berichterstattung über seine Thaten an Umfaug gewinnt!
Während dementsprechend von Albrecht in nur noch wenigen Berichten
die Rede ist — in den obigen Bruchstücken nur in den Berichten
über die Jahre 1157 und 1158 —, ist, was Heinrich anbetrifft, von 1155
an kaum ein Jahresbericht zu finden, in welchem nicht bald kürzere
bald ausführlichere Nachrichten über ihn gegeben würden. Sieht man
von den Berichten über seine Teilnahme an den Römerzügen Friedrichs I.
in den Jahren 1155 und 1159 ab, so ist es besonders seine Thätigkeit im
Norden Deutschlands, welche der Annalist berücksichtigt. Er erwähnt
1156 den erfolglosen Zug des Herzogs gegen die Friesen und die durch
ihn bewirkte Wiedereinsetzung des Dänenkönigs Sven, 1158 und 1160
seine beiden Wendenzüge und die nach dem zweiten erfolgte Errichtung
der Bistümer Oldenburg, Ratzeburg und Mecklenburg, zu welcher, wie
der Annalist 1158 anmerkt, Kaiser Friedrich dem Herzog Vollmacht
erteilt hatte, und 1163 die Einnahme der wendischen Feste Werle und
und die Weihe der Nicolaikirche in Lübeck. Zwei andere auf Heinrich
bezügliche Berichte betreffen seine Ernennung zum Herzog von Bayern
und seine Fehde mit dem' Bischof Hartwich von Regensburg, erstere
1156, letztere 1161.
Was sich sonst noch in den Jahren 1152 bis 1164 in den Bruch¬
stücken findet, bezieht sich meist auf Friedrich I., und zwar, da er bis
1164 nur einige Male vorübergehend nach Sachsen kam, sich ihm bis
dahin auch wenig Gelegenheit bot, persönlich in die sächsischen Ver¬
hältnisse einzugreifen, meist auf seine Thätigkeit ausserhalb Sachsens.
Nach dem Gesagten wird sich das verlorene Werk kurz folgender¬
maßen charakterisieren lassen: Es war eine Provinzialgeschichte, mit
reichsgeschichtlichen Notizen vermischt und wohl schon von 1125 ab
gleichzeitig geschrieben, und zwar von einem Sachsen, von diesem aber
nicht, wie man erwarten sollte, vom welfischen, sondern vom staufischeil
Standpunkte aus, und daher von 1138 ab mit vorwiegender Berück¬
sichtigung zuerst Konrads III. und Albrechts des Bären, dann Fried¬
richs I. und Heinrichs des Löwen.
Die Kenntnis dieses staufischen Charakters der verlorenen Annalen
ist nicht ohne Wert. Da nämlich, wie sich aus der obigen Zusammen¬
stellung der Bruchstücke ergiebt, der Verfasser des Auszuges aus den
Annales Saxonici namentlich in den Jahren 1138 bis 1152 äusserst
flüchtig gearbeitet und von dem reichen Material, welches ihm un¬
zweifelhaft vorlag, nur einen geringen Teil wiedergegeben hat, dazu die
Magdeburger und Stader Annalen nur aus einem Auszuge schöpften,
in ihnen also ebensowenig wie in jenem die verlorene Quelle vollständig
erhalten ist, so wird man, beachtet man nur die oben angegebenen
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55
Characteristica, den verlorenen Annalen auch Nachrichten zuweisen
dürfen, welche nur in der Pöhlder Chronik, deren Verfasser für die
Jahre 1138 bis 1164 allein einen ausgedehnteren Gebrauch von ihnen
machte, erwähnt werden.
Und solcher „staufischen“ Nachrichten finden sich in der Chronik
zumal in dem die Jahre 1138 bis 1144 umfassenden Abschnitt, also
gerade in demjenigen, für welchen die Berichterstattung des Verfassers
von J. schon oben als eine besonders ausführliche bezeichnet werden
konnte, nicht wenige. Zu ihnen gehört zunächst in dem Jahresberichte
1138, abgesehen von der in einen Paderborner Bericht eingestreuten
Notiz, derzufolge Konrad III. in diesem Jahre Nürnberg belagerte 1 , die
Nachricht von dem Reichstago zu Goslar 3 . Das Interesse des Verfas¬
sers für die staufische Partei zeigt sich hier in den Schlussworten
,magna sue (sc. Conradi) partis illic adunata nobilium multitudine‘.
Andere zeitgenössische, aber vom wölfischen Standpunkte aus schrei¬
bende Geschichtschreiber, wie der Paderborner und der Nienburger
Annalist, wissen nichts von einem zahlreichen Besuche des Reichstages;
der Nienburger bemerkt nur — recht charakteristisch für seine wel-
fische Gesinnung! —, dass auf demselben ein Ausgleich mit den säch¬
sischen Fürsten nicht zu stände gekommen sei, vielmehr Konrad sich
einen vollen Monat hindurch unthätig (inutiliter) in Goslar aufgehalten
habe 3 . Trotz des Schweigens der welfischen Quellen sind aber die An¬
gaben der verlorenen Annalen richtig, da in einer in Goslar am 5. Ja¬
nuar 1139 ausgestellten Urkunde 4 Konrads als anwesend genannt wer¬
den: die Erzbischöfe Adalbert von Mainz, Arnulf von Köln und Albero
von Bremen, die Bischöfe Thietmar von Verden, Bernhard von Pader¬
born, Bernhard von Hildesheim, Rudolf von Halberstadt, Andreas von
Utrecht, Werner von Münster, Udo von Osnabrück und Sigward von
Minden, endlich Albrecht der Bär und die Grafen Gottfried von Rineck
und Hermann von Winzenburg. Doch haben andererseits auch die wel¬
fischen Quellen recht, wenn sie die Erfolglosigkeit der in Goslar ge¬
pflogenen Verhandlungen hervorheben. Dies hätte der Verfasser unserer
1 Chron. F&lid. (MG* SS. XVI, 80) 1138: Conradus genere Suevus, electione
episcoporum et aliquorum principum apud Confluentiam successit in regnum, ct
regalia, que Heinricns, dux Bawariorum et Saxonum, sab se habuit, apud castrum
Noremberg eum obsidens requisivit. Vgl. Scheffer-Boichorst, Ann. Patherbr.
S. 166. 167.
8 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 80) 1138: His gestis rex novus inminens na-
tale Domini Goslarie celebravit. magna sue partis illic adunata nobilium multi-
tudine.
8 Vgl. oben S. 22.
4 Stumpf, Kaiserurkunden, Nr. 3384.; Hamburgisches Urkundenbuch I, 144 ff.
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56
Auualen nicht verschweigen sollen. Freilich ist gerade dieses sein
Schweigen charakteristisch für seine staufische Gesinnung, und so bietet
gerade dieser Mangel seiner Berichterstattung einen sichern Anhalt da¬
für, dass der Pöhlder Chronist auch jene Nachricht ihm entlehnt hat.
Ich beanspruche ferner für J. den ganzen Jahresbericht 1140, mit
Ausnahme jedoch des Sätzchens ,Rex castrum Weiß, ducis Bawariorum,
Winesberg dictum obseditf, welches den Paderborner Annalen gehört 1 .
Es lässt sich keine zweite Quelle namhaft machen, deren Verfasser sich
sei es über die in diesem Jahre erfolgten Unternehmungen der säch¬
sisch-welfischen Partei gegen Albrecht den Bären sei es über den Ver¬
lauf der Schlacht bei Weinsberg so gut unterrichtet zeigt, als der Ver¬
fasser der hier vom Pöhlder benutzten Quelle. Während z. B. die ver¬
mutlich Nienburger Vorlage des Magdeburger Annalisten 2 , welcher —
sieht man von dem die Pöhlder Chronik benutzenden Sächsischen Welt¬
chronisten 3 ab — allein noch über jene Unternehmungen berichtet,
anscheinend nichts weiter enthielt als die wenigen Worte ,Eodem etiam
anno obsesse sunt et destructae munitiones iste, Groninge, Anehalt, Gcbe-
linzi, Witekke’, erfahren wir aus derjenigen des Pöhlders, dass das
wohlbefestigte Groningen vom sächsischen Pfalzgrafen Friedrich nach
nur siebentägiger Belagerung genommen wurde 4 , dass der Magdeburger
Erzbischof Konrad es war, welcher Jabilince zerstörte, und dass Albrechts
des Bären Stammburg Anhalt von beiden Fürsten gemeinschaftlich er¬
obert und in Brand gesteckt wurde. Dabei vermag der Verfasser über
die Art und Weise, in welcher das früher dem Grafen Siegfried von
Mehringen gehörige Jabilince in den Besitz Albrechts des Bären ge¬
langt war, so genauen Aufschluss zu geben 5 , dass, selbst wenn nicht
schon die an der Spitze dieses Jahresberichtes stehende Notiz ,Animo-
sitate principum Saxonie contra regem suosque amicos nullatenus desi-
nente, magna famis necessitas huic ingruit provincie’, und die Teil¬
nahme an dem Unglück des Markgrafen Albrecht, welcho sich in den
Worten ,His Omnibus necdum contenti predicti principes marchionem
1 Vgl. Scheffer-Boichorst, Ann. Patherbr. S. 168.
4 MG. SS. XVI, 187.
* Deutsche Chroniken II, 211.
4 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 80) 1140: FridericuB palatinus comes oppidum
Groninge non parve munitionis obsidens infra septem dies cepit et diruit.
5 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 80) 1140: Conradus, Magdeburgensis presul,
Jabilince, municipium Sifridi comitis, quem Adelbertus marchio propter coniura-
tionem adversum se factam captum occidi iusserat, et pro absolutione fratris eius
Baderici cum eo pariter vincti municipium idem in suum ius receperat, hoc ergo
episcopus circumvallavit ac expugnatum terre coequavit. — Der Cod. Gött. und
nach ihm die Ausgabe schreiben irrig ,per absolutionem*.
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57
patria eliminaverunt, Anaheld urbem ipsius incendentes’ kundgiebt, auf
die Zugehörigkeit aller dieser Berichte zur verlorenen Quelle hinwiesen,
dieser Umstand sie beweisen würde. Und ebensowenig kann der stau¬
fische Charakter des Berichtes über die Schlacht bei Weinsberg 1 und
demgemäss dessen Herkunft aus J. zweifelhaft sein. Denn ein Ge¬
schichtsschreiber, welcher, wie schon hervorgehoben wurde, die Besie¬
gung Welfs als einen grossartigen Triumph (magnificum triumphum)
der Staufen feiert, muss doch wohl selbst zur Partei derselben gehört
haben.
Des Weiteren weise ich J. alle Nachrichten des Pöhlder Chronisten
aus den Jahren 1141 bis 1143 zu. Dass diese einer einheitlichen
Quelle entlehnt sind, habe ich oben gezeigt. Da nun durch Verglei¬
chung der Pöhlder Chronik mit den Annalium Saxonicorum Excerpta
leicht festgestellt werden kann, dass die Berichte über den Frankfurter
Reichstag (1142) und über den Tod der Herzogin Gertrud von Bayern
(1143), desgleichen derjenige über den Tod der Kaiserin Richinza (1141),
aus J. stammen 2 , so müssen folgerichtig für dieselbe Quelle auch alle
übrigen Nachrichten P.’s aus den Jahren 1141 bis 1143 beansprucht
werden.
Das Gleiche wird man mit den drei im folgenden Jahresbericht
(1144) enthaltenen, welche sich auf den Tod der Grafen Rudolf von
Stade und Siegfried von Bomeneburg und des Papstes Cölestin II. be¬
ziehen 8 , thun dürfen. Zwar ist die chronologische Aufeinanderfolge der¬
selben nicht so genau wie diejenige jener, denn Cölestin starb eher als
Rudolf und Siegfried, erwägt man aber, dass der Verfasser J.’s zweifel¬
los in diesem wie in den vorhergehenden Jahren seine Nachrichten so¬
fort niederschrieb, sobald er sie erhalten, so wird man es nicht für
1 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 80) 1140: [Rex castrum Welfi, ducis Bawa-
riorum, Winesberg dictum obsedit]. Dux autem congregato exercitu super regem
uti sperabat negligentius agentem meditabatur irruere. Hoc ille postquam resci-
vit, Rico post fratrem suum, ducem Fridericum a se paulo ante profectum misit,
et, quos in vicino poterat adtingere collectis, hostium opperiebatur adventum.
Mane diei sequentis ipse propria incendit tabernacula, et venientibus hostibus
obviam factus cum paucis sese certamini fiducialiter dedit, in quo non segniter
agens magnificum ex adversariis triumphum cepit. Interfectis namque multis
plures fuge remedium querentes fluvius Nekker, iuxta quem congressi fuerant,
absorbuit, nonnullis preter hos captis. Rex vero demum voti compos effectus
castrum in deditionem accepit. — Mit Unrecht hält Bernheim (a. a. 0. S. 244.
Anm. 3) die Schreibung dictam für dictum für einen Fehler des Schreibers der
Gott. Hdschr. der Chronik; sie findet sich schon in der Oxforder Hdschr.
* Vgl. oben S. 36.
s Vgl. oben S. 13. 14.
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58
unmöglich halten können, dass er die Nachrichten von Rudolfs und
Siegfrieds Tod (15. März bez. 27. April) schon eingetragen hatte, als er
von dem am 8. März erfolgten Tode Cölestins hörte, und daher letztere
Nachricht, über den Todestag vielleicht nicht näher unterrichtet, den
beiden andern nach- anstatt voranstellte.
Wahrscheinlich ist aus seiner Feder auch der ausführliche Bericht
der Pöhlder Chronik über die Feindseligkeiten, welche im Jahre 1145
infolge der Verleihung der nach des Grafen Rudolf Tode erledigten
Grafschaft Stade an dessen Bruder, den Dompropst Hartwich von Bre¬
men zwischen diesem und dem Erzbischof Albero von Bremen einer-,
Heinrich dem Löwen andererseits ausbrachen l , geflossen. Man wird dies
um so eher annehmen dürfen, als wie erwähnt, der Annalist auch sonst
über Vorgänge innerhalb Sachsens wohlunterrichtet ist. Auch spricht da¬
für das staufische Gepräge des Berichtes, indem seitens seines Verfassers
dem Herzog ganz offen der Vorwurf gemacht wird, sich nicht gescheut
zu haben, dem Erzbischof, um ihn in seine Gewalt zu bekommen, wie¬
derholt einen Hinterhalt zu legen. Dies so unumwunden auszusprechen,
würde sich ein welfisch gesinnter Autor gewiss gehütet haben.
Aus dem folgenden Jahresberichte (1146) des Pöhlders darf ich,
obwohl auch in ihm mehrere Nachrichten enthalten sind, welche sich,
wie die eben erwähnte, durch ihre Ausführlichkeit vor andern aus¬
zeichnen, doch nur die beiden Sätzchen ,Paschali tempore rex curiam
habuit Cuine, cuius preparationi studuerat Adelbertus marchio* und
,Rex pro iusticia facienda Saxoniam ingressus est, sed hoc ad effectum
non pervenit* für die verlorenen Annalen beanspruchen, da nur in ihnen
die übrigen Characteristica der letzteren deutlicher hervortreten.
Hingegen glaube ich aus den Jahren 1147 bis 1149 alle Nach¬
richten, welche sich auf den zweiten Kreuzzug beziehen, auf J. zurück¬
führen zu dürfen, und dies um so eher' als schon oben die Herkunft
eines nicht unbeträchtlichen Teiles derselben aus ihr festgestellt worden
ist. Zwar beruft sich der Pöhlder wiederholt auf mündliche Berichte*,
1 Chron. P&lid. (MG. SS. XVI, 81) 1145: Rex cum regina Gertrude natale
Domini Magdeburch celebravit, ubi principes annuente rege comitiam Bremensern,
quam Rodolfus habuerat, Hartwigo, fratri eins, adiudicaverunt. Inde commotus
dux de Bruneswic Heinricus iunior, qui pro obtinenda eadem comicia laboraverat,
longas adversus Bremensern archiepiscopum Adelberonem inimicicias exereuit, eo
usque ut ad curiam tendenti poneret insidias, quas primo quidem evasit, sed alio
tempore comprehensus consensit ad id, quod dux voluit. Hartwigus quoque cum
a militibus ducis captus fuisset, egit magno rerum suarum dispendio, quatinus
domini ipsorum manus effugere potuisset.
2 So 1147: ,tradunt aliqui vie huius comites‘ und ,Relatio fidelium est eorum,
qui intererant, . . .‘
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59
indes darf man darauf nicht allzuviel Gewicht legen; denn diese Quellen¬
angaben könnten auch vom Verfasser J.’s herrühren und, wie dies durch
mittelalterliche Autoren oft geschieht, vom Pöhlder unbedacht mit ab¬
geschrieben worden sein. Ich weise daher J. zunächst aus dem Jahres¬
berichte 1147 alles zu, was in diesem über die Absicht Konrads III.
nach dem Übergange über den Bosporus, die unbewaffneten Scharen
der Kreuzfahrer vom Hauptheere zu trennen und auf dem gefahrloseren
Wege durch die griechischen Provinzen nach Jerusalem ziehen zu
lassen 1 , mitgeteilt wird, und dazu die Nachrichten über den Rückzug
des Kreuzheeres aus der Ebene von Doryläum nach Nicäa (Tod Bern¬
hards von Plötzkau, Sonnenfinsternis am 26. Oktober, Verwundung Kon¬
rads III. u. s. w.)*. Die Zugehörigkeit der letzteren lässt sich kaum
bezweifeln, da der Excerptor der Annales Saxonici, nachdem er von
dem Zuge der Kreuzfahrer durch die Ebene von Doryläum gesprochen,
ausdrücklich durch ein etc.-Zeichen darauf aufmerksam macht, dass in
seiner Vorlage mehr gestanden habe, als er selbst mitteile. Auch der
kurze Bericht über den Wendenkreuzzug 3 mag, da er vornehmlich von
den sächsischen Fürsten unternommen wurde, den staufischen Annalisten
zum Verfasser haben. Ob aber der in der Pöhlder Chronik an der Spitze
des ganzen Kreuzzugsberichtes stehende Auszug aus dem bekannten
Briefe 4 Eugens III. an König Ludwig VII. von Frankreich von ihm
herrührt, muss dahin gestellt bleiben. Denn obwohl sich in dem Aus¬
zuge aus den Annales Saxonici 5 mehrere Anklänge an ihn finden, so
1 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 83) 1147: Tradunt aliqui vie huius comites,
primo regis hanc intentionem fuisse, quo pedites inedia fatigati nec bellorum
gnari ideoque minus cauti periculorum, cum iam nonnulli multigena clade perirent,
acceptis ab eo pro indigentia sumtibus Jerosolimam properarent; quo propalato
tanta mox illi commotione animi prolapsi feruntur, ut Bernardum quendam de-
liberarent constituere sibi ducem, ,Nos‘, aientes, ,quia spernit habere plebem, re-
cusemus et eum sequi regem*. Fluctus hos mitigaturus rex, que non bene Ventura
sperabat reliquis consentiens adtemtabat labores in his omnibus sustinens, quales
neminem nisi expertum credere constat.
8 Vgl. MG. SS. XVI, 83. Die Stelle ist zu umfangreich, als dass ich sie hier
mitteilen könnte.
a Vgl. MG. SS. XVI, 82. Mit dem Cod. Laud. ist hier Zeile 41 ,non in id
conveniente* für ,in id non conveniente* und .turbantur* für ,turbantes* zu lesen.
4 Vgl. Jaffö, Regesta pontificum Romanorum, Nr. 8796, und Otto v. Freising,
Gesta Friderici imperatoris (hrsg. v. Pertz, Hannover 1867) lib. I. cap. 35.
8 Ann. Saxonic. Exc.: A JeroBolimis venerunt legati, predicantes regem Da-
masci Edissam civitatem christianorum, que et Roas dicitur, invasisse, ceteras de-
populasse et multa zelera in populo Dei commisisse, et magna Sarracenorum manu
Jerusolimorum principatui excidium intensare. Hiis rumoribus vires per predica-
tionem Bernhardi abbatis Clarevallensis amministrantur; et ad faciendam vindictam
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60
schliesst dies doch nicht aus, dass der Pöhlder eine Abschrift des Briefes
selbständig benutzte.
Weiter ziehe ich aus dem Jahresberichte 1148 hierher die kurzen
Notizen über Konrads III. Aufenthalt in Konstantinopel und die Ver¬
mählung seines Bruders Heinrich mit einer Nichte des griechischen
Kaisers 1 , und dann besonders die ausführlichen Nachrichten über die
erfolglose Belagerung von Damaskus und Konrads Rückkehr na£h Kon¬
stantinopel *. Die lebhafte Anteilnahme an der Person des Königs,
welche sich in diesen wie in jenen zeigt, lässt einen Anhänger der
staufischen Partei als Verfasser vermuten.
Endlich stammen aus der verlorenen Quelle noch die im folgenden
Jahresberichte (1149) enthaltenen, den Kreuzzugsbericht abschliessenden
Nachrichten von der Rückkehr Konrads nach Deutschland und der Be¬
rufung der sächsischen Fürsten zu einem Hoftage nach WürzburgT ,Rex
Conradus per innumeros labores emensis tantis terrarum spaciis tandem
repatriavit, ac in festo sancti Jacobi curiam Wirciburg habiturus, ad
hanc Saxonum principes evocavit’ 3 .
Für die Quelle des Verfassers J.’s halte ich eine vielleicht von
einem zur näheren Umgebung Konrads gehörenden Teilnehmer am
Kreuzzuge verfasste Relation 4 . Denn, dass er als Augenzeuge berichte,
ist sehr unwahrscheinlich. Möglich ist aber, dass er jene Relation
in nationibus sequentibus eciam signis, ut fama loquitur, populus infinitus sexus
promiscui animatur.
1 Cbron. Palid. (MG. SS. XVJ, 83) 1148: Rex Grecie Conradum regem valida
infirmitate detentum summa fecit curari diligentia, nisus per hoc expiari adnotata
sibi circa Teutonicos malivolentia. Plures etenim suspicati sunt eius factionc
populum veneno perditum; quod an credi debeat, sapiens quisque tenet incertum,
siquidem, antequam Constantinopolin deveniret exercitus, algore nimio, fame seu
peste partim scitur absumtus. Heinricus marchio, frater regis Conradi, consobrinam
regis Grecorum duxit uxorem, et Teutonici regni cum eo federa nexuerunt per
hanc occasionem. — Cod. Gott, und Ausgabe schreiben irrig ,curare* für ,curari 4 .
2 Vgl. MG. SS. XVI, 83.
a Vgl. MG. SS. XVI, 84.
4 Giesebrecht (Gesch. der dtsch. Kaiserzeit IV, 479) und Bernhardi (Kon-
rad III. S. 628 Anm. 9,) fassen in dem Satze ,Post hec ad responsum regis Grecie
accepta optione, quam trium adire vellet presignatarum regionum, secundum dis-
positionem magnatuum suorum previis ductoribus Grecorum arripuit iter deserti,
tendens Armeniam* (vgl. MG. SS. XVI, 82) das Wort .presignatus* in der Bedeu¬
tung von ,8upradictus‘ auf und behaupten, dass der Kreuzzugsbericht des Pöhlders
nur ein Auszug aus einem grösseren Bericht sei, weil sich Nichts finde, worauf
sich jenes Wort beziehen könne. Die Schwierigkeit lässt sich vielleicht heben,
wenn man ,presignatus* nicht durch „oben erwähnt“, sondern durch „vorher (d. i.
der Zeit nach) bezeichnet 44 wiedergiebt. In diesem Falle bezöge sich das Wort
auf den Inhalt des ,responsum*.
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61
selbständig durch einige Nachrichten erweitert hat, welche er aus dem
Munde dieses oder jenes der heimkehrenden Kreuzfahrer vernommen
hatte K
Mit einigem Recht wird man ferner für J. die Nachrichten (1149)
von der auf Befehl des Pfalzgrafen Hermann von Stahleck erfolgten
Erdrosselung des jüngeren Grafen Otto von Rineck, des Schwiegersohnes
Albrechts des Bären, beanspruchen dürfen, sowie die sich ihr anschlies¬
sende, dass derselbe Otto von Rineck früher einmal (1146), als er sich
gräfliche Gerechtsame über der Utrechter Kirche gehöriges Gebiet an-
masste, vom Bischof Hartbert in einem Gefecht gefangen genommen
und erst auf Fürsprache seines Schwiegervaters Albrecht aus der Haft
entlassen worden sei * Ebenso dürfte der Pöhlder der verlorenen
Quelle in seinem Bericht über die Empörung und Besiegung des Her¬
zogs Welf von Bayern (1150) folgen 8 , und derselben auch seine Nach¬
richten vom Tode Heinrichs, des Sohnes Konrads III. 4 , des älteren
Grafen Otto von Rineck, der Herzogin Agnes von Böhmen, einer Schwe¬
ster Konrads, und des Fürsten Heinrich (Pribislaw) von Brandenburg,
dessen Land laut Erbvertrag an Albrecht den Bären fiel 5 , verdanken.
Und vielleicht stand in ihr auch schon die vom Pöhlder am Schluss
des Jahresberichtes 1151 und noch einmal, aber ausführlicher im fol¬
genden Jahresberichte mitgeteilte Aufforderung Papst Eugens III. an
Konrad III., zum Zweck der Kaiserkrönung nach Rom zu kommen 6 ,
sowie die Nachricht vom Tode Konrads von Zähringen, des Schwieger-
1 Vgl. oben S. 58. Anm. 2.
* Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 84) 1149: Otto iunior de Rinegge pro controversia
prefecture palacii ab Heremanno, palatino de Stalegge, per insidias comprehen-
su8 et artissime cnstodie mancipatus, novissime strangulatus vita decessit. Hic
dndum Utrensis ecclesie comitiam usurpaverat renitente Hartberto episcopo, qui
bello superatum iuvenem tarn diu in vinculis detinuit, donec Adelberto märchione,
socero illius, interveniente absolvendus omnem satisfactionem adhibuit.
3 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 84) 1150: Welpho dux pristinas adversus regem
renovans inimicicias, ei laqueum parat, quem prior incidit. Nam fidelium regis
sollercia circumventus iamque comprehendendus, cum ipse quidem bene fortunatus
vix evasisset, ab hoste captam multitudinem copiosam nobilium sibi coberentium
perdidit, pro quorum ereptione cum rege necessarium fedus iniit.
4 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 84) 1150: Heinricus, filius Conradi regis, veneno
moritur.
6 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 85) 1150: Otto senior de Rinegge obiit. Agnes,
soror Conradi regis, obiit, uxor Bohemici ducis. Heinricus de Brandeburg obiit,
cuius heres factus est marchio Adelbertus.
6 Vgl. MG. SS. XVI, 86. (1151: Rex Conradus festum- invitatur; 1152: Con-
radus rex - preparavit).
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62
vaters Heinrichs des Löwen 1 . Ob ihr auch die Biographie (1151) des
Kardinals Dietwin entstammt, mag dahingestellt bleiben; der besondere
Hinweis auf des Kardinals freundschaftliche Beziehungen zum deutschen
Könige könnte allenfalls dafür geltend gemacht werden 2 .
Die Nachrichten, welche die Pöhlder Chronik über die Regierung
Konrads III. giebt, sind also fast alle der Quelle J. entlehnt. Dasselbe
ist mit den Nachrichten aus der ersten Hälfte der Regierung Fried¬
richs I. der Fall. In der Hauptsache liess sich dies schon oben durch
Vergleichung mit anderen Ableitungen J.’s feststellen; hier sind nur
noch nachzutragen die Berichte über die Beilegung des Streites Hein¬
richs des Löwen und Albrechts des Bären um das Winzenburgische und
Plötzkauische Erbe (1152) 3 und über ben Tod Konrads von Plötzkau
(1155) 4 , ferner aus dem umfangreichen, zu seinem grösseren Teile schon
oben als Bestandteil der verlorenen Quelle nachgewiesenen Bericht über
den ersten Römerzug Friedrichs 1. die Nachrichten von der Eroberung
Spoletos und von den Kämpfen bei der Etschklause 5 , endlich aus dem
Bericht über den Ausbruch des Schisma alle diejenigen Stellen, welche
durch Vergleichung der Pöhlder Chronik mit den Annalium Saxonicorum
Excerpta unserer Quelle nicht zugewiesen werden konnten 6 .
1 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 86) 1152: Conradus, Carinthiorum dux, post
diuturnam quam adversus regem habuerat contradictionem cum ipso federatus post
paululum rebus bumanis exemtus est; cuius filiam dux Saxonum Heinricus uxorem
duxerat.
* Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 85) 1151: Hic familiarissimus regi Conrado
ipsum electum, missus a domno papa, regem ordinaverat. et postea laboriosam ad
ipsum legationem in Jerosolimitana profectione susceperat.
8 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 86) 1152: Contentio principum Heinrici ducis
et Adelberti marchionis propter hereditates comitum Bernardi et Heremanni mu-
tuis depredationibus et incendiis plurimum leserat regionem; at ubi refulsit sol,
qui tune erat in nubilo, incliti terre bellorum motus festinato represserunt, atque
ut possessio Bernhardi plenarie marchionem adtingeret, duce que Heremanni
fuerant obtinente, secundum auctoritatem regis egerunt.
4 Chron. Palid. ^MG. SS. XVI, 89) 1155: Conradus de Ploceke et alii fideles
marchionis Sclavorum perimuntur insidiis.
5 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 89) 1155: Huius, annuente [Deo], quanta sit
potentia, Spolotanorum testatur iactura, qui adpropinquante exercitu previis de-
negavere successionem. Inde cum cesare confligentes atque subacti, flammis con-
sumptam suam deplorant habitationem. Militum vero cesaris fixa manente for-
tuna, dum artissimam scandunt viam ad locum, qui vulgo Clusa dicitur, a castel-
lanis primo sunt irretiti; quare conserta cum hoste manu gladiis viam patefecere,
illic etiam optabili triumpho potiti.
6 Dazu gehört der umfangreiche Bericht über die Vorgänge bei der Wahl,
wie er in der Ausgabe S. 91. Z. 3 bis Z. 29 abgedruckt ist, und der Satz ,Qui in-
peratori hoc insinuavit honorem, illum se parvi pendere, si presente vel assen-
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63
Alles zusammengefasst ergiebt sich als Resultat, dass der Pöhlder
Chronist, nachdem er für die Regierung Lothars III. vorwiegend die
antistaufischen Paderborner bez. die aus diesen geflossenen Hildesheimer
Annalen benutzt hat, vou 1138 ab bis 1164 fast ausschliesslich einer
staufischen Quelle folgt 1 . Der Wert seiner Chronik wird dadurch nicht
vermindert, im Gegenteil eher noch vermehrt, da ja nun feststeht, dass
die in ihr enthaltenen Nachrichten gleichzeitig geschriebenen Annalen
entlehnt sind. Was oben über den Charakter der letzteren und über
ihren Wert gesagt worden ist, gilt nun natürlich auch von der Pöhlder
Chronik.
Es erübrigt noch, die Herkunft der verlorenen Annalen zu ermit¬
teln. Dabei werden wir einmal von dem staufischen Charakter der¬
selben und daun von denjenigen Nachrichten ausgehen müssen, welche
ihnen der Sächsische Annalist und der Pöhlder Chronist in den Jahren
1125 bis 1137 entnommen haben, da nach früher Gesagtem in diesem
Zeiträume (1er Gesichtskreis des Verfassers noch ein beschränkterer ist
und daher die lokale Seite der Annalen hier offenbar am deutlichsten
hervortritt.
Der staufische Charakter lässt zunächst nur die Folgerung zu, dass
das Kloster, in welchem die Annalen verfasst worden sind, entweder in
den Stammlanden Albrechts des Bären lag oder in einer Gegend Sachsens,
deren geistliche oder weltliche Obrigkeit stets, namentlich aber Ende
der 30er und Anfang der 40er Jahre im Bunde mit den Staufern stand.
Viel weiter führt die Betrachtung der Berichte aus den Jahren 1125
bis 1136. Stellen wir von ihnen diejenigen zusammen, in denen sächsische
Begebenheiten erwähnt werden, so erhalten wir vier, welche nach Hal¬
berstadt, drei, welche nach Hildesheim weisen. Es sind dies einerseits
die Nachrichten von der Absetzung und Wiedereinsetzung des Bischofs
Otto von Halberstadt (1128 und 1131), von der Belagerung Gunders-
lebens (1129) und von dem Tode Udos von Stade bei Aschersleben
(1130), andererseits die Nachrichten vom Tode des Bischofs Berthold
von Hildesheim und der Nachfolge des Dompropstes Bernhard (1130),
von der Erhebung der Gebeine des heiligen Godehard (1132) und von
der Grundsteinlegung zur Godehardikirche in Hildesheim (1134). Dem¬
nach dürften die verlorenen Annalen entweder in einem zum Halber¬
städter oder in einem zum Hildesheimer Sprengel gehörigen Kloster ent-
ciente ipso cesare communiter ecclesia sibi pastorem elegisset, se vero, si fraudi
huic cederet, permaxime posteris suis nociturum‘.
1 Es ist also nicht nötig, die Benutzung mehrerer annalistischer Quellen
anzunehmen, wie dies Bemheim und v. Heinemann tliun.
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standen sein. Zu dieser Annahme stimmt, dass die Bischöfe Rudolf
von Halberstadt und Bernhard von Hildesheim es mit der staufischen
Partei hielten 1 . Dem Halberstädter Sprengel ist jedoch vor dem Hildes¬
heimer der Vorzug zu geben, und zwar deshalb, weil sich in den ver¬
lorenen Annalen in den Jahren 1138 bis 1164, in denen man doch der
Zunahme ihres Umfanges entsprechend, wären sie in einem Hildeshei¬
mischen Kloster entstanden, auch eine eingehendere Berücksichtigung
des Bistums Hildesheim erwarten sollte, nur wenige Nachrichten finden,
welche ein tieferes Interesse ihres Verfassers für Hildesheimische An¬
gelegenheiten erkennen lassen. Wie tritt dagegen das Bistum Halber¬
stadt und Halberstadt selbst hervor! Schon aus den oben mitgeteilten
Bruchstücken J.’s ist dies ersichtlich; ich verweise auf die Jahre 1140,
1156 und 1158. Aber auch noch an anderen Stellen finden sich in
der Pöhlder Chronik, dieser wichtigsten Ableitung J.’s, Halberstädter
Nachrichten. So berichtet sie 1146 über die Ermordung des Domherrn
Wigand, wobei sie den mutmasslichen Anstifter des Verbrechens, den
Dompropst Martin, wie ich nebenbei bemerke einen Verwandten Albrechts
des Bären 2 , von jeder Mitschuld freizusprechen sucht 3 , und ebenda
— mit genauer Angabe des Datums (9. September) — über die Weihe
des vom Bischof Rudolf neugebauten Marienklosters 4 . 1148 verzeichnet
sie die Erhebung des Halberstädter Archidiakons Hermann zum Bischof
1 Rudolf war schon auf dem Hoftage anwesend, welchen Konrad III. un¬
mittelbar nach* seiner Wahl Ostern 1138 in Köln ab hielt. Bernhard erschien im
Juli 1138 in Quedlinburg. Vgl. Bernhardi, Konrad III., S. 24. und S. 57.
4 Vgl. die Bemerkungen v. Heinemanns im Cod. dipl. Anhalt. I, 246, und
F. Winter, Der Dompropst Martin von Halberstadt (Harzzeitschrift VI. (1873)
S. 57—63).
8 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 81) 1146: Halberstadensis ecclesia funerea,
proh dolor, exacerbatur mesticia. Nam ut ipsius, qui intenditur. epitaphium pro
se loquatur:
Frater honorandus Christi levita Wigandus,
Quid morien8 tulerit, hec series aperit.
Ausus enim cleri communia iura tueri,
Saucius ense ruit iustaque facta luit.
Martinus tune maior prepositus, cuius familiäres id facinus perpetrarunt, eminus
aberat; verum quam plurimis suspicantibus tepor caritatis eius erga Wigandum
olim designatus sibi calumniam mortis eius adnotaverat. Fratres igitur fratrem
peremtum commendatiooe devotissima curaverunt et donec Martinus tarn officio
quam beneficio ecclesiastico privaretur a querelis minime cessaverunt.
4 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 81. 82) 1146: Monasterium vetus sancte Dei
genitricis Marie modice quantitatis ab episcopo Rodolfo destructum, novum vero
magnificentius ab ipso est inchoatum. Quod cum esset ad medietatem deductum,
propter infirmitatem continuam presul estimans mortem suam vicinam 5. Idus Sep-
tembris preoccupavit eius consecrationem.
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von Verden 1 , und 1149 diejenige des Dompropstes Wichmann zum Bi¬
schof von Zeitz*. Bei demselben Jahre gedenkt sie auch des Todes
des Bischofs Rudolf und der Nachfolge des Vitztums Ulrich; sie rühmt 8
Rudolfs Sorge für die würdige Ausstattung der Klöster, Kirchen und
Kapellen und betont seine Friedensliebe. ,Dum turbine bellorum‘, sagt
sie in bezug auf letztere, ,ista precipue quateretur 4 regio, cum his, qui
oderunt pacem, erat pacificus, quibus ea, que communis erant utilitatis,
loquens gratis inpugnabatur*. Auch lobt sie seine Gewissenhaftigkeit in
der Ausübung des ihm anvertrauten Amtes, von der ihn selbst andauernde
Kränklichkeit nicht abzuhalten vermocht hätte: ,Factus episcopus*,
heisst es von ihm, ,quoad vixit, iugi suspirabat infirmitate; cumque
molestiis undique pulsaretur assiduis, non tarnen ideo crediti sibi de-
stitit officii sedulitate*. So konnte doch offenbar nur ein Annalist
schreiben, welcher den Bischof persönlich gekannt* ihm vielleicht nahe
gestanden und so mit eigenen Augen gesehen hatte, mit welchem Eifer
derselbe seinen Amtspflichten oblag.
Denselben Halberstädter Lokalcharakter zeigt folgende Erzählung
(1150). Eine Bäuerin aus Aschersleben, berichtet die Chronik, hatte
die bei der Abendmahlsfeier empfangene Hostie, anstatt sie zu verzehren,
zu irgend einem unheiligen Zweck mit sich nach Hause genommen. Als
sie kurze Zeit darauf die Hostie betrachtet, findet sie, dass sich dieselbe
inzwischen in blutiges Fleisch verwandelt hat. Das Wunder ward ruch¬
bar und kam auch dem Bischof Ulrich von Halberstadt zu Ohren. Dieser
ordnete ein dreitägiges Fasten an und liess darauf die wunderbare
Hostie nach Halberstadt herüberholen 5 .
Ebenso weisen nach Halberstadt die Nachrichten (1153) von einer
1 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 84) 1148: Tiethmarus, Fardunensis episcopus,
honorificum et utile membrum ecclesie, requievit in,Domino, et Heremannus,
Halberstadensis archidiaconus et custos ecclesie, functus est eius officio.
2 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 84) 1149: Udo, Cicensis episcopus, primo egres-
sionis sue anno maturius a rege digressus cum 15 ferme milibus, ut perhibent,
Jerusalem tendebat. Quo fluctibus obruto Wichmannus, Halberstadensis ecclesie
maior prepositus, loco eius successit.
3 Vgl. MG. SS. XVI, 84.
4 Nicht ,quereretur‘, wie Cod. Gött. und die Ausgabe haben.
5 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 84) 1150: Mulier quedam forensis de Aschers-
leve eucharistiam, quam in pascha sumsisse videbatur, domum, pro nefas, irre-
verenter deferens, ad que nescimus prestigia reservavit, hancque post pusillum
considerans in cruentam carnem versam expavit; unde reatum suum confessa pe-
nituit, res quoque signi admiratione prodita minime celari potuit. Quapropter
episcopus Odelricus subditis suis triduanum cum orationibus indicens ieiunium, ad
suam eccleßiam cum veneratione transferri fecit eandem hostiam redemtionis
omnium.
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Verschwörung der Halberstädter Bürgerschaft gegen den Bischof Ulrich
und von dem plötzlichen Tode mehrerer Schatzgräber, welche auf einem
Hügel bei Halberstadt gruben 1 , ferner die Nachricht (1154) von der
Wahl des Bischofs Wichmann von Zeitz zum Erzbischof von Magdeburg*,
und endlich von dem Bericht über den Fürstentag zu Halberstadt (1156),
dessen erste Hälfte oben (S. 41) für die verlorenen Annalen beansprucht
wurde, die andere Hälfte, in welcher mitgeteilt wird, dass auf diesem
Tage Bischof Ulrich von Halberstadt die Verzeihung des Kaisers für
sein unentschuldigtes Fernbleiben von der Romfahrt erlangte 3 .
Das Nächstliegende wäre wohl, dieser Lokalnachrichten halber,
welche unbedenklich den verlorenen Annalen zugewiesen werden dürfen
— denn aus welchem anderen Werke sollten sie stammen? —, Halber¬
stadt selbst für den Abfassungsort der letzteren zu halten. Indes mit
dieser Annahme würde sich die Thatsache nicht recht in Einklang
bringen lassen, dass die Gesta episcoporum Halberstadensium 4 , nachdem
die in ihnen benutzte ältere Halberstädter Bischofschronik mit dem
Jahre 1140 geendet, von da an mit einemmal dürftig werden 5 , und
bis zum Jahre 1177 fast gar keine Halberstädter Lokalnachrichten mit-
teilen: sie erwähnen bis dahin nur den Tod des Bischofs Rudolf, die
Wahl des Bischofs Ulrich, dessen Vertreibung wegen Begünstigung Ale¬
xanders III., und die Wahl des Gegenbischofs Gero. Dies würde
doch schwerlich der Fall sein, wenn die verlorenen Annalen mit ihren
reichen Aufzeichnungen über Halberstädter Begebenheiten in einem der
1 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 87. 88) 1153: Coniuratio civium Halberstadi-
en8ium adversus Odelricum episcopum. Collis est haud procul ab Hal-
berstadensi civitate sepositus, quem nonnulli stultorum illecti prestigio demonum
interfodientes spe thesauri reperiendi, fraudis amicum diabolum in hoc eis allu-
dentem in specie equitis conspiciunt, et dicto citius aliqui ipsorum mole terrarum
obruti fine detestando cupiditatis sue damna mercantur.
2 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 88) 1154: Clericis in Partinopoli, id est Magda-
burch, diu pro electione presulis dissidentibus, ecclesie Niumburgensis antistes
Wicbmannus voluntate regis Friderici illinc translatus per Anastasium papam illic
firmatur metropolitanus, cuius vice in Niumburg Bertoldus maior prepositus epi-
scopali infula decoratur.
8 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 89) 1156: Principio Maii mensis primi regionis
convenerunt Halverstad iussu inperatoris, apud quem quia Odelricus episcopus non
modicum fuerat insimulatus obtentu Bavenbergensis presulis Everhardi offensa re-
mittitur incusato et gratia principis donatur, postque moderatum rei publice sta-
tum in sua quibusque remeantibus ,Pax optata datur, et rex hinc magnificatur*.
4 Hrsg, von L. Weiland (MG. SS. XXIII, 73 — 123).
5 Vgl. Scheffer-Boichorst, Beiträge zur Kritik deutscher und italienischer
Quellenschriften. I, 3. Annales HalberBtadenses. (Forschungen zur deutschen Ge¬
schichte. Bd. XI. S. 498—506), und Wattenbach, a. a. 0. II, 228. 229.
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Halberstädter Klöster zu finden gewesen wären. Denn dann würde der
Verfasser der Gesta es sicher nicht verschmäht haben, von der einen
oder der andern Notiz dieser Quelle, insbesondere aber von ihren Nach¬
richten über Bischof Rudolf Gebrauch zu machen. Unsere staufischen
Annalen können daher nicht wohl in Halberstadt verfasst worden sein,
vielmehr werden wir ihre Entstehung in einem der zum Halberstädter
Sprengel gehörigen Klöster zu suchen haben.
Bei der Umschau unter denjenigen von ihnen, welche etwa in Be¬
tracht kommen könnten, lenkt sich nun der Blick sogleich auf ein
Kloster, welches ebensowohl wegen seiner günstigen Lage, als auch
wegen des regen Verkehrs, welcher jederzeit zwischen ihm und Halber¬
stadt stattfand, und der dadurch seinen Insassen gebotenen Möglichkeit,
viele und gute Nachrichten zu erhalten, wie kein zweites geeignet war,
ein so umfangreiches Geschichtswerk hervorzubringen: das Kloster Ilsen-
burg am Harz. Hier sind meines Erachtens die verlorenen Annalen
verfasst worden.
Diese Annahme mag einigermassen befremden, da die Resultate,
zu denen Schum 1 bei Erörterung der Frage nach der ehemaligen Exi¬
stenz von Ilsenburger Annalen gelangt ist, kaum einen Zweifel daran
zu gestatten scheinen, dass die Ilsenburger Geschichtschreibung bereits
um die Mitte des zweiten Jahrzehnts des zwölften Jahrhunderts, um
welche Zeit die Würzburger Chronik von Ilsenburg nach Rosenfeld über¬
geführt wurde, ihr Ende erreichte; indes es lässt sich doch bei einer
eingehenden Berücksichtigung der mannigfaltigen Schicksale dos Klosters,
seiner Beziehungen zu anderen Klöstern, seiner politischen Stellung zu
verschiedenen Zeiten u. a. m. eine nicht geringe Anzahl von Beweisen
dafür beibringen, dass die annalistische Thätigkeit der Ilsenburger
Mönche länger gewährt und es in der That ehemals bis zum Jahre
1164 reichende Ilsenburger Annalen gegeben hat. Diese Beweise wird
der folgende Abriss der Klostergeschichte — von der Gründung des
Klosters bis zum Tode seines achten 2 Abtes Sigebodo am 6. November
1161 — enthalten 3 .
1 W. Schum, Die Jahrbücher des Sanct-Albans-Klosters zu Mainz. Gött. Dissert.
1872. S. 94 ff.
* Das heisst natürlich des achten unter den uns bekannten Äbten.
8 Eine Geschichte des Klosters ist zwar bereits von E. Jacobs (als Einlei¬
tung zur zweiten Hälfte des von ihm herausgegebenen Urkundenbuches des Klo¬
sters Ilsenburg) verfasst worden, doch konnte ich mich nicht entschliessen, sie
dem Folgenden zu Grunde zu legen, da eine Nachprüfung der von Jacobs benutzten
Quellen und Litteratur mich bezüglich mehrerer nicht unwesentlicher Punkte zu
abweichenden Ansichten führte.
5 *
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Als Kaiser Otto III. Ende des Jalires 996 von seinem ersten Römer¬
zuge nach Deutschland zurückgekehrt war, begab er sich, nachdem er
einige Zeit in den Gegenden am Rhein geweilt, im Mai 997 nach
Sachsen, um die Vorbereitungen zu einem Zuge gegen die Wenden zu
treffen \
Um diese Zeit mag es gewesen sein, als Graf Ricbert, der Inhaber
einer Grafschaft im Harzgau, der Grossoheira des bekannten Geschicht¬
schreibers und Bischofs von Merseburg Thietmar, aus nicht näher be¬
kannten Gründen das Missfallen des Kaisers erregte und seiner Würde
entsetzt wurde. Seine Grafschaft erhielt Liutger, ein Vasall des Bischofs
Arnulf von Halberstadt*
Die so sich bietende Gelegenheit, die Besitzungen seiner Kirche zu
vermehren, mochte der Halberstädter Bischof nicht unbenutzt vorüber¬
gehen lassen. Vielleicht als sich Otto Anfang Juli in Gandersheim auf¬
hielt 3 , erschien er vor ihm mit der Bitte, das in der nunmehrigen
Grafschaft Liutgers gelegene Schloss Ilsenburg der Halberstädter Kirche
behufs Gründung eines Klosters zu überlassen 4 . Gern ging der Kaiser
1 Vgl. Giesebrecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit, Bd. I. 4. Aufl. S. 674.
675. 693. Urkundlich ist Otto am 1. Mai noch in Mainz nachweisbar, am 18. Mai
aber schon in Merseburg. Vgl. Stumpf Nr. 1111 und 1112.
2 Thietmar lib. V. cap. 3 (zum Jahre 1002): Interim patruus meus (sc. Thiet-
mari), de quo superius memoravi, profectus occulte ad Bavanberg cum avuncnlo
8uo Ricberto, quem a comitatu suo imperator deposuit Liudgeroque Arnulfi pre-
sulis militi dedit, gratiam ducis ac spem retinendi et augendi beneficii, quamquam
servato adhuc sacramento manus eidem non applicuit, tarnen cum sui nepotis
Heinrici auxilio adeptus. — Beiläufig bemerke ich, dass durch diese Stelle die
jüngst von Kurze (Neue Mitteilungen des Thüring.-Sächs. Vereins Bd. XVII. S. 310)
aufgestellte Ansicht, dass der in einer undatierten, von Stumpf (Nr. 1303) ohne
Angabe von Gründen in die Jahre 1000 bis 1002 verwiesenen Urkunde Ottos III.
erwähnte Graf Friedrich zwischen 1000 und 1003 gestorben sei, da in einer Ur¬
kunde Heinrichs II. vom 15. April 1003 schon Ricbert als Graf im Harzgau er¬
wähnt werde, widerlegt wird. Ricbert hatte die Grafschaft schon viel früherinne;
Friedrichs Grafschaft darf, obwohl sie ebenfalls Teile des Harzgaus umfasste, doch
mit derjenigen Ricberts nicht identifiziert werden.
8 Urkundlich ist Otto hier am 9. Juli nachweisbar; vgl. Stumpf Nr. 1116.
4 Urkunde Bischof Arnulfs von Halberstadt, Halberstadt 6. April 1018 (Ilsen-
burger Urkundenbuch I, 2): Ego denique Arnulfus, Halberstatensis episcopus, aec-
clesiae meae utilitati semper providere studens, castrum, quod Hilisinneburch di-
citur, cum omnibus circumquaque positis tercio Ottone imperatore tradente Deo
sanctoque eius primo martyri Stephano acquisivi, .... Nach dieser Urkunde die
Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 685): Cui (sc. Hildewardo) in episcopatu suc-
cessit Arnolphus, qui anno Christi 998 ab Ottone tertio hunc locum Ilsineborg
impetravit, et Deo sanctoque eius primo martyri Stephano acquisivit, ut ex prima
fundatione constat. — Der Chronol. folgen die Ann. Saxonic. Excerpta 998: Ar-
noldus episcopus Halberstadensis ab imperatore Ottone tercio locum mansionis
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69
auf die Wünsche seines ehemaligen Kaplans 1 ein, und auch Liutger
wird seine Zustimmung nicht versagt haben, als Otto dem Bischof
nicht nur das Schloss, sondern auch alle zu demselben gehörigen Be
Sitzungen schenkte 8 .
monasterii in llseneborch sedulis precibus impetravit. — Auf die Angabe, dass die
Schenkung im Jahre 998 erfolgt sei, ist nicht viel zu geben. Otto III. war in
diesem Jahre in Italien. — Unhaltbar ist die Angabe y. Heinemanns (Neues Ar¬
chiv XIII, 49ff.), dass die Annales Saxonici die Quelle Engelbrechts, des Verfas¬
sers der Chronol., gewesen seien, v. Heinemann übersieht die Beziehungen des
Braunschweigischen Egidienklosters zu Ilsenburg (vgl. darüber weiter unten).
Wenn ich hier eine Vermutung aussprechen darf, so ist die vorstehende Notiz
vom Excerptor selbständig der Chronol. entnommen und sind demgemäss die Ex-
cerpta erst nach 1588, dem Abfassungsjahr der Chronol. in die dem 15. Jahrh.
angehörende Wolfenbüttler Handschr. eingetragen worden. Dann erklärt sich auch die
Benutzung der Ilsenburger Annalen durch Engelbrecht (vgl. weiter unten); denn diese
befanden sich, als E. schrieb, nicht mehr in Ilsenburg, wie aus dem noch erhal¬
tenen, im Dezember 1574 auf Befehl des Administrators Grafen Christoph zu
Stolberg angefertigten Katalog der Klosterbibliothek hervorgeht. (Vgl. Neue Mitt.
des Thür.-Sächs. Vereins XI, 335 ff.). Engelbrecht wird sie aus Braunschweig ent¬
liehen und bei der Rückgabe ein Exemplar seiner Chronologie mitgeschickt haben.
1 Nach Thietmar lib. IV. cap. 26: Et cum confratres eius (sc. Hilliwardi) in
electione convenire non possent, prepositus est hiis de capella regis Arnulfus. ...
Ähnlich sagt Winnigstädt in seinem nach 1545 geschriebenen Chronicon Halber-
stadiense (hrsg. von Abel, Sammlung etlicher noch nicht gedruckten alten Chro¬
niken. Braunschweig 1732. S. 275): „Von diesem Bischoff hab ich in einer
alten Historie, so von vornehmen Leuten beschrieben war, im Stifft Helmershausen
gelesen, dass ihn der Kaiser Otto viel hat gebraucht in seinem Rathe, . . .
* Vgl. S. 68. Anm. 4. Die Ann. Hildesheimenses (hrsg. von Waitz, Han¬
nover 1878) setzen die Gründung in das Jahr 994. Da jedoch die betreffende
Stelle ein späterer Zusatz ist, so ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass
in der Quelle des Interpolators 997 stand und seine abweichende Angabe auf ei¬
nem leicht zu erklärenden paläographischen Versehen beruht. — Die oben gege¬
bene Ansicht über die Anfänge des Klosters weicht von derjenigen Jacobs’ nicht
unwesentlich ab. Jacobs (a. a. 0. II. Einl. S. 15) hält die Ilsenburg für ein könig¬
liches Schloss. Aber die von ihm angeführten Gründe sind nicht stichhaltig.
Denn erstens ist seine Übersetzung der Worte ,quicquid in civitate Elisenaburg...
nostro tempore regali pertinuit potestati‘ in der Urkunde Heinrichs II. vom 15. April
1003 (vgl. S. 71. Anm. 4.) durch „was in der Burg Ilsenburg zu unserer Zeit noch
der Krone gehörte“ durchaus willkürlich, und zweitens hat er übersehen, dass die
auf die früheren Bewohner der Ilsenburg bezüglichen Worte ,eliminatis de ipso
Castro terreno regi militantibus 4 in einer Urkunde des Bischofs Burchard II (Ilsenb.
Urk. I. 8) nichts weiter als eine etwas pomphafte Wiederholung der Worte ,habita-
toribus loci eiusdem eliminatis 4 aus der Urk. des Bischofs Arnulf vom 6. April
1018 (vgl. die folgende Anm.) sind, also zu der Annahme einer „königlichen“
Besatzung in der Ilsenburg nicht den geringsten Anlass bieten. Aus der erwähnten
Urk. Heinrichs II., welche Jacobs, der späteren Ilsenburger Tradition folgend, für
eine Bestätigungsurkunde der Schenkung Ottos fll. hält, was sie aber keineswegs
ist, geht klar hervor, dass die Ilsenburg zu einer Grafschaft im Harzgau gehörte.
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70
Indes obwohl Arnulf nach Entfernung der bisherigen Bewohner des
Schlosses zweifellos sogleich Hand anlegte, es zur Aufnahme von Mönchen
instandzusetzen, es verging doch geraume Zeit, bis diese Vorbereitungen
so weit gediehen waren, dass die Ilsenburg ihrer neuen Bestimmung
übergeben werden konnte. Erst nach dem Tode Ottos III. nahmen, ge¬
leitet von dem ihnen von Arnulf Vorgesetzten Abt Ezzilo, Benediktiner¬
mönche das Kloster in Besitz, einige Zeit nachher auch die Klosterkirche,
deren Bau ebenfalls Bischof Arnulf veranlasst hatte. Er selbst weihte
die Kirche dem Apostel Petrus 1 .
Heinrich schenkt hier der Halberstädter Kirche von einem ihm gehörigen Gute
denjenigen Teil, welcher ,in civitate Elisenaburg, quae sita est in pago Hardegowe
et in comitatu Richperti* liegt. Wäre nun die Ilsenburg königliches Eigentum
gewesen, dann müsste man den Bischof Arnulf der Lüge zeihen, wenn er in sei¬
ner Urk. sagt, Otto III. habe ihm alle in der Umgebung der Ilsenburg gelegenen
Besitzungen (castrum, quod Hilisinneburch dicitur, cum Omnibus circumquaque
positis) geschenkt. Seine Worte sind jedenfalls dahin zu verstehen, dass Otto ihm
die Ilsenburg und das zu ihr gehörige Gebiet, mit Ausschluss jedoch des in dem¬
selben liegenden königlichen Eigentums überliess. Letzteres schenkte ihm erst
Heinrich II. — Schon der Verfasser der Gesta episc. Haiberst. (MG. SS. XXIII, 91)
hat Heinrichs Urk. falsch verstanden, da er schreibt: „Eodem etiam anno (sc. 1003)
idem Henricus rex, domno Arnulfo episcopo efficiente, tradidit sibi sueque Halber-
stadensi ecclesie civitatem Ilsineburch et quidquid regali pertinuit potestati intra
muros vel extra . . .“ Von einer Schenkung der Ilsenburg ist in der betr. Urk.
nirgends die Rede.
1 Urk. des Bischofs Arnulf, Halberstadt 6. April 1018. (Usenb. Urk. I, 2):...
memorato principe (sc. Ottone) defuncto habitatoribusque loci eiusdem eliminatis
monachos, quos his temporibus secundum ordinem Vuldensem religiosiores inveni,
ibidem collocavi. Dehinc vero aecclesiam venerabiliter constructam in honore
omnipotentis dei sanctique Petri apostolorum principis dedicavi, eamque diversis
praediis et decimationibus subter notatis ad subsidia Christo illic famulantium pro
tempore et facultate dotavi. — Mit Benutzung dieser Urk. die Chronol. abb. Ilsineb.
(Leibniz III, 684): Post mortem Ottonis imperatoris Arnolphus episcopus Halber-
stadensis castrum Ilsineburch commutavit in monasterium, et eiectis terreno regi
militantibus fecit inhabitare Deo servientes. Nam monachos, quos eo tempore
secundum ordinem Fuldensem religiosiores ac honestissimos invenire poterat, con-
gregavit, et eis praeposuit abbatem Ezilonem. Dehinc ecclesiam in honorem S. Petri
apostolorum principis constructam, diversis praediis (quae in fundatione recensen-
tur) in usum monachorum ibi commorantium collatis, dotavit. — Nach der Chronol.
die Ann. Saxonic. Excerpta (vgl. Neues Archiv XIII, 49). Die Worte ,et eiectis
terreno regi militantibus ( in der Chronol. stammen jedoch nicht aus der obigen
Urk., wie v. Heinemann angiebt, sondern aus derjenigen Burchards II. (vgl. die
vorhergehende Anm.). Dass Engelbrecht diese Urk. kannte, sagt er selbst in
einem Briefe an seinen Schwager, den Arzt W. Budaeus in Halberstadt, dat. 3. Juni
1612 (gedruckt bei Leuckfeld, Antiquitates Poeldenses p. 239): „. . . ich habe, so¬
viel ich mich noch erinnere, originalia in Händen gehabt, die er (sc. Burchard)
an. 85. 86. 87 dem Closter Ilsenburg super quibusdam privilegiis gegeben-“ —
Der Zeitpunkt, zu welchem das Kloster bezogen wurde, und der Ort, von
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71
Der Ertrag, welchen die früher zum Schloss, nunmehr zum Kloster
gehörigen Ländereien lieferten, reichte aber zum Unterhalt der Mönche
nicht aus. Dies hatte Arnulf bald erkannt, und um dem Übelstand
abzuhelfen, wandte er sich, als König Heinrich II. im Frühjahr 1003
nach Sachsen kam, an den Herzog Bernhard von Sachsen, den Pfalz¬
grafen Burchard von Sachsen und den Grafen Heinrich (von Nordheim?)
mit dem Ersuchen, beim Könige dahin zu wirken, dass der Halber¬
städter Kirche zu einem Krongut gehöriges, in der Ilsenburger Feld¬
mark gelegenes Land übereignet werde. Die Fürbitte der drei Fürsten
hatte Erfolg: am 15. April 1003 Unterzeichnete Heinrich auf der Pfalz
Allstedt in Thüringen eine Urkunde, in welcher er zu gunsten des hei¬
ligen Stephan, des Halberstädter Patrons, auf jenes Land und alle auf
ihm beruhenden Rechte verzichtete 1 . Diese Schenkung übertrug nun
Arnulf auf das Kloster, und dazu überwies er selbst — ob von eigenem
oder von Halberstädter Besitztum muss dahingestellt bleiben — ihm
noch westlich von Ilsenburg nach Gojlar zu drei Hufen in Isingerode,
östlich in der Richtung nach Wernigerode 15 Hufen in Altenrode und
Rode, dann die Ilse abwärts, teils an teils links von derselben, 30%
Hufen in Berdingerode, Hausleer, Berssel, Schauen und Suderode, und
noch weiter nach Norden zu jenseits des zwischen Hornburg und Oschers-
leben sich hinziehenden Bruchs 10% Hufen in Gevensleben und Bed¬
dingen, endlich 8% Hufen in den ihrer Lage nach nicht sicher zu be¬
stimmenden Culisberi, Thiedestorpe und Warmer es thorpe, zusammen also
nicht weniger als 67% Hufen. Doch damit nicht genug. Er verlieh
dem Kloster gleichzeitig auch den Zehnten ausser in den schon er-
welchem die Mönche kamen, lässt sich leider nicht mehr bestimmen. Sollte die
Angabe Winnigstädts (a. a. O. bei Abel S. 271) richtig sein, dass Arnulf früher
Mönch in Fulda war, so würde die Annahme, dass er die Mönche von dort holte,
manches für sich haben. Dann würde auch die Folgerung zulässig sein, dass man
in Ilsenburg ein Exemplar der Fuldaer Annalen besass und die aus diesen stam¬
menden Nachrichten der Pöhlder Chronik durch die Ilsenb. Ann. vermittelt sind.
1 Urk. Heinrichs II., Allstedt 15. April 1003. (Stumpf Nr. 1354; Ilsenb. Urk.
1,1.): . . . nos per interventum familiarium nostrorum, Berenhardi videlicet ducis,
Heinrici quoque comitis et Burchardi comitis palatini, pie petitioni venerabilis
viri Arnolfi Halverstatensis aecclesiae episcopi assensum praebentes, ad altare
sancti Stephani protomartyris partem quandam de praedio nostri iuris per hoc
regale praeceptum stabili perenniter dono tradidimus; id est, quiequid in civitatc
Elisenaburg, quae sita est in pago Hardegowe et in comitatu Richperti, nostro
tempore regali pertinuit potestati intra muros vel extra cum omnibus appendiciis,
possessionibus et utilitatibus eidem praedio iuste et legaliter pertinentibus . . . .,
eo tenore, quatinus praefatus episcopus Arnoldus suique in perpetuum successores
liber&m deinceps inde habeant potestatem quiequid sibi in usus suos et praedicte
aecclesiae libeat faciendi, omnium personarum contradictione remota.
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72
wähnten Berdingerode, Schauen, Berssel und Rode noch in den teils
östlich, teils westlich von Vienenburg gelegenen Wenderode, Lüttgenrode
und Immenrode und in acht anderen, jetzt wüsten Orten 1 .
Die dem Kloster aus diesem ansehnlichen Besitz zufliessenden Ein¬
künfte mehrten sich noch, als König Heinrich II., um einen Wunsch
des von ihm verehrten Einsiedlers Wanlef zu erfüllen, bei dessen im
Schimmerwalde gelegenen Klause eine Kirche erbauen liess und die
Klause selbst in eine Propstei umwandelte. Der König bestimmte näm¬
lich, dass diese Propstei für alle Zeiten den Usenburger Äbten unter¬
stehen und nur von Ilsenburger Mönchen bewohnt werden sollte. In¬
folgedessen kamen die Einkünfte aus dem in der Nähe gelegenen Wan-
lefsrode und ein Zehnten in dem nicht mehr nachweisbaren Dimingerode,
womit Bischof Arnulf, von welchem die Kirche auf Ersuchen Heinrichs
dem heiligen Stephan geweiht worden war, die königliche Stiftung aus¬
gestattet hatte, indirekt dom Kloster zu gute 2 .
So schien der Entwicklung des Klosters nichts weiter im Wege zu
stehen. Entsprechend den günstigen materiellen Verhältnissen, in denen
1 Ygl. die citierte Urk. Arnulfs. — Nach ihr die Chronol. abb. Ilsineb. (vgl.
S. 70. Anm. 1.). — Ich vermag in der Urkunde Arnulfs keinen „Stiftungsbrief 1 *,
wie Jacobs (a. a. 0. II. Einl. S. 17) sie nennt, zu erblicken. Sie ißt lediglich zu
dem Zwecke ausgestellt worden, damit das Kloster ein Rechtsinstrument zur Ab¬
weisung etwaiger von anderer Seite erhobener Ansprüche auf seine Besitzungen
besässe. Dies geht ganz klar aus den Schlussworten hervor: „Ne autem aliquid
a futuris praesulibus vel clericis seu personis secularibus super id, quod ordinatum
eßt, ordinetur, ut videlicet eiectis monachis clerici, quod absit, intromittantur,
seu rebus a nobis sibi concessis spolientur, municipatum loco illi provi-
denteB, hec a nobis statuta auctoritate beati Petri apostolorum principis et beati
Stephani prothomartyris sub perpetuo anathematis vinculo obligamus“.
a Urk. Bischof Reinhards von Halberstadt, Wanlefsrode 9. Mai 1110. (Ilsenb.
Urk. I, 11.): Igitur beate memorie Wanlefus heremita monaebus et presbiter huius
celle fundator atque constructor extitit, eamque exstirpatis silvis primus incoluit.
Hic mundum relinquens cum perfecte ewangelico precepto et tramiti regulari se-
cundum instituta patrum inhereret, et multos ad sanctitatis religionem converteret,
adeo a nobilibus viris et feminis frequentabatur. ut eius noticia etiam ad Henri-
cum ßecundum imperatorem perveniret, et ipse eum modo per se modo per legatos
suos sepius visitaret. Cumque predictus imperator ob sanctitatis eius meritum
diligere nimium ac frequentare eum cepisset, desiderium illius intelligens, iussit eccle-
siam in honore prothomartiris Stephani in hac cella construi constructamque a venera-
bili Halberstadensis ecclesie episcopo Arnulfo, ad cuius dyocesim pertinuit, ymmo
adhuc pertinet, dedicari tradens eam ac subdens iure perpetuo regimini Hilsynne-
burgensis patris cenobii, ita dumtaxat, quatenus de eodem cenobio monachi eam
Semper possideant et hic regulariter vivant. Episcopus autem Arnulfus, tantam
imperatoris devocionem videns, dedit ad hunc locum cum Omnibus utilitatibus vicu-
lum adiacentem et in Thimingeroth unam decimacionem.
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seine Bewohner lebten, liess sich erwarten, dass es in ihm auch an
eifriger literarischer Thätigkeit nicht fehlen, und so Arnulfs Stiftung
auch in geistiger Beziehung schnell zur Blüte gelangen würde. Dennoch
kam es anders! So schnell das Kloster emporgekommen war, nicht
minder schnell verfiel es wieder. Kaum hatte nämlich Bischof Arnulf
am 7. September 1023 die Augen geschlossen, als auch schon die be¬
nachbarten weltlichen Herren, die Vögte und Untervögte des Klosters,
besonders aber die Besatzung der nahen Feste Ilsenstein dem Kloster
hart zuzusetzen begannen. Die Gelegenheit, dessen Besitzungen an sich
zu bringen, war auch günstig genug, denn weder der Kaiser noch der
Papst hatten bisher das Kloster in ihren Schutz genommen, geschweige
denn ihm seine Besitzungen bestätigt, und von den Nachfolgern Arnulfs
kümmerten sich weder Branthog noch Burchard I. um die bedrängten,
seit ca. 1019, um welche Zeit Abt Ezzilo auf den Brandenburger Bi¬
schofsstuhl berufen worden war, vom Abt Ulrich geleiteten Mönche 1 .
Kein Wunder daher, dass diese, ganz auf ihre eigene Kraft angewiesen,
fortan fleissiger zum Schwert denn zum Griffel griffen! Kein Wunder
aber auch, dass, je länger das Fehdeleben währte, umsomehr die Kloster¬
zucht sich lockerte. Die Mönche verwilderten, das Kloster verfiel. Schon
schien um die Mitte des elften Jahrhunderts sein völliger Untergang
bevorzustehen 2 , da wurde im Dezember 1059 Burchard II. Bischof von
1 Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 684): Hic abbas Ezilo postca in epi-
scopum Brandenburgensem electus est, ubi etiam mortuus, ct in maiori ecclesia se-
pultus est ... . Ezilone Brandeburgum vocato, Ulricus pro eo in abbatem eligi-
tur. — Die zu Anfang des letzteren Satzes in Leibniz’ Ausgabe stehende Datierung
,Anno Domini 1018* ist zu dem ihm vorhergehenden, auf die oft erwähnte Urk.
Arnulfs bezüglichen Satz zu ziehen. Es ist also nicht richtig, wenn Riedel (Cod.
dipl. Brandenb. I, 8. S. 66) auf Grund dieser Datierung behauptet, dass Ezilo erst
nach 1018 Bischof geworden sei. Auch irrt er sich, wenn er angiebt, Ezilo sei in
Ilsenburg beerdigt worden; die Chronol. bemerkt ausdrücklich: „ubi (sc. Brande¬
burg) etiam mortuus et in maiori ecclesia sepultus est“. — Wie lange Ezilo Bi¬
schof war, ist unbekannt. Die Gesta archiepisc. Magdeb. (MG. SS. XIV, 398),
deren Verfasser über die Succession der Brandenburger Bischöfe sehr gut unter¬
richtet ist, nennen ihn nicht, sondern bezeichnen als Nachfolger Wigos einen Lusso.
Da nach Thietmar lib. VIII. cap. 57 und dem Necrologium monasterii S. Michaelis
(Wedekind, Noten III, 4) Wigo nicht vor dem 14. Januar 1018 gestorben sein
kann, und nach den Gesta archiepisc. Magdeb. Lusso noch von Erzbischof Gero
von Magdeburg, welcher am 22. Okt. 1023 starb, geweiht wurde, so könnte Ezilo
höchstens drei Jahre Bischof gewesen sein. Riedel (a. a. 0.) vermutet, dass er
als Elect gestorben sei, eine Vermutung, welche sich mit der letztangeführten
Stelle aus der Chronol. nicht recht in Einklang bringen lässt. Vielleicht sind der
Ezilo Engelbrechts und der Lusso der Gesta ein und dieselbe Person.
* Urk. Bischof Burchards II., Goslar 25. Juli 1087 (Ilsenb. Urk. I, 8): Ilsyne-
burgense cenobium, quod pie memorie predecessor meus Amolphus episcopus, eli-
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Halberstadt. Er nahm sich endlich der Stiftung Arnulfs an. Aus dem
Würzburger Burchardskloster rief er seinen Neffen Herrand herbei und
erteilte ihm den Auftrag, die Ilsenburger Mönche zu einer nach dem
Muster derjenigen der Cluniacenser geordneten Lebensweise zurückzu¬
führen. Herrands Bemühungen hatten bald den gewünschten Erfolg:
die Klosterzucht hob sich, und gleichzeitig wuchs auch die Zahl der
Mönche J .
Um nun die Weiterentwicklung des Klosters zu sichern und jeder
Störung des klösterlichen Friedens durch fremde Einmischung in die
minatis de ipso Castro terreno regi militantibus, monachorum habitacioni in per-
petuum delegaverat et consecraverat, prediis diversis et dccimacionibus dotaverat,
post obitum eius violenta temeritate eorum, qui dicebantur advocati et subadvocati,
monastica religionc ceterisquc bonis pene omnimodis est destitutum. — Chronol.
abb. Ilsioeb. (Leibniz III, 684) : Cuius (sc. Ulrici) temporibus defunctus est prae-
dictus Arnolphus episcopus, huius monasterii fundator et patronus, anno 1023, cui
sliccessit Brancogus in episcopatum, et Brancogo Burchardus primus. Sub his
duobus episcopis monasterium Ilsineburg coepit monastica religione desolari et per
habitantes castrum dictum Ilsenstein, ac reliquos violatores ad nihilum pene re-
dactum est. — Die 1455 geschriebene sogenannte Hettlingische Sachsenchronik
(Abel a. a. 0. S. 120) bemerkt zum Jahre 1088. „De Moneke to Ilsenborch had-
den ein quat Levent der Feyde halven, se legen midde to Stride, dat se darover
uth örem Horsem weren kernen, do kemen de Bischoppe unde Fürsten der Sassen,
unde dreven se all uth dem Kloster, unde leten dat lange woyste stan“. Letztere
Notiz beruht wohl auf Misverständnis; sie dürfte auf die Befehdung des Klosters
durch die Vögte zu beziehen sein.
1 Urk. Bischof Burchards II. (vgl. die vorhergehende Anm.): Quod (sc. ceno-
bium Ilsineburgense) etiam post aliquantos annos ego Burchardus secundus, eius-
dem sancte Halberstadensis ecclesie delegatus episcopus, pro anime mee predeces-
sorum succesBorumque meorum remedio in religionem monasticam iuxta beati
Benedicti regulam, secundum ordinem dumtaxat Cluniacensem vel Fructuariensem
seu Gorziensem, annitente nepote meo Herrando abbate, cupiens reformare ad
subsidia servorum Dei ibidem Christo famulantium prediis .... augmentare curavi.
— Annalista Saxo (MG. SS. VI, 698) 1070: Prefuerat (sc. cenobio Huysburgensi)
ante ipsum (sc. Ekkehardum) aliquandiu Herrandus, quem Burchardus episcopus
Useneburgensi cenobio ad informandam, que ibi tepuerat, monachicam religionem
prefecerat. Hiernach das nach 1590 geschriebene Chronicon Huiesburgense (Meibom,
Scriptores rerum Germanicarum II, 535). — Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III,
684): . . . evocatoque nepote suo, videlicet Herrando, abbate Wurcelburgensi, prae-
dictum monasterium Ilsineburg illi ea ratione commisit, ut ibi religionem mona¬
sticam, quae penitus defecerat, iuxta regulam beati Benedicti et ordinem Clunia¬
censem renovaret. Quo facto crescente religione crevit et numerus monachorum.
— Die Behauptung Jacobs’ (a. a. 0. II. Einl. S. 24. und Allg. Deutsche Biogra¬
phie XII, 207), dass Herrand von den Mönchen zum Abt gewählt worden sei, muss
ich mit Rücksicht auf das entgegenstehende Zeugnis des Ann. Saxo als irrig zu¬
rückweisen.’ Letzterem gegenüber verdient Winnigstädt keinen Glauben.
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75
Angelegenheiten des Klosters, zumal bei den Abtswahlen, vorzubeugen,
traf Burchard am 23. April 1085 in Quedlinburg in Gegenwart des Kar¬
dinalbischofs und päpstlichen Legaten Otto von Ostia die wichtigen Be¬
stimmungen, dass das Kloster in Zukunft von jeder Abgabe befreit sein
und den Mönchen die freie Wahl des Abtes zustehen sollte 1 .
. Zwei Jahre später gewährte er ihnen auch die freie Wahl des
Vogtes und bestimmte zugleich, welche Rechte dem letzteren zustehen
sollten. Danach hatte er dreimal im Jahre, nämlich regelmässig am
Montag nach Misericordias Domini, Martini und der Epiphanienoctave,
Recht zu sprechen, und zwar an einem vom Abt vorher bestimmten
Orte und in Gegenwart entweder des Abtes oder eines Bevollmächtigten
desselben. Im Kloster selbst dagegen sollte er nur auf besondere Ein¬
ladung des Abtes und auch dann nur in Gegenwart desselben und des
gesammten Konventes richten. Als Entschädigung für seine Bemühungen
sollte er jährlich zwei Pfund Silber beanspruchen dürfen, zu welcher
Summe jede dem Kloster gehörige Hufe sechs Pfennige beizusteuern
hätte. Der Überschuss sollte nach dem freien Ermessen des Abtes
entweder dem Kloster überwiesen oder an die Steuerpflichtigen zurück¬
gezahlt werden. Ausser jener Summe sollte jedoch der Vogt noch von
den nach seinem Urteilsspruch verwirkten Geldbussen ein Dritteil em¬
pfangen: die beiden anderen Drittel standen dem Abte zu. Jede andoro
Forderung untersagte Burchard den Vögten aufs strengste; insbesondere
verbot er ihnen für den Fall, dass sie vom Kloster mit einem Kauf
1 Die betreffende Urk. (vgl. Ilsenb. Urk. I, 6) ist leider nur fragmentarisch
erhalten. Nach der Bestätigungsurkunde Papst Innocenz* II., Pisa 2. Januar 1136
(Jaffd Nr. 7751; Ilsenb. Urk. I, 18) lauteten die Bestimmungen etwa so: Ut autem
vos, fratres nostri, divinis famulatibus liberius valeatis insistere, immunitatem a
supradicto fratre nostro Burchardo episcopo monasterio vestro rationabili devotione
conceBsam vobis nichilominus confirmamus, ut videlicet neque ab Halberstadensibus
episcopis neque a quibuslibet clericis vel viris secularibus aliqua preiudicia sive
gravamina seu exactiones aliquas aliquando perferatis, nisi forte quantum vobis
spontanes volutate ipsis largiri placuerit, hospitalitatis gratia exigente. Obeunte vero
te nunc eiusdem loci abbate (sc. Lamberto), vel tuorum quolibet successorum, nullus
ibi qualibet subreptionis astutia seu violentia preponatur, nisi quem fratres com-
muni assensu vel fratrum pars consilii sanioris secundum Deum et beati Bene-
dicti regulam providerint eligendum. Electus autem iuxta Cluniacensium vel
Fructuariensium seu Gorziensium ordinem sine pravitate et exactione aliqua con-
secretur. Interim autem in describendis, providendis seu disponendis rebus mona-
sterii episcopus nullatenus se immisceat, sed tantummodo electam personam con-
grua benedictionis reverentia regiminis cura investiat. — Dazu vgl. die Urk. Bur-
chards vom 25. Juli 1087: . . . loco immunitatem providi, liberam abbatis electionem
fratribus in perpetuum confirmavi.
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76
oder Verkauf beauftragt würden, vom Käufer oder Verkäufer ein Ge¬
schenk anzunehmen 1 .
Zu derselben Zeit, zu welcher Burchard in dieser Weise die Lasten
des Klosters in jeder Weise zu verringern suchte, suchte er nach Kräften
durch Vermehrung des Grundbesitzes und der Zehnten die Einkünfte
desselben zu verbessern. Zu diesem Zwecke hatte er ihm schon am
5. Mai 1069 einen Hof nebst allem Zubehör in Aderstedt überlassen,
welchen er selbst am 20. August 1063 von König Heinrich IV. zu freier
Verfügung erhalten hatte 2 . Dazu schenkte er am 5. Mai 1086 15 1 /*
Hufen in dem unweit Ilsenburg gelegenen Abbenrode und 22 Hufen in
Aschersleben und Mehringen (a. d. Wipper), ferner südlich vom Bruch
1 Vgl. die eben citierte Urk.: Ipso quoque anno (sc. 1087), ne quid ad quie-
tem utilitatemque cenobii pertinens deesset, adiudicantibus ymmo eciam rogantibus
multis nobilibus et mediocribus, liberam advocati clectionem per signum annuli
nostri regali auctoritate pontificalique largicione abbati omnibusque succeßsoribus
eius perpetualiter contradidi, subadvocatos vero et eorum exactores omnimodis in
virtute spiritus sancti eternaliter abanathematizavi, prescripsi et constitui ius et
legem beneficii, ultra quod qui fucrit electus advocatus nichil Bibi umquam arri-
pere vel usurparc presumat, cui de concesso vel instituto nichil abbas subtrahat
aut imminuat. Erit yero huiusmodi lex et ius beneficii ter in anno, feria scilicet
secunda post Misericordia Domini, feria secunda post festum sancti Martini et
feria secunda post octayam epyphanie. Ubicumque abbas constituerit, advocatus
placitet, presente tarnen abbate seu legato ipsius. Pro harum omnium placitacio-
num ministerio duo tantum talenta in anno recipiat, nec amplius quicquam. De-
narios vero ipsoB abbas procurabit, ab unoquoque videlicet manso sex denarios
exigens. Si quid superfuerit duobus talentis, in usus ecclesie rediget aut, si vo-
luerit, remittat. Ne, si advocatus aut eius exactores requirant, forsitan plura quam
necesse sit, extorqueant, nunquam intra septa principalis loci placitet nisi invitatus
ab abbate, ipso tarnen cum sibi fidelibus presente. Hospicia in territoriis nullo
omnino nec pensiones nec munera exigat, ne, ut dicitur, in alienam messem mittat
falcem suam. De omnibus que sibi vadiata fuerint, duas partes abbatis potestati
resignabit, terciam suis suorumque usibus licenter reservabit. Nichil ab hominibus
ecclesie preter voluntatem abbatis exigat. In empcionibus, vendicionibus, redem-
pcionibuB agrorum, silvarum seu quarumlibet ecclesiasticarum posscssionum nichil
muneris vel a vendentibus vel ab ementibus requirat, ....
2 Urk. Heinrichs IV., Erlangen 20. August 1063 (Stumpf Nr. 2629, wo aber
irrig der 30, Aug. angegeben ist; Ilsenb. Urk. I, 4): .. ob iuge ac devotum ser-
vitium dilecti nostri Burchardi Halberstatensis episcopi predium quoddam, videlicet
villam Aderstede dictam in pago Suevio nuncupato, in comitatu vero Adalberti
comitis sitam, cum omnibus appenditiis suis,.. ad sanctam Halberstatensem
ecclesiam in honorem sancti Stephani prothomartiris consecratam in perpetuum
dedimus atque tradidimus, ea scilicet ratione, ut pracdictus episcopus Burchardus
Buique successores de praefato praedio liberam dehinc potestatem habeant tenendi,
dandi, commutandi, precariandi vel quiequid eis pro usu sue ecclesie placuerit
inde faciendi. — Hiernach die Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 684), jedoch mit
dem Zusatz: Quod statim idem episcopus 3. Nonas Maü anno 1069 in Quedelin-
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9 Hufen in Bexheim, Badersleben und Anderbeck, und nördlich des¬
selben 21 Hufen in Ingeleben, Schöppenstedt und Ausleben, dann öst¬
lich vom letzteren Orte 3 Hufen in Domersleben (bei Wanzleben) und
Peseckendorf (bei Oscliersleben), endlich 5 Hufen in Rottmersleben (im
heutigen Kreise Neuhaldensleben?) und ebensoviele in dem seiner Lage
nach nicht mehr mit Sicherheit zu bestimmenden Swyterestorpe. Dem
fügte er die Zehnten in den nahen Orten Drübeck, Altenrode und Dar-
lingerode, den am Bruch gelegenen Rohrsheim und Ingeleben, und den
jetzt wüsten Ballersleben, Gunderaderode, Ezzerdigerode und Urslehen
hinzu *.
Und noch in einer andern Beziehung liess er den Mönchen seine
Fürsorge angedeihen. Da er im Jahre 1078 die von Arnulf erbaute
Kirche hatte abbrechen und einen Neubau, dessen Kosten er selbst be¬
stritt, in Angriff nehmen lassen, so erteilte er den Mönchen, um ihnen
während der Dauer des Baues die Vornahme gottesdienstlicher Hand¬
lungen zu ermöglichen, die von seiner Erlaubnis 2 abhängende Befugnis,
in den zum Kloster gehörigen Pfarrkirchen zu predigen, ein Recht,
welches er ihnen auch dann noch liess, als die Klosterkirche vollendet
und am 5. Juni 1087 von ihm unter Assistenz der Bischöfe Werner
von Merseburg und Hartwich von Verden geweiht worden war 3 .
burch cum Omnibus appendiciis suis, monasterio Ilsineburgensi contradens, banni
sui et privilegii auctoritate confirmavit. Dazu vgl. die Urk. Burchards, Quedlin¬
burg 5. Mai 1086 (Ilsenb. Urk. I, 7.): Dedi enim Aderstede curtim cum omnibus
appendiciis suis, cuius eciam privilegium a domino Heynrico quarto rege acquisi¬
tum ipsi loco contuli.
1 Vgl. die letztcitierte Urk. Burchards. — Das hier erwähnte Ezzerdigerode
kann nicht mit dem Eziggerode der Urk. Arnulfs vom 6. April 1018 identisch
sein, wie Jacobs annimmt; denn in der schon erwähnten Bestätigungsurkunde In-
nocenz’ II. werden beide Orte getrennt erwähnt und dieser ,Ecarziggerode‘, jener
,Ezerdiggerode‘ genannt.
* Vgl. Hinschius, Kirchenrecht. Bd. IV. S. 450 ff., besonders S. 452. Anm. 4.
3 Urk. Burchards vom 25. Juli 1087 (s. o.): in parrochiali ecclesia Aderstede
seu eciam in omnibus parrochialibus ecclesiis sub iure proprietateque monasterii
constrictis per presbiteros monachos divina populis officia celebrari iuxta decreta
apostolica Leonis, Gregorii, Agapiti, Bonifacii constitui, in ipso cenobio ecclesiam
novam et ampliorem de meis sumptibus edificans anno Domini 87 Nonas Junii
dedicavi. — Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 684): Fecit itaque idem episcopus
antiquum templum destrui atque amplius in eodem loco construi, quod annis novem
perfecit, et adiuvantibus Wernero Merseburgensi et Hardewico Fardunensi epi-
scopis Nonis Juniis in honorem Petri et Pauli apostolorum consecravit anno Domini
1087. — Aus diesen beiden Stellen folgert Jacobs (a. a. 0. II. Einl. S. 25 und
Allg. Deutsche Biographie XII, 207), dass Burchard das ganze Kloster habe nieder-
reissen und wieder aufbauen lassen, und dass die Bischöfe von Merseburg und
Verden ihm dabei behilflich gewesen seien! Kein Wunder daher, dass er in der
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Halten wir hier einen Augenblick inne, um zu sehen, inwiefern
sich das Gesagte für unsere Zwecke verwerten lässt! Ich habe schon
oben einen Bericht der Pöhlder Chronik über ein Wunder erwähnt,
welches im Jahre 1150 an einer von einer Aschersiebener Bäuerin ge¬
nommenen Hostie geschehen sein soll. Die Ausführlichkeit, mit welcher
der Pöhlder dies zu erzählen vermag, legt die Vermutung nahe, dass
sein Gewährsmann Verbindungen mit Aschersleben unterhielt, durch
welche es ihm ermöglicht wurde, von dortigen Vorgängen genaue Kunde
zu erhalten, oder aber, was auch möglich wäre, dass derselbe bei der
feierlichen Übertragung der Hostie nach Halberstadt zugegen war. Er¬
wägt man nun, dass, wie oben bemerkt wurde, das Kloster Ilsenburg
in Aschersleben begütert war, seine Bewohner also für Aschersiebener
Lokalereignisse sich gewiss interessierten, dazu auch das Kloster in
enger Verbindung mit Halberstadt stand, so hat die Vermutung gewiss
manches für sich, dass Ilsenburg der Ort war, an welchem die Erzäh¬
lung des Pöhlders zuerst niedergeschrieben wurde, und dass vielleicht
gar jene Bäuerin zu den Hörigen des Klosters gehörte.
In einem anderen Berichte (1140) erwies sich der Chronist als gut
unterrichtet über die Grafen Siegfried und Baderich von Mehringen.
Auch dieser immerhin etwas auffällige Umstand findet seine Erklärung,
sobald man annimmt, dass die Nachrichten aus Ilsenburg stammen.
Denn da dieses Kloster in Mehringen Besitzungen hatte, so konnte es
kaum ausbleiben, dass die Mitglieder der Mehringer Grafenfamilie in
der einen oder in der andern Weise zu ihm in Beziehung traten. Die
Anteilnahme der Mönche an dem Schicksal derselben war daher nur
natürlich.
In einer dritten Stelle endlich rühmt die Pöhlder Chronik (1149)
vom Bischof Rudolf von Halberstadt, dass er die ,via trans paludem
pene depravata* habe erneuern lassen. Auch diese Notiz verrät Ilsen-
burger Ursprung. Man braucht nur einen Blick auf die Schenkungen
Arnulfs und Burchards II. zu werfen, um zu erkennen, dass die Ilsen-
burger allen Grund hatten, die gute Beschaffenheit des durch den Bruch
führenden Weges zu wünschen; denn von den ihnen von beiden Bischöfen
überwiesenen Ländereien lagen nicht weniger denn 31 1 / 2 Hufen jenseits
des Bruchs.
doch offenbar bildlich zu verstehenden Stelle der Gesta episc. Haiberst. (MG. SS.
XXIII, 100) Jlseneburgense etiam monasterium, quod ipse ut fidelis architectus
prudenter exstruxit et devotus incoluit, uberrime in omnibus dotavit et pro posse
ditavit* die Worte ,fidelis architectus* auf Burchards Thätigkeit beim Klosterbau
bezieht!! — Über die Kirche vgl. Niemeyer in den Mitteilungen des Thüring.-
SächB. Vereins IV, 2. S. 133. 134.
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Während nun — um wieder auf die Klostergeschichte zurückzu¬
kommen — Burchard das Kloster nach aussen zu erweitern und alles
zu beseitigen trachtete, was irgend geeignet war, seine Entwicklung zu
hemmen, war Herrand unermüdlich thätig, es auch innerlich, d. i. in
geistiger Beziehung zu heben. Uber seine erfolgreichen Bemühungen
berichtet Winnigstädt 1 Folgendes: „Herrandus ist auch ein frommer,
gottsfürchtiger und wolgelahrter Mann gewesen, der das Kloster Ilsen-
burg durch seine Lehre und Kunst sehr herlich und nichtig gemacht,
so, dass viel feine Leute ihre Kinder dahin der Lehre und Zucht wegen
gethan, und diesem feinen und gelahrten Mann sie unter die Ruthe be¬
fohlen. Denn er erst da Scholasticus oder Schulmeister gewesen, dar¬
nach ist er zum Abt erkohren und gesetzt, und hat da erst eine rechte
Schule von allerley freyen Künsten angerichtet, auch gelahrte Männer
zu sich gezogen und erhalten. Er hat auch mit sonderlichem Fleiss
und Fürsichtigkeit eine herliche Bibliothec oder Liberey von allerhand
Büchern daselbst zu Ilsenburg mit grossen Kosten zugerichtet, die auch
mehrentheils daselbst bis zum Münsterschen Bauren-Kriege geblieben,
da leider die meiste und beste alte Bücher zerstreut, zerrissen und
umkommen sind, sonderlich was von alten Historien gewesen,..
dann er fleissig in seinem Schreiben gewesen, die alte Historien und
Geschichte zu verfassen,.“ So Winnigstädt! Im allgemeinen wer¬
den seine Angaben zutreffen*. Es ist zwar nur wenig, was aus jener
Zeit, sei es vollständig, sei es in Bruchstücken, auf uns gekommen ist,
aber dieses wenige lässt doch schon darauf schliessen, dass, so lange
Herrand und sein Nachfolger Otto dem Kloster vorstanden, in diesem
in der That rege literarische Thätigkeit geherrscht hat. Damals viel¬
leicht schrieb der Mönch Rochus die Biographie des Bischofs Haimo
von Halberstadt (840—853), von welcher eine Hannoveraner Handschrift
noch ein winziges Bruchstück enthält 3 . Herrand selbst verfasste einen
1 a. a. 0. (Abel S. 300. 301).
* Winnigstädt hat manches jetzt nicht mehr vorhandene Werk benutzen
können. Er selbst sagt in der Vorrede zum Chron. Haiberst. (Abel S. 253): „Ich
habe . . . vor Zeiten, da ich die Klöster visitiren half, für dem Aufruhr der Bauren,
viel Liebereyen in vielen Klöstern durchgeseheu, nicht allein im Halberstädtschen,
sondern auch im Magdeburgischen und Hildesheimischen BischofFthum, habe aber
sonderlich nichts gantzes gefunden, ohne was Martinus de Corbeia, und Herrandus
zu Ilsenburg, davon in ihren Chronicken geschrieben und nachgelassen hatten, das
ander ist alle stücklich gewesen, habe es auch müssen stücklich zu hauffe bringen,
aus viel alten Chroniken und Anzeigungen der Alten, so hin und her es verzeich¬
net hatten, in mancherley Registern und Büchern, die auch zum theil so alt
waren, dass man sie kaum lesen kunte“.
a Vgl. Waitz im Archiv XI, 285, und Wattenbach, a. a. 0. I, 322.
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ausführlichen Bericht über die Ermordung seines Oheims, des Bischofs
Burchard, und 1095 auf Bitten des befreundeten Landgrafen Ludwig
von Thüringen die Antwort auf ein Schreiben des kaiserlich gesinnten
Bischofs Walram von Naumburg, in welchem dieser den Landgrafen
zum Obertritt zur Partei Heinrichs IV. aufgefordert hatte. Jenen hat
im Urtext der Annalista Saxo 1 und in deutscher Übersetzung Winnig-
städt 2 , diese der Disibodenberger Annalist 3 aufbewahrt. Auch zeichnete
Herrand die Gedächtnispredigt auf, welche er seinem Oheim Burchard
gehalten hatte; sie war noch zu Winnigstädts Zeiten vorhanden, denn
dieser 4 bemerkt über sie: „Man findet desgleichen von ihm (sc. Bur¬
chard) einen feinen Sermon, Lateinisch gemacht und gepredigt durch
Herrandum oder Stephanum, der erstlich Abt zu Ilsenburg gewesen,
darnach der 14te Bischof zu Halberstadt geworden, geht also an: quia
abundante iniquitate caritatem multorum nostris potissimum temporibus
videmur refrigescere “ Und wahrscheinlich ist, wenn auch nicht von
Herrand selbst 5 , so doch auf seine Veranlassung um das Jahr 1096 in
Ilsenburg auch eine noch in Ekkehards Chronik und in den Rosenfelder
und Disibodenberger Annalen kenntliche Schrift verfasst worden, in
welcher, mit Zugrundelegung eines vermutlich die Jahre 1073 bis 1095
umfassenden Bruchstückes der Würzburger Burchardsannalen, die Kämpfe
der Sachsen mit Heinrich IV. vom gregorianischen Standpunkte aus ge¬
schildert wurden 6 .
Es konnte nicht ausbleiben, dass, je schneller das Kloster unter
Herrands umsichtiger Leitung und derjenigen seines Nachfolgers auf¬
blühte, um so schneller und um so weiter sich auch der Ruf des Ilsen-
burger Klosterlebens verbreitete. Die Folge war, dass in zu reformie¬
renden Klöstern von den Reformatoren mit Vorliebe die bewährte Ilsen-
burger Klosterordnung eingeführt wurde. So besetzte Herrand, nachdem
er schon im Jahre 1089 dem Landgrafen Ludwig von Thüringen, wel¬
cher seine Mitschuld an der Ermordung des Pfalzgrafen Friedrich von
Goseck durch fromme Werke zu sühnen gedachte, zur Stiftung des Klo-
1 MG. SS. VI, 724 ff.
* a. a. 0. (Abel S. 289-295). Vgl. Wattenbach, a. a. 0. II, 75.
8 MG. SS. XVII, 10 ff Vgl. Wattenbach, a. a. 0. II, 76.
4 a. a. 0.. (Abei S. 295).
Ä Nach Leuckfeld (Antiquitates Walckenredenses. Leipzig und Nordhausen
1705. S. 222) soll freilich eine von Herrand verfasste Chronik Anfang des vorigen
Jahrhunderts noch vorhanden gewesen seien.
6 Über diese verlorene Schrift gedenke ich an anderer Stelle ausführlicher
zu handeln.
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sters Reinhardsbrunn geraten 1 , im Jahre 1096 auf die Bitte seiner
Nichte Adelsindis, der Gemahlin des Grafen Otto von Eilsdorf, und
ihrer Söhne Widukind, Bodo, Günzel und Bernhard, die verwilderte
Propstei Hillersleben mit Ilsenburger Mönchen, deren Leitung er dem
Ilsenburger Prior Alberich anvertraute 8 . Und wenige Jahre später war
1 Annales Reinhardsbrunnenses (Wegele, Thüring. Geschichtsquellen I, 15.
16) 1084: Dispositis rebus bene, filiis et filiabus nuptui traditis, Ludewicus comes
de sue anime salute salubriter deliberavit et effectui mancipare satagens, instinctu
divino ut credimus tactus, cogitavit secum atque disposuit elemosinis quantum
posset redimere peccata sua et de mammona iniquitatis vel rebus transitoriis sibi
concessis facere sibi amicos pauperes Christi, quatenus ipse ex hoc felici com-
mercio reciperetur quandoque in eterna tabemacula. Cuius voluntatis et devotionis
bonum Deus ex alto prospectans, qui novit excedere vota hominum, prius quidem
aspirando preveniens, quem et postmodum adiuvando persecutus est, per sue coope-
rationis adminiculum tandem perduxit usque ad effectum. Viros itaque industrios,
Errandum religiosum et iustum monachum in Hylsenburg, postea Halbirstadensem
episcopum et a papa Stephanum cognominatum, et Gyselbertum, pluribus abbatiis
preeminentem, devotissime vocavit et iis sue archana confessionis aperuit, se in
Omnibus eis obediturum promittens, ita ut impositam ab ipsis sententiam humiliter
exciperet et in eorum consiliis in nullo rerum argumento omnino deesset. Qui ut
erant viri sagacis ingenii, agnito attrito corde eius secreto sanum ut post apparuit
comiti dedere consilium, scilicet ut in aliquo loco memoriam Dei genitricis et vir-
ginis Mariae sanctique Johannis Evangeliste festine statueret atque inibi reguläre
monasterium ad ventilandum iugiter solempnia votorum tripudia erigeret seque
renuntians omnibus secularibus monachum futurum promitteret. Qui sanissimis
acquiescens consiliis cepit diligentius perquirere, ubi potissimum posset locum
monachiB aptum et monasterio congruum invenire. — Jacobs (a. a. 0. II. Einl.
S. 30) meint, bei der Stiftung von Reinhardsbrunn sei neben Herrand besonders
„ein Bruder Eonrad aus Ilsenburg“ th&tig gewesen; er beruft sich auf folgende
Stelle in der Thuringia sacra (Francofurti 1737. S. 174): ,Tandem Ludovicus monitu
uxoris (Adelheidia) et suasione Conradi monachi de Hiltzenburg et primi Halber-
stadensis episcopi Gyselberti coepit diligentius perquirere, ubi locum aptum mo¬
nachiB et pro monasterio aptum invenire posset*. Jacobs übersieht jedoch, dass
diese Stelle aus den Reinhardsbrunner Annalen abgeschrieben und stark verderbt
ist; für Conradus ist Herrandus zu lesen.
* Urk. Herrands, Ilsenburg 5. Juni 1096. (Urkundenbuch des Hochstifts Hal¬
berstadt, hrsg. von G. Schmidt. Bd. I. Leipzig 1883. S. 81): Notum sit omnibus
tarn presentis quam futuri temporis fidelibus, qualiter cenobium Hildeslevense in
monasticam religionem iuxta beati Benedicti regulam in perpetuum fuerit conse-
cratum. Ego denique Herrandus Dei ordinatione ac domini Urbani pape consecra-
tione Halberstadensis ecclesie delegatus episcopus petitione Adelsindis neptis mee
filiique eius Widecbini, clericis inde eliminatis, monachos, quos in Hilsineburgensi
cenobio religiosiores repperi, collocavi prioremque de eodem claustro Alvericum
nomine eis preposui. — In einer zweiten Ausfertigung, dat. Hillersleben 5. Juni
1096, werden als Petenten noch Widukinds Brüder Bodo und Günzel, und in einer
Urk. des Bischofs Reinhard von Halberstadt, Hillersleben 10. August 1109 (Haiberst.
Urk. I, 96) noch ein dritter Bruder Bernhard genannt. — Alberich wurde 1096
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er, wie wir noch sehen werden, bei der Umwandlung der Propstei Rosen¬
feld in eine Benediktinerabtei beteiligt.
Lange sollte indes diese Blütezeit des Klosters nicht dauern! Seit
der Weihe der Klosterkirche waren noch nicht zwei Jahre verflossen,
als die Zwietracht, welche allerwärts im Reiche herrschte, auch auf das
Leben der Ilsenburger Mönche, welche, wie es scheint, von ihr bisher
wenig berührt worden waren, ihre Schatten zu werfen begann.
Am 6. April 1088 war nämlich Bischof Burchard in Ilsenburg an
einer Wunde, welche er Tags zuvor in Goslar bei einem auf Anstiften
des kaiserlich gesinnten Markgrafen Ekbert von Meissen erfolgten Über¬
fall erhalten hatte, verschieden 1 . Sein Nachfolger wurde am 26. Januar
1089 der Diakon Thietmar. Als dieser schon nach 16 Tagen — an¬
geblich durch Gift — starb, kam es zu einer zwiespältigen Wahl: eine
Partei wählte einen gewissen Thietmar aus der Familie der Grafen von
Supplinburg, einen Oheim des späteren Kaisers Lothar III., eine andere
aber, an deren Spitze wahrscheinlich der Dompropst Gerhard, der Dom-
scholaster Richard und der Domherr Wiren standen 2 , den Ilsenburger
Abt Herrand. Thietmar starb jedoch bald, ohne die Weihe empfangen
zu haben. Darauf wählte die Gegenpartei einen gewissen Friedrich 5 .
nicht Abt, wie Jacobs (a. a. 0. II. Einl. S. 31) angiebt, sondern Propst. Die Um¬
wandlung der Propstei in eine Abtei erfolgte erst 1109. (Vgl. obige Urk. Rein¬
hards, sowie Ann. Saxo, Ann. Magdeb. und die Gesta abb. Bergensium [hrsg. v.
H. Holstein. Leipzig 1871] zum Jahre 1110).
1 Vgl. Giesebrecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit Bd. III. 4. Aufl.
S. 625. 626.
* Diese drei Geistlichen sind wenigstens die einzigen auB Halberstadt, welche
in den von Herrand in seiner Eigenschaft als Bischof von Halberstadt ausgestellten
Urkunden erwähnt werden. Vgl. Haiberst. Urk. I. Nr. 118 und 119.
3 Ann. Saxo (MG. SS. VI, 733) 1100: Post obitum Burchardi secundi 18 anni
computantur usque ad electionem Reinhardi. Quo tempore Thietmarus dia-
conus et Herrandus abbas canonice electi, pauco tempore prefuerunt; quorum
prior statim veneno interemptus occubuit, alter ab hereticis expulsus est, et alter
Thietmarus, patruns sei licet Lotharn inperatoris, ab ipsis est episcopus constitutus.
Quo sine consecratione defuncto, Fridericum pro illo substituerunt, vivente adhuc
Herrando episcopo; sieque per tot annos eclesia ab hereticis et scismaticis mul-
tipliciter est vexata. — Teilweise falsch berichten die Gesta episc. Haiberst. (MG.
SS. XXIII, 101): Anno igitur Domini 1088 tarn pio presule tarn crudeliter sublato
a medio, Halberstadensis ecclesia domnum Thitmarum, cognomine Parvum, ordine
dyaconum, virum bonum et iustum, canonica electione elegit in episcopum. Qui
mundissimis precibus obtinuit apud Deum, ut, si sue non foret ecclesie profuturus,
vitam suam intercipi mereretur; unde occulto Dei iuditio fuit exauditns. Nam ab
electione sua die 16. ab hoc seculo est ereptus. Dicunt tarnen quidam, quod veneno
sibi dato vitam finivit. Mortuus est autem 4. Idus Februarii.inter electores
pernitiosa dissensio est exorta, ecclesia in tres partes divisa, quarum quelibet suam
elegit episcopum, una parte quendam Thitmarum et alia parte quendam Frederi-
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Obwohl mm Herrand zweifellos von Ilsenburg ans kräftig unterstützt
wurde, und obwohl ihn am 29. Januar 1094 in Rom, wohin er sich, da
er von den durchweg kaiserlich gesinnten Bischöfen der Mainzer Erz-
diöcese die Weihe nicht erlangen konnte oder — als Gregorianer —
vielleicht auch nicht erlangen mochte, wahrscheinlich im Winter 1093
begeben hatte, Papst Urban II. anerkannte und weihte S auch in einem
cum eligentibus; a saniori parte domnus Herrandus IlseneburgenBis abbas, vir re-
ligiosus et pacificuB, annuente Domino est electus, cuius etiam religionem pars
adversa qualibet iniuria sauciavit. Hunc etiam regnante Henrico IV. domnus papa
Urbanus II. rite Halberstadensis ecclesie in episcopum consecravit, .... Super-
positi vero supranominati, ne ulterius matrem suam Halberstadensem ecclesiam
ceca ambitione vexarent, talem finem disponente Domino sunt sortiti. Domno
enim Herrando revertente, ut dictum est, a domno papa, Thitmarus occulto Dei
iuditio casu a gradu quodam corruens, confracto corpore expiravit. Fredericus
vero a domno papa Paschali depositus, ut peccata sua lueret, ad sepulchrum Do¬
mini proficiscens transfretavit, indeque taudem reversus, Halberstat vitam finivit. —
Hiernach die Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 685). — Die Ursachen dieser zwie¬
spältigen Wahl sind noch nicht ermittelt Jüngst hat Bonin (Die Besetzung der
deutschen Bistümer in den letzten 30 Jahren Heinrichs IV. 1077 — 1105. Leip¬
ziger Diss. 1889. S. 33 ff.) die Ansicht geäussert, dass lokale oder persönliche In¬
teressen im Spiele gewesen seien, mithin eine Einwirkung Heinrichs IV. nicht
stattgefunden habe. Letzteres ist richtig, da — was Bonin entgangen ist —
Heinrich damals noch an dem von ihm im Jahre 1085 aufgestellten Gegenbischof
Hamezo festhielt, wie aus einer von ihm am 1. Februar 1089 in Regensburg aus¬
gestellten Urkunde (Stumpf Nr. 2893; van Mieris, Groot Charterboek der Graaven
van Holland. I, 73) hervorgeht. Hier wird als Teilnehmer an dem im Sommer
1088 in Quedlinburg gehaltenen Fürstengericht über Ekbert von Meissen ,Hemezo
Halverstadensis episcopus 4 genannt. Ich vermute, dass ein Teil des Halberstädter
Klerus der fortwährenden Opposition gegen den Kaiser, welche bekanntlich be¬
sonders Burchard II. genährt hatte, müde war, während der andere Teil die Fort¬
setzung des Kampfes wünschte. Jener konnte daher der Wahl von Burchards
Neffen, von welchem mit Bestimmtheit zu erwarten war, dass er in seines Oheims
Fussstapfen treten würde, nicht zustimmen, und andererseits konnte er, als trotz
seiner Abneigung gegen Herrand doch päpstlich gesinnt, auch nicht geneigt sein,
dem kaiserlichen Gegenbischof seine Stimme zu geben, zumal vorauszusehen war,
dass diesem eine Politik des Friedens ebenso fern liegen würde als Herrand. Dass
Herrand, und nicht sein Rival Friedrich die päpstliche Anerkennung erhielt, kann
im Hinblick darauf, dass er zu jener Zeit der einzige unter den sächsischen Bi¬
schöfen war, welcher an den gregorianischen Ideen festhielt, nicht Wunder nehmen.
1 Schreiben Urbans II. an den Erzbischof von Magdeburg und den Bischof
von Verden, Rom 6. Februar 1094 (Jaffö Nr. 5505; Haiberst. Urk. I, 80): respexit
tarnen populum suum miserationis superne dignatio, cum eundem electum ad
sanctorum apostolorum limina et ad nostram presen tiam adduxit, et quia in metro-
politana Moguntine ecclesie sede pro tanta scismaticorum terapestate ordinari non
poterat, eum in ipsa catholicorum omniura matris Romane ecclesie sede consecrari
concessit. Cum enim venisset ad nos, quibus licet indignis apostolorum principis
vice ac loco cunctarum per orbem ecclesiarum cura ac dispositio ccrnitur im-
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Breve die sächsischen Bischöfe und Äbte, insbesondere aber den Erz¬
bischof Hartwich von Magdeburg und den Bischof Hartwich von Verden
ersuchte, den Gegenbischof zu vertreiben 1 , und in einem zweiten der
Geistlichkeit und dem Volke in Halberstadt den gemessenen Befehl er¬
teilte, den von ihm geweihten Bischof aufzunehmen 8 , so gelangte er
dennoch nie in den Vollbesitz seiner bischöflichen Würde. Denn die
sächsische Geistlichkeit war bereits teils offen, teils heimlich zur kaiser¬
lichen Partei übergetreten 8 und daher nicht geneigt, einem Gregorianer
zum Halberstädter Bischofsstuhl zu verhelfen; in Halberstadt selbst aber
hatte Friedrichs Partei entschieden die Oberhand und liess sich durch
Urbans Schreiben in keiner Weise einschüchtern. So blieb Herrand
nichts anderes übrig, als seinen Aufenthalt ausserhalb Haiberstadts zu
nehmen, um abzuwarten, ob sich die Verhältnisse allmählich für ihn
günstiger gestalten würden. Er blieb vorläufig in Ilsenburg, hier nach
wie vor auf die Hebung des Klosters bedacht. Am 5. Juni 1096 ge¬
nehmigte er hier, dass die Halberstädter Ministerialen Lothar und Iso,
zwei Brüder, die Zehnten in Danstedt und Lochten, welche sie vom
Bistum zu Lehen trugen, und ausserdem Lothar eine Hufe und einen
Weinberg in Aspenstedt, Iso eine Hufe in Danstedt den Ilsenburger
Mönchen überliessen 4 .
minere. ipsius electionem iustam atque canonicam cognoscentes presentisque tem-
poris necessitatem considerantes, communicato confratrum nostrorum episcoporum
et cardinalium ac nobilium Romanorum consilio, eum annuente Domino consecra-
vimus. — Vgl. auch Urbans Schreiben an das sächsische Volk, Rom 6. Februar
1094. (Jaffö Nr. 5506; Haiberst. Urk. I, 77) und die Gesta episc. Haiberst, (vgl. die
vorige Anm.). — Die Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 685) setzt Herrands Weihe
irrtümlich in das Jahr 1090.
1 In dem eben citierten Schreiben: Hunc itaque nostri laboris socium cum
litterarum presentium commendatione remittimus, obsecrantes pro Christo atque
precipientes, ut ad evellendas agri dominici sentes communi consilio et auxilio
insudetis.
a Schreiben Urbans II. an Klerus und Volk in Halberstadt, Rom 6. Februar
1094 (Jaffö Nr. 5507; Haiberst. Urk. I, 78). Darin heisst es u. a.: vos itaque, an-
tique fidei et obedientie memores, tanto eum devotius aiacriusque suscipite, quan-
to amplius vos vestre salutis et fidei vestre apostolice ecclesie debitores esse co-
gnoscitis. . . . Qui vero huic nostre constitutioni obviam ire temptaverit, clericos
quidem a clericatus officio removemus, laicis autem gratie apostolice consortium
interdicimus.
8 Vgl. Giesebrecht. a. a. 0. III, 658.
4 Urk. Herrands, Ilsenburg 5. Juni 1096. (llsenb. Urk. I, 10): Petitione etenim
Liuderi, cuiusdam ecclesie Halberstadensis ministerialis, decimationem in Dan-
nenstede, Isonis quoque eiusdem Liuderi germani rogatu decimationem in Suth
Lochtenheim, quas primo pater eorum nomine Etilo, postmodum vero predicti
fratres germani a predecessoribus meis, scilicet Burchardo primo ac secundo Bur-
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Doch währte Herrands Aufenthalt in Ilsenburg nicht lange! Im
Jahre 1100 glaubte nämlich sein Gegner Friedrich endlich die Zeit ge¬
kommen, um gegen ihn den letzten vernichtenden Schlag zu Führen.
Da er wusste, dass sich Herrand, sobald ihm sein Rückhalt an Ilsen¬
burg entzogen würde, nicht würde halten können, so stellte er die
Mönche vor die Alternative, entweder sich ihm zu unterwerfen oder
das Kloster zu verlassen. Sie wählten das letztere und zogen im ge- •
nannten Jahre die Elbe abwärts in die Grafschaft Stade, wo ihnen
Markgraf Udo III. das Kloster Rosenfeld, aus welchem wahrscheinlich
schon vorher auf Herrands Rat die verwilderten Kleriker entfernt wor¬
den waren 1 , übergab 2 .
Herrand zog sich in das Kloster Reinhardsbrunn zurück 8 , der bis¬
herige Ilsenburger Abt Otto aber unternahm eine Pilgerfahrt nach Jeru¬
salem, auf welcher er in Adrianopel starb; er wurde am 17. Dezember
1100 in der Marienkirche zu Bari beigesetzt 4 .
chardo, beneficio optiimerant, contradidi. Ipse vero Liuderus mansum unum vi-
neamque unam in Espenstede sitam, Iso autem mansum unum in Danstade pro
remedio anime sue ipsi loco contulerunt.
1 Ich vermute, dass der Entschluss dazu im Jahre 1096 gefasst wurde, da
damals Markgraf Udo und Landgraf Ludwig (von Thüringen) in Ilsenburg waren.
(Vgl. Ilsenb. Urk. I, 10). — Über die Umwandlung berichtet der Ann. Saxo (MG.
SS. VI, 724) 1087: Heinricus marchio de Stadhe, filius Udonis, defunctus est sine
filiis, et factus est marchio frater eius Liutgerus cognomento Udo. Hic dedit
comitatum suum Stadhe Friderico, quem habuit quadraginta annis. Iste Udo et
mater eius Oda et frater eius Rodolfus et maritus sororis ipsorum Fridericus comes
palatinus de Putelendorp, consilio Herrandi Halberstadensis episcopi et aliorum
religiosorum virorum expulerunt clericos de loco sue constructionis Herseveld et
posuerunt illic monachos. Sic, que erat prepositura, facta est deinceps abbacia.
Vgl. auch die folgende Anm.
* Ann. Rosenv. (MG. SS. XVI, 102) 1100: Congregacio Hilsinburgensium mo-
nachorum Frederico Halberstadensi invasori et excommunicato subdi et obedire
recusans, hac de causa ab ipso coacta est claustrum suum egredi. — Ann. Saxo
(MG. SS. VI, 735) 1101: Congregatio monachorum in Rossenvelde cepit institui, et
expulsis inde clericis Werinherus primus ibi abbas electus est. Quod scilicet
monasterium libertati concessum a marchione Udone et matre ipsius et fratre et
marito sororis ipsorum datum est Rome sancto Petro. Vgl. ebendenselben zum
Jahre 1100, und Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 72), Ann. Magdeb. (MG. SS. XVI, 180)
und die Sächsische Weltchronik (Deutsche Chroniken II, 182) zu den Jahren 1100
und 1101.
8 Er starb am 23. Okt. 1102. Vgl. Ann. Rosenv. (MG. SS. XVI, 102), Chron.
Palid. (MG. SS. XVI, 72) und die Sächs. Weltchr. (Deutsche Chroniken II, 182);
auch die GeBta episc. Haiberst. (MG. SS. XXIII, 101) und die Chronol. abb. Ilsineb.
(Leibniz HI, 685).
4 Ann. Rosenv. (MG. SS. XVI, 102) 1100: Otto eiusdem coDgregacionis abbas,
Jherosolimam causa Christi petens, Antrinopolira feliciter migravit a seculo 17. Kal.
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Sollten sich nun in der Pöhlder Chronik Nachrichten über die Fa¬
milien der Stifter bez. Reformatoren der drei Klöster Reinhardsbrunn,
Hillersleben und Rosenfeld finden, so würden wir im Hinblick auf die
eben auseinandergesetzten Beziehungen Ilsenburgs zu diesen Klöstern
darin einen weiteren Beweis dafür erblicken dürfen, dass dem Verfasser
der Chronik am letzteren Orte entstandene Annalen Vorlagen. Und
wirklich ist dies der Fall! Denn 1124 erwähnt die Chronik den Tod
des Landgrafen Ludwig von Thüringen, des Stifters von Reinhardsbrunn,
zusammen mit demjenigen des Grafen Wiprecht von Groitsch 1 , welcher
im Jahre 1091 das Kloster Pegau gegründet und 1092 mit Benedik¬
tinern aus Schwarzach besetzt hatte 8 . 1154 meldet sie aus Hillersleben
den Tod des Grafen Otto und seines Bruders Dietrich, zweier Enkel
der erwähnten Gräfin Adelsindis von Eilsdorf, der Nichte Herrands, von
denen jener nach dem Tode seines Vaters, des Grafen Milo von Am-
mensleben 5 , die Vogtei über Hillersleben erhalten hatte, dieser Domherr
in Magdeburg war 4 . Besonders gut aber ist der Verfasser über die
Familie der Grafen von Stade unterrichtet. Er kennt das Todesjahr
(1130) des Markgrafen Udo IV. 5 und dasjenige (1144) seines Bruders
Rudolf, ja er weiss sogar, dass letzterer an demselben Tage (15. März)
erschlagen wurde, an welchem 14 Jahre vorher Udo in einem Gefecht
Januarii, sepultus aput monasterium sancte Marie Dei genitricis. — Vgl. Ann. Saxo
(MG. SS. VI, 733), Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 72) und die Sächs. Weltchr. (Dtsch.
Chr. II, 182) zum Jahre 1100. — Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 685): Hiero-
solymam eausa Christi petens venit Antirnopolim, et ibi mortuus, et in civitate
Bara ad sanctam Mariam sepultus est anno Domini 1100 (16. Calend. Januarii).
— Mit Recht weist Jacobs (a. a. 0. II. Einl. S. 24. Note 7) die Behauptung Schums
(a. a. 0. S. 95. 96) zurück, dass der Zusatz ,in civitate Bara‘ aus den Ilsenburger
Annalen stamme, und nimmt ihn für ein von Engelbrecht benutztes Ilsenburger
Totenbuch in Anspruch.
1 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 77) 1124: Wichbertus et Lodewigus comites
facti monachi obierunt. — In der Ausgabe ist die Notiz irrig zum Jahre 1123
gesetzt.
a Vgl. Ann. Pegavienses (MG. SS. XVI, 244) zu den Jahren 1091 und 1092.
8 Milo fiel in dem Treffen bei Kulm am 18. Februar 1126. (Vgl. Bernhardi,
Lothar III., S. 75 ff.) — Milos Gemahlin Liutburg war eine geborene Gräfin von
Eilsdorf. (Vgl. Ann. Saxo, MG. SS. VI, 685).
4 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 88) 1154: Tiedericus quoque canonicus Mag-
deburgensis et frater eius Otto de Gildesleve, egentibus multis ipsi quasi locu-
pletes, insperato fine preventi unus post alium decesserunt, vere nichil habentes.
Perscrutata vero substancia defunctorum diripuerunt alieni labores eorum. Muni-
tiones quoque eiusdem comitis dirute sunt providentia maiorum. — Dietrich starb
(nach dem Chronicon montis sereni, MG. SS. XXIII, 149) in Rom.
5 Vgl. oben S. 33.
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den Tod fand 1 . 1145 berichtet er ausführlich über die Streitigkeiten
zwischen Rudolfs Bruder Hartwich, damaligem Dompropst in Bremen,
und Heinrich dem Löwen wegen des Besitzes der Grafschaft Stade 2 .
1148 erwähnt er Hartwichs Wahl zum Erzbischof von Bremen 3 , 1151
den Tod seiner Mutter Richardis 4 und 1152 die Ermordung seiner
Schwester Luitgard und ihres Gemahls, des Grafen Hermann von Win¬
zenburg 5 . Auch mag hier auf die guten Nachrichten, welche der Ver¬
fasser namentlich seit 1152 über Vorgänge im nördlichen Deutschland
und in Dänemark besitzt, hingewiesen werden; sie ist leicht erklärlich,
sobald man annimmt, dass für alle diese Nachrichten ein Ilsenburger
Geschichtschreiber sein Gewährsmann war, denn dieser konnte sie leicht
von Rosenfelder Mönchen erhalten.
Fünf Jahre lang blieben die Mönche in Rosenfeld. Erst im Jahre
1105 kehrten sie auf Geheiss König Heinrichs V. nach Ilsenburg zurück.
Hier wählten sie am 30. Juni desselben Jahres aus ihrer Mitte den,
wenn man Engelbrecht Glauben schenken darf, aus der Familie der
Landgrafen von Hessen stammenden Mönch Martin zum Abt, welcher
am 11. November 1105 vom Erzbischof Ruthard von Mainz in Katlen¬
burg geweiht wurde 6 .
1 YgL oben S. 13.
a Vg]. oben S. 58. Anm. 1.
3 Chron. Palid. (MG. SS. XYI, 84) 1148: Cuius (sc. Adelberonis) vicem geren-
dam Buscepit Hartwigus, eiusdem ecclesie maior prepositus.
4 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 86) 1151: Richardis, mater Hardwigi epi-
scopi, obiit.
5 Chron. Palid. (MG. SS. XYI, 86) 1152: Heremannus, comes de Wincenburg,
cum diutina tirannide multos obpressisset, cum uxore Liutgarda inpregnata, quam
priore dimissa duxerat, conspirantibus contra eum ministerialibus HUdensheimensis
ecclesie in eodem Castro noctu gladio transverberatur 3. Kal. Febr., pecunieque
ipsorum, que ad sex milia libras computabantur, ab interfectoribus direpte sunt,
unde multi ipsorum diversis mortibus postea penas luerunt. — Cohn erklärt (For¬
schungen zur deutschen Geschichte YI, 536) die besondere Berücksichtigung, welche
Hermann von Winzenburg und auch Albrecht der Bär in der Pöhlder Chronik
finden, durch die Verwandtschaft beider mit den Grafen von Wöltingerode, welche
zum Stift Pöhlde in vertrauten Beziehungen gestanden hätten. Das Irrige dieser
Ansicht ergiebt sich ohne weiteres daraus, dass, wie ich in der Einleitung er¬
wähnte und an anderer Stelle ausführlicher darlegen werde, die Chronik gar nicht
in Pöhlde geschrieben worden ist. Beiläufig bemerke ich, dass Cohns Annahme,
Albrechts des Bären Gemahlin Sophie sei eine Schwester Hermanns von Winzen¬
burg gewesen, schwerlich richtig ist. Cohn hat sich eine ganze Reihe der wich¬
tigsten Urkunden gänzlich entgehen lassen; auch ist seine Untersuchung nicht
fehlerfrei.
6 Die Belegstellen folgen weiter unten.
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Eine mühsame Aufgabe harrte des neuen Abtes! Von den Län¬
dereien, welche das Kloster vor der Vertreibung der Mönche besessen,
war ihm inzwischen ein beträchtlicher Teil entfremdet und von benach¬
barten Herren in Besitz genommen worden. Diese Güter galt es jetzt
wiederzuerlangen. Kein Zweifel, dass Martin nichts unversucht liess,
die Besitzer zur Herausgabe derselben zu bewegen, und bei einigen mag
ihm dies auch wirklich gelungen sein, indes bei den meisten waren
seine Bitten vergeblich: sie zeigten sich nicht geneigt, das Geraubte
herauszugeben. Dem Abt blieb schliesslich nichts anderes übrig, als
die Vermittlung Papst Paschals II. nachzusuchen. Dieser beauftragte
den Erzbischof Adalgot von Magdeburg und den Landgrafen Ludwig
von Thüringen, dem Abt beizustehen und vor allem den unaufhörlichen
Schädigungen des Klosters durch die Besatzung der Feste Ilsenstein ein
Ziel zu setzen. Beide Fürsten liessen es denn auch an ihrer Hilfe nicht
fehlen. Nicht nur setzten sie es durch, dass die Feste dem Abt über¬
geben wurde, welcher sie natürlich von Grund aus zerstören liess, sie
sorgten auch dafür, dass das Kloster *den gesamten Besitz, welchen ihm
die Bischöfe Arnulf, Burchard und Herrand geschenkt hatten, zurück¬
erhielt K
Es währte nicht lange, so war, Dank der umsichtigen Verwaltung
Martins, der Wohlstand des Klosters wieder soweit gestiegen, dass Martin
daran denken konnte, den vorhandenen Besitz durch neue Erwerbungen
zu vermehren. Gelegenheit dazu bot sich im Jahre 1114. Zwei Jahre
vorher, am 6. Juni 1112, war der jugendliche Pfalzgraf Friedrich von
Putelendorf, welcher gemeinschaftlich mit seinem Halbbruder, dem Grafen
Hermann von Thüringen, für seinen von Heinrich V. bedrängten Oheim
Rudolf von Stade die Waffen ergriffen hatte, vom Grafen Hoier von
Mansfeld in der Burg Teuchern bei Weissenfels zur Ergebung gezwungen
1 Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III., 685): Huius (sc. Martini) precibus in-
clinatus papa Paschalis secundus mandavit Adalgoto Magdeburgensi archiepisco-
po et Lodewico comiti, terrae Saxoniae potentibus, ut bona per Henricum impe-
ratorem quartum distracta congregarent ad Ilsineburgense claustrum, et congregata
fideliter cum caeteris bonis defensarent. Et ut ad destructionem castri adiacentis
claustro, dicti Ilsenstein, de quo plurima damna ipsi iuferebantur, efficaciter insi-
sterent, exoravit castrumque inhabitantes excommunicavit. Qui mandata apostolica
viriliter exsequentes, ad hoc tandem perduxerunt, quod ipsum castrum abbati
Martino obsignatum est, qui et illud statim funditus evertit. — Mit Jacobs (a. &.
0. II. Einl. S. 31.) anzunehmen, dass Erzbischof Ruthard von Mainz den Papst
um Unterstützung des Klosters gebeten habe, fehlt jeder Grund. — Dass das
Kloster alle Besitzungen wiedererhielt, ergiebt sich aus der Best&tigungsiirkunde
Innocenz’ II. vom 2. Januar 1136.
* Vgl. Giesebrecht, a. a. 0. III, 836.
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89
und auf Heinrichs Befehl gefangen gesetzt worden. Um seine Freilas¬
sung zu erreichen, für welche Heinrich die Summe von 500 Pfund Silber
verlangte, sah sich Friedrich genötigt, einen Teil seiner Besitzungen zu
verkaufen. Auf die Kunde davon forderte Bischof Reinhard von Halber¬
stadt den Abt Martin auf, von den zum Verkauf gestellten Gütern einige
für sein Kloster zu drwerben. Martin zögerte nicht, dieser Aufforderung
nachzukommen: am 4. Mai 1114 wurde in Halberstadt in Gegenwart
Reinhards zwischen Martin und Friedrich ein Vertrag geschlossen, dem¬
zufolge letzterer dem Kloster Ilsenburg 25 Hufen in Wenderode, Loch-
tum, Sargstedt und Orden für die Summe von 103 Mark Silber ab¬
trat K
Eine weitere Steigerung erfuhren die Einkünfte des Klosters im
Jahre 1119, indem Bischof Reinhard den Mönchen an allen denjenigen
Orten, an welchen ihnen schon die Erhebung des Zehnten zustand, auch
den Neubruchzehnten und dazu den Zehnten von ihren Anlagen in He-
dersleben zuwies*.
Das folgende Jahr brachte Unheil: der grössere Teil der Kloster¬
gebäude wurde durch eine Feuersbrunst vernichtet. Nur die Kirche
blieb, wie es scheint, unversehrt, da Bischof Reinhard am 4. Juni des-
1 Urk. des Bischofs Reinhard von Halberstadt, Halberstadt 4. Mai 1114
(Ilsenb. Urk. I, 12): . . . Fridericus regis Heinrici offensam incurrens, cum captus
et in custodia eius esset positus, nullatenus inde liberari potuit, donec quingenta
talenta se ei daturum fore promisit. Cumque isto modo eius de custodia liberatus
fuisset, necessitate cogente, compulsus est predia sua vendere et que promiserat
regi persolvere. Hunc itaque cum predictus Reinhardus antistes pro* reddenda
pecunia sollicitum esse et distractiones prediorum suorum fieri cognovisset, eius
sollicitudini conpassus ac spiritu sancto premonitus, ecclesias suas ex oblationibus
fidelium de prediis illis emere commonuit, quatenus et eis victus et vestitus abs-
que necessitate provideretur et ille debito regis citius absolveretur. Qua sane
tarn devota domni episcopi ammonitione nos Hilsineburgenses moniti, de eodem
Friderico viginti quinque mansos in comitatu Liutheri centum tribus marcis com-
paravimus in villulis quas subter notavimus.Porro postquam totum quod
factum fuit ecclesiis corroborari debuit, idem Fridericus in ecclesiam Halbersta-
tensem cum contectali sua Agna et filiis suis aliisque multis ante principale altare
beati Stephani prothomartiris veniens ibidem astante nostro presule Reinhardo et
religio8is abbatibus Martino et Alfero . . . . omnia iuxta ritum et leges patrie,
sicut debuit, sub testibus firmavit.
8 Urk. des Bischofs Reinhard, Halberstadt 7. April 1119 (Ilsenb. Urk. I, 14):
ego Reinhardus, Halberstadensis ecclesie Dei gratia episcopus, Hilsineburgensi
ecclesie in utilitatem fratrum ibidem degentium pro remedio anime mee predeces-
sorumque nostrorum dedi decimationes novalium presentium et futurorum in omni-
bus locis in quibus habent decimationes. Preterea et decimationem super propria
eorum novalia in Hadeslevo.
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90
selben Jahres den Kreuzaltar und am folgenden Tage die Johannis¬
kapelle weihte 1 .
Der Neubau der zerstörten Teile des Klosters wird wohl die Mittel
desselben nahezu erschöpft haben. Denn als einige Jahre nach dem
Brande Markgraf Albrecht der Bär dem Abt Martin ein Gut in Rode
zum Kauf anbot, sah sich dieser ausser stände, die vom Markgrafen
geforderten 25 Pfund Silber aufzubringen. Da indes der Konvent den
Ankauf des Gutes lebhaft wünschte, so wandte sich Martin an Rein¬
ward, den Lehnsträger des Gutes, und traf mit diesem ein Abkommen
des Inhaltes, dass derselbe dem Kloster jene Summe vorstrecken und
dafür für sich und seine Nachkommen die Zusicherung der ferneren
Belehnung erhalten sollte*.
Schon ehe dieser Kauf erfolgte, noch bei Bischof Reinhards Leb¬
zeiten (gest. 2. März 1123) war Martin mit der Halberstädter Kirche
in Streit geraten. Ein gewisser Bern, ein vornehmer und reicher Mann,
hatte, als er in Ilsenburg das Mönchsgelübde ablegte, dem Kloster alle
seine Besitzungen in Godenhausen und Alerstedt geschenkt. Er trat
jedoch bald darauf wieder aus dem Kloster aus, und nun liess er sich
durch Bischof Reinhard bewegen, jene Schenkung zurückzunehmen und
gegen Verleihung eines Zehnten und einer Präbende am Dom auf die
Halberstädter Kirche zu übertragen. Dies war aber ohne Wissen und
Willen Abt Martins geschehen, und dieser hatte daher, als er Berns
That erfuhr, nichts eiligeres zu thun, als die Ansprüche seines Klosters
1 Chronol.' abb. Ilsineb. (Leibniz III, 685): Postea anno 1120 Ilsineburgense
monasterium incendio periit. Eodem anno dedicatnm est altare S. Grucis 2. Non.
Junii et Oratorium S. Johannis Baptistae Non. Junii in Ilsinebnrg a Reinardo
episcopo.
8 Urk. des Abtes Heinrich von Ilsenburg, 1. Februar 1131. (Ilsenb. Urk.
I, 16): marchio Adelbertus, comitis Ottonis filius, antecessorem nostrum, videlicet
beate memorie Martinum, adiens predium quoddam in Thiederzingerode venale
optulit. Quod cum ex consilio fratrum emi decrevisset, non erat in promptu, unde
id perficere potuisset. Misit igitur ad Reinwardum, qui hoc idem predium tune
beneficio habebat, suadens ut aut ipse emeret, aut sibi argentum mutuo daret.
Reinwardus vero rem ad amicos suos retulit. Placuit ergo utrisque partibus, ut
ab bas cum marchione conveniret, quatinus supradictum predium ecclesie vende-
ret, Reinwardus vero abbati 25 talenta marchioni persolvenda ea ratione daret,
quatinus ipse ac filii eius per successiones suas ipsum predium a succedentibus
sibi abbatibus in beneficium recipiant, ita tarnen, ut ius advocatus in eo non
habeat, sed nec ipsi pro hoc ab aliquo abbatum quasi iure servire cogantur. Quod
si forte hereditaria filiorum successio deficiat, ecclesia bona sua possideat Igitur
hoc modo conventione facta pactoque firmato, abbas argentum marchioni, quoad-
usque Reinwardus se ad hoc expediret, persolvit, quod tarnen ipse postmodum
abbati et ecclesie de suo restituit.
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geltend zu machen. Lange waren seine wiederholten Beschwerden ohne
Erfolg. Erst im Jahre 1127 verstand sich Reinhards Nachfolger Otto
dazu, zur Entscheidung des Streites eine Synode nach Halberstadt zu
berufen. Hier wurde Bern der Apostasie und des Raubes schuldig be¬
funden, und für Recht erkannt, dass er in das Kloster zurückzuführen
sei und die Halberstädter Barche zwar im Besitz von Godenhausen und
Alerstedt zu verbleiben, aber das Kloster durch Güter in Pabstdorf,
Wockenstedt und Nordrode zu entschädigen habe 1 .
Mit demselben Eifer, mit welchem Martin die Interessen des ihm
an vertrauten Klosters nach aussen hin wahrnahm, waltete er auch im
Innern desselben. Hier war es besonders die Klosterschule, welcher er
1 Urk. des Bischofs Otto von Halberstadt, Usenbnrg 7. April 1127. (Ilsenb.
Urk. I, 15): Yir quidam nomine Bern tarn nobilitate quam facultatibus preditus,
Ilsineburgense cenobium conversionis gratia expetens et ad commanendum susce-
ptus, omnes possessiones suas in Godenhusen et in Alerstade sitas Deo et Banctis
eius super altare, heredibus suis annitentibus, obtulit; quas tarnen postmodum
apostatando auferens, ecclesie Halberstadensi antecessoris nostri pie memorie R.
adhortationibus inflexus contulit; a quo etiam decimationem unam et de maiori
ecclesia prebendam pro recompensatione recepit. Quo cognito dominus Martinus,
eiusdem cenobii venerabilis abbas, tum in conventu principum tum in conciliis
episcoporum causam hanc ventilando et iusticiam flagitando haut Begniter negocium
exequebatur; sed idem predecessor noster, morte preventus, causam indeterminatam
reliquit. Post cuius excessum, cum inportunis querelis eiusdem abbatis antedictas
possessiones repetentis nos quoque sepenumero molestaremur, tandem in cena do-
mini Halberstad predictum Bern apostasie et rapine accusatum atque convictum
sinodali iudicio ei restitui cum ablatis prediis decrevimus, ipsa vero predia data
possessione quadam in Papestorp et Wokkenstade et Northrode 8 talenta annuatim
persolvente ab eodem redemimus ipsamque ex auctoritate Dei et sancti Petri,
apostolorum principis, sancti que Stephani prothomartyris Ilsineburgensi cenobio
sub anathematis interminatione confirmavimus. — Die vorstehende Urk. setzt Ja¬
cobs irrtümlich in daB Jahr 1128; sie ist ein Jahr früher ausgestellt. In der Da¬
tierung bezieht sich nämlich das Actum auf den Tag der Synode, einen Grün¬
donnerstag. Dieser fiel 1128 auf den 19. April, 1127 auf den 31. März. Setzt
man also mit Jacobs das Datum (7. April) in das Jahr 1128, dann muss entweder
dieses vor dem Actum erfolgt oder zwischen beiden ein Zeitraum von mehr als
einem Jahre verflossen sein. Ersteres ist unmöglich, letzteres unwahrscheinlich.
Offenbar sind die Zahlen im Ilsenburger Copialbuche, dem Jacobs leider grössere
Autorität beimisst als der Originalurkunde, verderbt. Das Pontificatsjahr Hono-
rius’ II. ist in ni. (Copiale: VI) und das Episcopatsjahr Ottos in IV. (Copiale: VH)
zu ändern. Dann Btimmt auch das Regierungsjahr Lothars, welches Jacobs, trotz¬
dem das Original H. hat, doch mit der Kopie in IV. ändert. Die falsche Indic-
tion VI. statt V. ist nun ohne Belang. Es ergiebt sich mithin, dass Bischof Otto
erst nach dem 7. April 1123 und nicht 1122, wie Jacobs will, gewählt worden ist
Seine Wahl im Jahre 1122 ist doch auch schon aus dem einfachen Grunde un¬
möglich, weil sein Vorgänger Reinhard erst am 2. März 1123 starb.
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seine Aufmerksamkeit zuwandte. Um die Studien zu fördern, vermehrte
er die Klosterbibliothek und suchte auch die Mönche selbst zu littera-
rischer Thätigkeit anzuregen. So fertigten auf seinen Antrieb die bei¬
den Mönche Wolfram und Hermann jenen grossen Bibelcodex an, von
welchem ein Teil noch heute in der Wernigeröder Bibliothek vorhanden
ist 1 * . Auch die annalistische Thätigkeit nahm man wieder auf. Man
verschaffte sich aus Würzburg ein Exemplar der Jahrbücher des dor¬
tigen Burchardsklosters, bearbeitete es im gregorianischen Sinne und
setzte es fort. Eine Abschrift desselben sandte man um 1115 dem be¬
freundeten Kloster Rosenfeld, in welchem es eine noch heute vorhan¬
dene, allerdings dürftige Fortsetzung erhielt 8 . Gewiss zeugt es von der
erfolgreichen Thätigkeit des Abtes und kann als Beweis für die Blüte
der Schule gelten, dass es damals in Ilsenburg Mönche gab, welche der
griechischen Sprache kundig und so im stände waren, die Evangelien
mit kritischen Randnoten zu versehen 3 .
Unter solchen Umständen war es kein Wunder, dass das Kloster
bald das Ansehen wiedererlangte, welches es zu Herrands Zeiten be¬
sessen hatte. Wie damals, so widerfuhr ihm auch jetzt die Ehre, dass
eins seiner Mitglieder mit der Leitung eines Klosters betraut wurde.
Der Mönch Goswin war es, welcher (zwischen 1117 und 1134) von der
Pfalzgräfin Gertrud bei Rhein zum Abt des von ihrer Mutter, der Mark¬
gräfin Gertrud von Eilenburg, gestifteten und bisher vom Abt Heinrich
von Bursfeld mitverwalteten Klosters St. Egidien in Braunschweig er¬
nannt und vom Bischof Thietmar von Verden geweiht wurde 4 * * * .
1 Vgl. Jacobs in den Neuen Mitteilungen des Thüring.-S&chs. Vereins. XI,
356 ff.
3 Vgl. Schum a. a. 0. S. 94 ff., und Wattenbach a. a. 0. II, 77.
3 Vgl. Jacobs in den Neuen Mitt. XI, 362 ff.
4 Urk. Lothars III., Goslar Januar (?) 1134 (Stumpf Nr. 3291; Origines Gu-
elficae. Tom. II. Hannover 1751. p. 519): Gertrudis marchionissa, filia Ekeberti
marchionis, monasterium Deo et sancte Dei genitrici Marie in loco Bruneswich
dicto edificavit, et ad monastice vite regulam perhenniter delegavit, et consensu
heredum suorum, ut moris est, de hereditate sua dotavit et ditavit, atque domino
Heinrico abbati de Buresfelde commendavit. Cuius industria et bone fundatricis
impensa felici edificio feliciter consummato, anno dominice incarnationis 1115 in-
dictione 8 Romane ecclesie legatum, dominum Tidericum, nec non venerabilem
Halverstadensi8 ecclesie episcopum Reinhardum ad consecrandum idem monasterium
invitavit. Qui videlicet viri venerabiles illo venientes ... die Kalendarum Sep-
tembrium idem monasterium sollempniter ad honorem Jesu Christi eiusque geni-
tricis dedicaverunt. Postea vero quam eadem marchionissa Gertrud» mundo
excessit, filie eins Gertrudi palatine in parte hereditatis accepta idem monasterium
in tutelam cessit. Que . . . eundem locum proprio abbate decorare volens, de
Hilsinneburch electum et expetitum venerabilem virum Gozwinum prefecit et a
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Dass infolge der in dieser Weise zwischen Ilsenburg und Braun¬
schweig angeknüpften Beziehungen ein Ilsenburger Annalist ab und zu
Braunschweigische Lokalnachrichten erhielt, wird kaum zu bezweifeln
sein. So könnte denn diesen Beziehungen der Bericht über die glän¬
zende Aufnahme, welche Konrad III. auf seiner Rundreise durch Sachsen
im Jahre 1143 in Braunschweig zu teil wurde 1 , ihnen auch der ehren¬
volle Nachruf, welchen die Chronik 1148 dem Bischof Thietmar von
Verden widmet 2 , den Ursprung verdanken.
Am 19. Mai 1129 starb Abt Martin®. Zu seinem Nachfolger wählte
der Konvent wieder ein Mitglied des Klosters, den Mönch Heinrich,
welchen Bischof Siegfried von Speier am 8. Dezember 1132 weihte 4 .
Über die Thätigkeit dieses Abtes ist wenig bekannt. Er vollendete
den vermutlich schon von seinem Vorgänger begonnenen Bau der Hos¬
pitalkirche zu Unserer Lieben Frauen, welche der Seelsorge unter den
Fremden und den ausserhalb des Klosters Wohnenden dienen sollte, da
deren Ausübung durch die Mönche mit mancherlei Unbequemlichkeiten
verknüpft war. Im Jahre 1131 wurde sie und der zu ihr gehörige Be¬
gräbnisplatz vom Bischof Otto von Halberstadt geweiht®.
venerabili Fardensis ecclesie episcopo Titmaro in eodem monasterio presente
coniuge nostra ordinari fecit. — Vgl. die Ann. Saxonic. Exc. 1117: Gertrud mar-
chionissa Saxonie obiit, que fundavit monasterium sancti Egidii in Brunswigh,
sepulta ad sanctum Blasium. — Jacobs (Ilsenb. Urk. II. Einl. S. 32) irrt also,
wenn er meint, dass die Stifterin des Klosters selbst den Mönch Goswin berufen
habe, und sagt, dass Bischof „Dietrich“ von Verden das Kloster geweiht habe.
Letzteres geschah durch den Kardinallegaten Dietrich und den Bischof Reinhard
von Halberstadt. In Dürres Geschichte der Stadt Braunschweig (Braunschweig,
1861. S. 502), welche Jacobs als seine Quelle citiert, findet sich weder der eine
noch der andere Fehler.
1 Chron. Palid. (MG. SS. XVI, 81) 1143: Post hec rex Bruneswich divertens
ab incolis gloriose suscipitur atque munificentia ducisse Gertrudis honoratur.
8 Vgl. oben S. 65. Anm. 1.
3 Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 686): Martinus quoque abbas Ilsineburgen-
sis, utilitatibus sui monasterii fideliter semper intendens, postquam allodia non-
nulla, et multos divinae paginae libros comparaverat, ac aedificans plurima con-
summaverat, mercedem suorum laborum a Deo recepturus obiit 13. Kal. Junii
anno 1129.
4 Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 686): Praedictus abbas (sc. Martinus)
succe88orem reliquit Henricum, eiusdem coenobii monachum; quem episcopus Spi-
rensis 6. Idus Decembr. consecravit anno 1132.
5 Urk. des Bischofs Otto von Halberstadt, o. 0. 6. Juni 1131. (Ilsenb. Urk.
I, 17): petente dilecto filio nostro Heinrico Hilsineburgensi abbate hospitalem
inibi ecclesiam in honore sancte Dei genitricis consecravimus, cui etiam curam
peregrinorum et omnium in suburbio eiusdem loci degentium, cimiterio in eorum
sepulturam dedicato, que prius infra ambitum ipsius cenobii agebatur, banni nostri
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Heinrich gelang es im Jahre 1132, eine nach den Begriffen der
Zeitgenossen wertvolle Erwerbung zu machen. Er erlangte nämlich für
sein Kloster einen Teil des Körpers des heiligen Godehard, welchen
Bischof Bernhard von Hildesheim am 4. Mai desselben Jahres feierlich
erhoben hatte. Die Übertragung der Reliquien nach Ilsenburg fand am
6. August statt 1 .
Diese von Engelbrecht aufbewahrte Nachricht ist für unsere Unter¬
suchung von nicht zu unterschätzendem Werte; denn sie zeigt, dass von
den Klöstern des Halberstädter Sprengels Ilsenburg dasjenige ist, in
dessen Jahrbüchern den heiligen Godehard betreffende Notizen zu fin¬
den, man am ehesten erwarten darf. Wenn daher die Pöhlder Chronik
die Erhebung des Heiligen und die Grundsteinlegung zu der ihm ge¬
weihten Kirche in Hildesheim erwähnt *, ferner ausführlich über die
angebliche Heilung einer Frau in Weberstädt durch ihn berichtet 3 ,
endlich dem Bischof Bernhard von Hildesheim, dem Spender der Reli¬
quien eine auffallende Berücksichtigung zu teil werden lässt 4 , so ist
dies ein deutlicher Beweis dafür, dass in ihr Ilsenburger Annalen be¬
nutzt worden sind.
Kaum drei Jahre nach jener Übertragung musste Abt Heinrich
sein Amt niederlegen, da er das Vertrauen, welches die Mönche in ihn
mterpositione confirmavimus, assensu videlicet atque rogatu fratrum, varias in-
commoditat©8 ex occasione eure sustinentium ad hoc provocati. — Hiernach die
Ghronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 686).
1 Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 686): Tempore huius abbatis corpus
sancti Godehardi, episcopi Hildesemensis cum magna miraculorum declaratione
elevatum est; cuius reliquiae ab hoc abbate Henrico, 8. Idus Augusti Ilseburgum
delatae sunt anno 1185. — Engelbrecht setzt die Übertragung in das Jahr 1135.
Indes da das Pisaner Konzil, auf welchem Bischof Otto von Halberstadt abgesetzt
wurde, in die Zeit vom 30. Mai bis 6. Juni 1135 fällt, mithin die Absetzung Hein¬
richs durch Lothar (vgl. weiter unten) in das erste Viertel dieses Jahres gesetzt
werden muss, so kann Heinrich nicht noch am 6. August die Übertragung der Re¬
liquien veranlasst haben. Engelbrecht hat sich wohl verlesen; in seiner Quelle
wird das Jahr 1132, das Jahr der Erhebung der Gebeine Godehards gestanden
haben.
* Vgl. oben S. 83.
8 MG. SS. XVI, 79.
4 MG. SS. XVI, 87. 88. — Hervorzuheben ist besonders folgende Stelle: Hic,
assecla beati Godehardi, transferendis eius sacris reliquiis olim devotus invigilavit; ex
quo magnificata per orbem sancti gloria operosam ipsius nomini basilicam exstru-
xerat, in qua et venerabiliter humatus est. — Nicht aus den Hsenburger Annalen
stammen die Worte ,Qui Deo devotus — pleniter sollemnizari*. Sie rühren vom
Verfasser der Pöhlder Chronik her und sind nicht vor 1182 geschrieben, da sie
auf demselben Pergamentzettel stehen, welcher die zum Jahre 1152 angemerkte,
aber erst 1182 erfolgte Vision eines Pöhlder Mönches enthält.
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gesetzt, nicht gerechtfertigt hatte; denn nicht nur hatte er sie unauf¬
hörlich in einer der Klosterregel zuwiderlaufenden Weise bedrückt, son¬
dern sich sogar zu Gewaltthätigkeiten gegen sie hinreissen lassen. Als
Beschwerden beim Bischof Otto von Halberstadt nichts fruchteten,
wandten sich die Mönche an Kaiser Lothar. Dieser setzte den Abt im
Jahre 1135 ab.
Der Plan des Halberstädter Bischofs, jetzt seinem Bruder, dem
Abt Burchard von Wimmelburg, die Ilsenburger Abtsstelle zu verschaf¬
fen, schlug fehl: er (Otto) wurde auf dem Konzil zu Pisa (30. Mai bis
6. Juni 1135) von Papst Innocenz II. ebenfalls abgesetzt 1 .
An Heinrichs Stelle trat nun der vom Konvent erwählte Mönch
Lambert, der jedoch das ihm übertragene Amt nur kurze Zeit beklei¬
dete. Nachdem er schon Anfang 1136 von Papst Innocenz alle Be¬
sitzungen und Privilegien, welche das Kloster von den Bischöfen Arnulf,
Burchard, Herrand und Reinhard erhalten hatte, hatte bestätigen lassen,
machte er selbst sich Ende des folgenden Jahres auf den Weg nach
Rom, um einen Auftrag des Bischofs Rudolf von Halberstadt auszu¬
richten. Während seiner Abwesenheit wählte ihn die Brandenburger
Kirche zu ihrem Bischof. Doch gelangte er nicht in den Besitz dieser
Würde: auf der Rückreise von Rom, im Januar 1138, wurden er und
sein Begleiter, der Priester Gardulf, am Berge Pascal von Strassen-
räubern überfallen und erschlagen 2 .
1 Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 686): Hic abbas Henricus monachos
Ilsineborgenses irregulariter et iniuriose corripuit nsque multas tyrannicas oppres-
siones, violentias et molestias intulit, quas saepius detulerunt Ottoni episcopo
Halberstadensi, sed frustra. Ideoque culpis ipsius clarescentibiis tandem a Lothario
imperatore deponitur. Quo discedente praedictus episcopus Otto, qui in praedicti
abbatis tyrannidem consenserat, monachis fratrem suum Burchardum, Wimode-
burgensem abbatem, obtrudere voluit; quod tarnen Deus prohibuit, quia Innocentius
papa eum accusatum prorsus deposuit.Acta sunt haec anno 1185. — Über
die Absetzung des Bischofs Otto vgl. die Bulle Innocenz’ II., Pisa 28. Juni 1135
(Jaffd Nr. 7722; Haiberst. Ürk. I, 148), sowie den Ann. Saxo (MG. SS. VI, 770) und
die Gesta episc. Haiberst. (MG. SS. XXIII, 106). — Von einer Absetzung des
Abtes Burchard durch Papst Innocenz, von welcher Jacobs (a. a. 0. n. Einl. S. 36)
spricht, wird weder in obiger Stelle noch anderswo berichtet.
* Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 686): Huic (sc. Henrico) in abbatia
successit Lampertus, eiusdem monasterii monachus, quem Innocentius papa Pisis
confirmavit. Anno 1138 hic abbas rogatu Rudolphi Halberstadensis episcopi pro-
fectus est Romam. IUic negotio, propter quod venerat, expleto, cum rediret, de-
signatus est episcopus Brandenburgensis. Verum in itinere a latrocinantibus mi-
serabiliter interficitur in monte Paskahl (alias Special) cum presbytero quodam,
nomine Gendolpho, ubi etiam sepultus est 15. Calend. Februarii. Quorum mortem
Innocentius papa aegre ferens, interfectores illius anathematisatos proprio abdi-
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Sein Nachfolger auf dem Ilsenburger Abtsstuhle wurde Sigebodo 1 .
Mit seiner Erwählung brach für das Kloster eine Zeit der Ruhe und
des Friedens an, welche, wie es scheint, selbst nicht durch die Ende
der dreissiger und Anfang der vierziger Jahre in seiner Nähe sich ab¬
spielenden Kämpfe zwischen der welfischen und der staufisch-ascanischen
Partei gestört wurde. Hatte sich Abt Martins Thätigkeit vorzugsweise
nach aussen hin gerichtet, so suchte umgekehrt Sigebodo mehr im
Kloster selbst zu wirken. Ihm lag neben der Erweiterung der Kloster¬
bibliothek 8 insbesondere die Vermehrung des noch recht unansehnlichen
Kirchenschatzes am Herzen; und wirklich gelang es ihm während seiner
23jährigen Amtsdauer, von kirchlichen Geräten, Kreuzen, kostbaren
Reliquienbehältern u. dergl. m. eine stattliche Anzahl zusammenzubringen 8 .
Auch das Äussere des Klosters verschönerte er, indem er den südlichen
Teil, in welchem sich das Refectorium befand, abbrechen und durch
einen Neubau ersetzen liess 4 .
Weniger bedeutend dagegen und mit dem von Martin dem Kloster
verschafften kaum zu vergleichen war der Zuwachs an Grundbesitz und
cavit solo. — Ich habe die Datierung ,anno 1138* abweichend von Leibniz, wel¬
cher sie noch zum ersten Satze zieht, zum zweiten gezogen, da sie sonst sinnlos
ist; denn Lambert wird schon am 2. Januar 1136 (Jafft Nr. 7751) von Innocenz
,mmc eiusdem loci abbas* genannt. — Ober Lamberts Tod berichtet der Ann.
Saxo (MG. SS. VI, 776) 1138: Lambertus ex abbate Ilsineburgensi Brandeburgensis
eclesie electus, Rodolfi Halberstadensis episcopi rogatuRomam profectus est, rediensque
a latronibus interfectus est. — Ann. Magdeb. (MG. SS. XVI, 186) 1138: Eodem
tempore Lambertus HilBenburgensis abbas et Brandenburgensis ecclesie electus,
revertens a Roma, a latronibus occisus est. Huic successit in abbatia Sigebodo,
eiusdem loci monachus. — Beide folgen wohl den Nienburger Annalen. — Die
Angabe Jacobs (Ilsenb. Urk. II, 536), dass Lambert vom Priester Gardulf erschla¬
gen worden sei, ist wohl nur Druckfehler.
1 Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 686): Hunc secutus est in abbatia Syge-
bodo, monachus eiusdem monasterii; quem consecravit Rudolphus Halberstadensis
episcopus. — Vgl. auch die vorige Anm.
# Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 686): Hic abbas . . . multos divinae
paginae libros . . . suo monasterio comparavit.
* Urk. Sigebodos, o. 0. u. T. 1160 (Ilsenb. Urk. I, 29): Decorem igitur domus
Domini, quam Dei ordinatione regendam suscepimus, primo quidem valde tenuem,
postmodum vero collatione fidelium in campanis, crucibus, sanctorum capsis, corona
super corpus Domini satis operose facta variaque supellectile nostris temporibus
nobiliter ampliatam, ne violenter aut fraudulenter Deo ac sanctis eius abstrahatur,
prospectum habere curavimus. — Hiernach die Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz
III, 686).
4 Chronol. abb. Ilsineb. (Leibniz III, 686): Hic abbas quartam partem coeno-
bii, videlicet meridionalem, in quo refectorium erat, a fundo aedificavit. — Vgl.
Niemeyer in den Neuen Mitteilungen des Thttring.-Sächs. Vereins IV, 2. S. 134. 135.
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Vorrechten, welcher dem Kloster durch ihn zu teil wurde. Sein Streben
war mehr darauf gerichtet, das Vorhandene dem Kloster zu erhalten,
als zur Vermehrung desselben beizutragen. Immerhin wurden auch zu
seiner Zeit dem Kloster einige wertvolle Vorrechte und Besitzungen er¬
worben. Im Jahre 1140 verfügte Bischof Rudolf von Haiborstadt, dass,
da infolge des Mangels eines Priesters auf den in Wolliugerode gele¬
genen Besitzungen des Klosters Usenburg wiederholt Kinder ungetauft
und Erwachsene ohne mit den Sakramenten versehen zu sein gestorben
seien, die Veitskirche in Wollingerode aber, welcher das Recht der
Ausübung der Seelsorge zustehe, die zur Anstellung eines Priesters er¬
forderlichen Mittel nicht besitze, fortan der Burchardskirche, welche
samt dem ihm in Wollingerode nach seines Vaters Tode zugefallenen
Besitztum Pfalzgraf Friedrich von Putelendorf — ob erst nach Sige-
bodos Amtsantritt oder schon früher, ist nicht mehr zu ermitteln —
dem Kloster Esenburg geschenkt hatte, die Seelsorge unter den Ilsen-
burger Klosterleuten zustehen und der Abt einem Mitgliede seines
Klosters das Priesteramt übertragen sollte 1 .
Im folgenden Jahre tauschte Sigebodo vom Stift St. Johann in
Halberstadt 9*/ a Hufen in Lieren gegen ebensoviele in Bodesargstedt
ein, welchen Tausch Bischof Rudolf am 5. Dezember bestätigte 2 , und
am 3. Oktober 1157 bewog er den Markgrafen Albrecht den Bären,
1 Urk. des Bischofs Rudolf von Halberstadt, o. 0. 1. Januar 1140 (llsenb.
Urk. I, 21): ecclesie sancti Burchardi in Walliggerod site Hilsineburgenai cenobio
attinenti curam omnium ibidem in fundo beati Petri degentium, cimiterio in se-
pulturam eorum dedicato, perpetuo iure concessimus, eique ius baptizandi, infir-
mos visitandi, mortuos sepeliendi annitente idque promovente Ameboldo, venerabili
preposito in Stuterliggeburch, ad cuius archidiaconatum ipsa villa spectare con-
probatur, plenarie confirmamus. Tribus siquidem fratribus villam hereditario iure
obtinentibus, cum tercius ex ipsis, videlicet Fridericus palatinus, quicquid in ea
iuris habebat, cum prefata ecclesia et utriusque sexus mancipiis Deo et sanctis
eius in Hilsineburch pro remedio anime sue obtulisset ac frequenter inibi infirmos
absque viatico, infantes absque baptismatis gratia ex hac luce subtrahi contingeret,
eo quod ecclesia sancti Yiti ibidem sita sustentationi sacerdotis nequaquam suffice-
ret, nos ratione consulta et religiosarum personarum in id ipsum concordante sen-
tentia nostre provisionis hominibus videlicet in fundo beati Petri degentibus supra-
scripto modo providendum censuimus. ln abbatis sane relinquimus arbitrio ac
discretione, quem de suis sacerdotem ipsi potissimum preficiat ecclesie.
* Urk. des Bischofs Rudolf von Halberstadt, Halberstadt 5. Dez. 1141. (llsenb.
Urk. I, 22): notificamus Omnibus Christi fidelibus concambia, que facta sunt de
quibusdam possessionibus inter fratres ecclesie sancti Johannis, que sita est in
civitate nostra, et Hiliseneburgenses fratres, amborum consensu interveniente.
Canonici namque monachis mansos novem et dimidium in villa que Liere dicitur,
et monachi canonicis totidem cum eorum pertinenciis Bothserchstide cambiendo
consignaverunt, alteri alterorum utilitati vicaria caritate consulentes.
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gegen Aufnahme in die Brüderschaft die Besitzungen des Klosters in
Polkritz von allen Abgaben zu befreien, einer Schenkung, welcher der
seither mit dem Zehnten in Polkritz belehnte Schwager Albrechts,
Graf Werner von Osterburg, zustimmte und welche Bischof Ulrich von
Halberstadt auf Bitten beider Fürsten bestätigte 1 .
Die letzte Handlung, durch welche Sigebodo seine Fürsorge für das
Kloster bethätigte, war die, dass er die Bulle, in welcher Papst Inno-
cenz II. 1136 die Besitzungen und Privilegien des Klosters bestätigt,
und welche schon 1148 auf dem Rheimser Konzil Papst Eugen III.
unter Hinzufügnng der Erlaubnis, Adlige im Kloster beisetzen zu lassen,
erneuert hatte 2 * , im Jahre 1160 nochmals durch Papst Victor IV. in
Pavia erneuern liess 8 . Im folgenden Jahre, am 6. November 1161, ver¬
schied er 4 * * * .
Da nach früher Bemerktem der wertvollere und wichtigere Teil
der verlorenen Annalen zu Sigebodos Zeit entstanden ist, so müsste die
besondere Berücksichtigung der Familie der Grafen von Osterburg und
vor allem die Erwähnung des Rheimser Konzils und der Paveser Synode
in ihnen für ihre Abfassung in Ilsenburg entscheidend sein. Wirklich
geschieht sowohl dieses wie jenes! Zunächst wird 1157 der Tod des
Grafen Werner von Veltheim, des Sohnes Werners von Osterburg, er-
1 ürk. Albrechts des Bären, Werben 3. Oktober 1157 (Ilsenb. Urk. I, 26):
nos divine remuneracionis intuitu simul et peticione Sighebodonis venerabilis abba-
tis in Ilsyneborch omniumque fratrum einsdem cenobii bona eorum in Pulcriz,
culta et poßtmodum colenda, ab omni servicio, quo nobis servire tenebantur, per-
petualiter absolvimus, snb eo videlicet vicissitudinis respectu, ut ipsi plenum nobis
sue fratemitatis consorcium fideliter persolvant et in hiis, que sunt ad Deum,
nobis et posteris nostris affectuosa sedulitate pro posse et viribus assistant. —
Urk. Bischof Ulrichs von Halberstadt, o. 0. u. T. 1157 (Ilsenb. Urk. I, 26): deci-
macionem ville, que dicitur Pulcriz, in Marka sitam, contradidi ecclesie beatorum
apostolorum Petri et Pauli in Ilsyneborch, petente et manumittente Adelberto
marchione et Wernero comite, qui ea inbeneficiatus erat. — Die beiden Urkunden
gehören offenbar zusammen. Albrecht selbst bemerkt am Schluss seiner Urk.
,dominum Halberstadensem episcopum Odelricum, cuius potestati subiacet, banno
suo (donacionem) confirmare rogavimus 4 . Diese Bestätigung ist in Ulrichs Urk.
enthalten; letztere wird daher ebenfalls im Oktober 1157 ausgestellt sein.
4 Bulle Eugens III., Rheims 23. März 1148 (Jaffö Nr. 9199; Ilsenb. Urk. I, 23):
Concedimus quoque et confirmamus in vestro monasterio fieri nobilium sepulturam.
8 Bulle Victors IV., Pavia 19. Februar 1160 (Jaffö Nr. 14434; Ilsenb. ürk.
I, 27).
4 Ghronol. abb. Hsineb. (Leibniz III, 686): His et alüs bonis operibus per-
actis, obdormivit cum patribus suis anno 1161, 8. Idus Novemb. et sepultus est in
capella beatae Mariae virginis in ambitu.
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wähnt 1 * . Da der Graf bei der Belagerung von Brandenburg im Juni
dieses Jahres fiel, also ungefähr ein Vierteljahr vor jenem Verzicht
seines Vaters auf den Zehnten in Polkritz, so liegt die Annahme sehr
nahe, dass der Verfasser der Annalen erst bei dieser Gelegenheit jene
Nachricht erhielt oder erst durch diesen Verzicht veranlasst wurde, sie
aufzuzeichnen.
Sodann heisst es 1148 vom Rheimser Konzil: ,Domnus apostolicus
Roma digressus diutius commoratus est in partibus Galliarum, ubi et
sinodum celebravit media quadragesima apud civitatem Remorum, epi-
scopis et abbatibus aliisque clericis eandem sinodum suramo Studio fre-
quentantibus. 42
Am wertvollsten aber ist der Bericht über die Synode von Pavia,
oder vielmehr der ihr voranstehende über den Ausbruch des Schisma 3 .
Bekanntlich ist er in kaiserlichem Sinne gehalten. Von welchem Mönche
aber dürfte man eher erwarteu, dass er das Schisma vom kaiserlichen
Standpunkte aus schildern würde, als von demjenigen, dessen Abt sich
die Bestätigung der Besitzungen und Privilegien seines Klosters vom
Gegenpapst erbat, und dies auf derselben Synode, auf welcher der letztere
vom Kaiser anerkannt wurde? Kein Zweifel daher, dass der Bericht,
dessen Entstehung man bisher in Pöhlde suchte, aus Ilsenburg stammt!
Da er mit der Synode von Pavia endet und jene Bulle Victors IV. für
Ilsenburg sechs Tage nach deren Schluss (13. Februar) ausgestellt ist,
so wird man kaum fehlgroifen, wenn man annimmt, dass ihm die Aus¬
sagen des Überbringers der Bulle zu Grunde liegen.
An Nachrichten von ausgeprägt Ilsenburger Lokalcharakter fehlt
es also in den in Betracht kommenden Abschnitten der Pöhldcr Chronik
nirgends. Die Annahme der ehemaligen Existenz von Ilsenburger An¬
nalen, welche mit dem Jahre 1164 endeten, und ihrer Benutzung in
der Pöhlder Chronik dürfte daher wohl berechtigt sein. Man wird zu
dieser Annahme um so eher greifen können, als ein Blick auf Sigebodos
Itinerar zeigt, das ein Ilsenburger Geschichtschreiber auch in der Lage
war, gute reichsgeschichtliche Notizen zu erhalten. Denn das leuchtet
ein, dass Sigebodo, wenn, woran nicht zu zweifeln ist, die Annalen von
seinem Amtsantritt an gleichzeitig geschrieben worden sind, nicht unter¬
lassen haben wird, dem Verfasser oder richtiger Fortsetzer 4 der Annalen
1 Vgl. oben S. 42. 43.
4 MG. SS. XYI, 83.
8 MG. SS. XVI, 91.
4 Die Annahme, dass mehrere Personen an den Annalen gearbeitet haben,
wird sich schon mit Rücksicht darauf, dass die Anlage derselben, wie ich sogleich
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mitzuteilen, was er über Vorgänge im Reiche von Personen, welche
Kenntnis von denselben besassen, gehört hatte. Es verdient in dieser
Beziehung besonders seine häufige Anwesenheit in Halberstadt hervor¬
gehoben zu werden: von den zehn Urkunden, in welchen er als Zeuge
erscheint, sind neun an diesem Orte ausgestellt 1 . Hier hatte er jeden¬
falls Gelegenheit genug, sich über Begebenheiten ebensowohl in den
sächsischen Landen als auch im Reiche zu unterrichten, zumal so lange
Bischof Rudolf regierte, dessen staufische Gesinnung und häufiger Auf¬
enthalt am Hofe Konrads IIL ja hinlänglich bekannt sind.
Ilsenburger Annalen waren es also, welche der Pöhlder Chronist
in den Jahren 1125 bis 1164 neben und nach den Hildesheimer und
Paderborner Annalen benutzte; ja auf Grund der in Bezug auf den
Umfang der Benutzung dieser verlorenen Quelle in der Pöhlder Chronik
gewonnenen Resultate können wir behaupten: Die Pöhlder Chronik
ist in den Jahren 1138 bis 1164 im grossen Ganzen nichts
anderes als eine Abschrift der verlorenen Ilsenburger An¬
nalen.
Nunmehr trage ich kein Bedenken, die Behauptung auszusprechen,
dass dem Pöhlder Chronisten auch vor dem Jahre 1125 keine Rosen¬
felder Annalen Vorgelegen haben, vielmehr die bisher auf diese zurück¬
geführten Nachrichten 2 von ihm ebenfalls den Ilsenburger Annalen ent¬
lehnt worden sind. Der Beweis für diese Behauptung ist nicht schwer
zu erbringen. Wir wissen, dass sich die Würzburger Chronik bis um
die Mitte des zweiten Jahrzehnts des zwölften Jahrhunderts in Ilsen-
burg befand und erst um diese Zeit nach Rosenfeld gelangte 3 . Haben
daher der Sächsische Annalist, der Pöhlder Chronist und der Verfasser
der Annales Saxonici, welche wir oben als Benutzer der Ilsenburger
Annalen kennen lernten, nach dem genannten Zeitpunkte der den Ilsen¬
burger Annalen in Rosenfeld angefugten, noch vorhandenen Fortsetzung
zeigen werde, schon im ersten Jahrzehnt des zwölften Jahrhunderts erfolgte, nicht
umgehen lassen. Ob dies aber auch, solange Sigebodo lebte, der Fall war, ist
nicht mehr zu sagen. Jedenfalls sind jedoch die Annalen von 1138 ab unter der
besondem Leitung dieses Abtes fortgesetzt worden.
1 Sie sind jetzt im ersten Bande des Urkundenbuches des Hochstifts Halber¬
stadt mitgeteilt und in den Jahren 1141 (5. XII.), 1145 (11. IV.), 1146 (28. III.),
1146, 1148 (18. X.), 1148, 1151, 1152 (28. VI.), 1160 ausgestellt.
8 Die erste dieser Nachrichten findet sich beim Jahre 734.
8 Vgl. Schum a. a. 0. S. 94 ff. — Über das Jahr 1115 wird man nicht hinaus¬
gehen dürfen, da der Bericht der Pöhlder Chronik über die Schlacht bei Köthen
(1115) sicher auch den Ilsenburger Annalen gehört, aber in den Rosenfelder An¬
nalen fehlt.
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(bis 1130) keine Nachrichten entnommen oder, wenn doch, wenigstens
nicht direkt, so liegt gar kein Grund mehr vor, sie für Benutzer der
Rosenfelder Annalen zu halten. Diese Bedingung wird von allen dreien
erfüllt. In den Annales Saxonici waren, soweit sich dies nach den
Excerpten beurteilen lässt, vor 1130 überhaupt keine Rosenfelder Nach¬
richten zu finden; bei den andern beiden aber ist die Nachricht von
der Gefangennahme des Grafen Wiprecht von Groitzsch durch den
Grafen Hoyer von Mansfeld (und diejenige von einem Raubzug der
Wenden) die letzte, welche man als den Rosenfelder Annalen entlehnt
bezeichnen könnte 1 . Im Annalista Saxo finden sich zwar auch später
noch Rosenfelder Nachrichten, doch zeigt ein Blick in die Magdeburger
Annalen, dass sie durch die Nienburger Annalen vermittelt worden sind.
Sollte trotzdem noch ein Zweifel an der Richtigkeit jener Be¬
hauptung obwalten, so dürfte ihn eine Vergleichung der Chronologia
abbatum Ilsineburgensium beseitigen. Man vergleiche z. B. die folgen¬
den Stellen:
P.
1100 .
Congregatio Hil-
sineburgensium
monachorum Hai-
berstadensi inva-
sori et excommuni-
cato Friderico sub-
di et obedire re-
cusans hac de causa
ab ipso coacta est
claüstrum suum
egredi. Abbas ip-
sorum Otto beate
memorie Jerusalem
petiit et Androno-
poli defunctus in
eccleBia sancteMa-
S.
1100.
Congregatio II-
sineburgensium
monachorum Fri¬
derico Halbersta-
densi invasori et
excommunicato
subdi et obedire
nolens, hac de cau¬
sa ab ipso coacta
est claustrum c-
gredi. . . . Otto II-
sineburgensis ab¬
bas Jherusalem
causa ChriBtipetens
Andrinopoli migra-
vit e seculo, sepul-
Chronol.
1100.
Hoc etiam anno
congregatio mona¬
chorum Ilsinebur¬
gensium, cum re-
cusaret obedire
Friderico invasori
Halberstadensi et
excommunicato,
coacta est ab eo
claustrum suum
egredi *. (Otto) Hie-
rosolymam causa
Christi petens,venit
Antimopolim, etibi
mortuus, et in ci-
vitate Bara ad
Ann. Rosenv.
1100.
Congregacio Hil-
sinburgensium mo¬
nachorum Frederi-
co Halberstadensi
invasori et excom¬
municato subdi et
obedire recusans,
hac de causa ab
ipso coacta est
claustrum suum e-
gredi. Ottoeiusdem
congregacionis ab¬
bas, Jherosolimam
causa Christi pe-
tens, Antrinopolim
feliciter migravit e
1 Die Stelle fehlt zwar in dem vorliegenden Exemplar der Rosenfelder An¬
nalen, dass sie aber im Original stand, ergiebt sich aus der Übereinstimmung des
Ann. Saxo, der Magdeburger Annalen und der zweiten Rezension der Kölner
Königschronik. Vgl. Schum a. a. 0. S. 86 ff. und S. 100, wo jedoch die Angabe,
dass die beiden ersteren den Nienburger Annalen folgen, zu streichen ist. — Für
die Pöhlder Chronik tritt die S&chsische Weltchronik (Deutsche Chron. II, 190)
ein: (1113) He bestridde oc dicke sine viande unde dede in ledes vele. Greve
Hoger van Mannesveld vieng greven Wiberchte unde antwarde ene deme keisere;
he vorwundede oc sere den palenzgreven Sifride, de starf nicht lange darna.
* Dieser Satz steht in der Chronol. erst nach dem folgenden.
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102
P.
rie virginis sepe-
litur.
(Sächs. Weltchr.)
1105.
Under deser tit
quemen de moneke
van Hilseneburch
wider an ir closter
van des koninges
gebode, de vif jar
eilende hadden ge¬
wesen.
Se koren oc under
in enen abbat, de
bet Martin;
den selven wiede
de bischop Rothard
van Megenze to Ka-
telenborch to ab-
bede.
8 .
tus aput monaste-
rium Dei genitricis
Marie.
1105.
Ilsineburgenses
quoque monachi,
qni Fridericum epi-
scopum declinantes
iam per quinquen-
nium exularunt,
regio iu8su honori-
fico reversi
Martin um abbatem
elegerunt.
Chronol.
sanctam Mariam
sepultus est, anno
Domini 1100 (16.
Calend. Januarii).
1105.
Monachi autem
Ilsineburgenses,
qui eundem Fride¬
ricum pseudoepi-
scopnm declinan¬
tes, per quinquen-
nium exularant, ex
iusßu Henrici quin-
ti regis honorifice
regressi sunt. —
Monachi anno 1105
in mona8terium re¬
gressi, Martinum,
eiu8dem coenobii
monachum, ex fa-
milia Landgravi-
orum Hassiae, 2.
Kal. Julii in abba¬
tem elegerunt,
quem Ruthardus
Moguntinus archi-
episcopus in Ka-
telnborch 3. Iduum
Novembr. conse-
cravit.
Ann. Rosenv.
seculo 17. Kal. Ja¬
nuarii , sepultus
aput monasterium
sancte Marie Dei
genitricis.
Es zeigt sich hier, dass weder die Rosenfelder Annalen noch der
Annalista Saxo noch die Pöhlder Chronik in der Chronologia benutzt
worden sind. Denn was zunächst die Pöhlder Chronik anbetrifft, so
weicht diese in der Nachricht vom Tode des Abtes Otto in formaler
Hinsicht von den Rosenfelder Annalen ab, während der Annalista Saxo
und die Chronologia mit den letzteren genau übereinstimmen. Dem
Annalista Saxo andererseits fehlt die Nachricht von der Weihe Martins
in Katlenburg, welche die Chronologia mit der Pöhlder Chronik bez.
der hier für diese eintretenden Sächsischen Weltchronik gemeinsam hat.
Die Rosenfelder Annalen endlich haben weder diese Nachricht 1 noch
1 Sie könnte allerdings nur zufällig in der uns erhaltenen Handschrift der
Rosenfelder Annalen fehlen.
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die folgende, in welcher die Chronologia mit dem Annalista Saxo und
der Pöhlder Chronik wörtlich übereinstimmt und welche wir schon oben
(S. 33) für die Ilsenburger Annalen beansprucht haben:
P.
(1132). Corpus sancti
Godeh&rdi 4. Non. Mai
cum magna mir&culorum
declaratione de tumulo
levatur.
S.
(1132). Corpus sancti
Godehardi, Hildinishei-
mensis episcopi, cum ma¬
gna miraculorum declara¬
tione elevatur 4. Non.
Martii;.
Chronol.
Tempore huius abbatis
(sc. Henrici) corpus sancti
Godehardi, episcopi Hil-
desemensis, cum magna
miraculorum declaratione
elevatum est,.
Daraus geht klar hervor, dass die genannten vier Quellen völlig
unabhängig von einander sind, ihnen also eine gemeinsame Quelle zu
Grunde liegt, welch letztere, da die Chronologie mit P. und S. einen
nachweislich Ilsenburger Bericht gemeinsam hat, nur die verlorenen
Ilsenburger Annalen sein können. Die Rosenfelder Annalen sind daher
aus der Reihe der Quellen sowohl des Pöhlder Chronisten, als auch des
Annalista Saxo zu streichen, und es ist als sechste Ableitung unserer
Ilsenburger Annalen die Chronologia abbatum Ilsineburgensium in An¬
satz zu bringen.
Zum Schluss wäre hier noch die Frage, warum sowohl der Magde¬
burger, als auch der Stader Annalist nur den letzten Teil der Annalen
von 1153 (1152?) bis 1164 benutzt haben, zu beantworten. Dies ist
nur möglich, nachdem zuvor ermittelt worden ist erstens, wann die ver¬
lorenen Nienburger Annalen verfasst worden sind, und zweitens, ob
Nienburg wirklich ihr Abfassungsort ist.
Was den ersteren Punkt anbetrifft, so ist darüber bis jetzt nichts
Genaueres bekannt geworden; man nimmt ganz allgemein an, dass die
verlorene Quelle vor der Mitte des zwölften Jahrhunderts entstanden
sei 1 . Es ist indes gar nicht so schwierig, das Abfassungsjahr festzu¬
stellen! Man vergleiche nur die folgende Notiz des Ann. Saxo und der
Magdeburger Annalen:
S. 1009.
Pater huius* Bruno dicebatur, mater
Ida, frater vero eius Gebehardus dice¬
batur. Gebehardus genuit Burchardum
et Idam, Burchardus genuit Gebehardum,
patrem Gonradi Magadaburgensis; Ida
peperit Gebehardum, patrem Lotharii
imperatoris.
M. 1009.
Pater prefati episcopi Bruno diceba¬
tur, mater Ida, frater Gevehardus. Geve-
hardus genuit Burchardum et Idam,
Burchardus genuit Gevehardum, patrem
Counradi, Magdeburgensis archiepiscopi.
Ida vero genuit Gevehardum comitem,
patrem Lotharii imperatoris.
1 Vgl. S. 19. Anm. 2.
* Es ist Bruno der Heilige (von Querfurt) gemeint
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Dass diese Genealogie aus den Nienburger Annalen stammt, kann
um so weniger zweifelhaft sein, als sie auch der Interpolator der Gesta
archiepiscoporum Magdeburgensium, welchen wir schon früher als selbst¬
ständigen Benutzer dieser Annalen kennen lernten, aufgenommen hat 1 .
Als der Nienburger Annalist schrieb, war also Konrad bereits Erz¬
bischof und war Lothar III. bereits zum Kaiser gekrönt Letzteres ge¬
schah am 4. Juni 1133, Konrads Wahl dagegen erfolgte erst am 29. Juni
1134. Für die Abfassung der Annalen wäre somit das Jahr 1134 der
terminus a quo. Als jene Notiz niedergeschrieben wurde, scheinen nun
sowohl Lothar, als auch Konrad noch am Leben gewesen zu sein; denn
im anderen Falle hätte wenigstens dem Namen des Kaisers ein pietät¬
volles ,pie memorie 4 hinzuzusetzen ein Annalist wie der Nienburger, der
sich stets als Anhänger Lothars zeigt, wohl nicht unterlassen. Wir
werden daher als terminus usque ad quem den 4. Dezember 1137, den
Todestag Lothars, anzuuehmen haben.
Die Richtigkeit dieser Annahme wird durch einen anderen Bericht
des Sächsischen Annalisten beim Jahre 1016 bestätigt. Hier heisst es:
,Uxor eius (sc. Heinrici de Stathe) Mactildis dicebatur, floruerantque
uterque in omni bonitate; unde usque hodie multi frequentant sepulcra
eorum, ubi mira quedam dicuntur visa; de quibus est unurn: Mater
Friderici comitis nuper defuncti cum staret super sepulcrum eius, su¬
bito venit manus et apprehendit tibiam eius et valde constrinxit. Cum-
que vocem emitteret, interrogata quid sibi esset, dixit quid sonserit, et
in tibia ostendit signum digitorum; quod et habuit toto tempore vite
sue*. Obwohl dies nur der Sächsische Annalist berichtet und sowohl
der Magdeburger Annalist als auch der Interpolator der Gesta archi¬
episcoporum Magdeburgensium darüber schweigen, behaupte ich doch,
dass der erstere auch hier den Nienburger Annalen folgt. Denn welche
andere Quelle sollte er benutzt haben? Etwa entsprechend dem Lokal¬
charakter des Berichtes die Rosenfelder Annalen? Unmöglich! Sie hat
er ja, wie wir sahen, gar nicht gekannt. Und dann ist auch der Lokal¬
charakter des Berichtes keineswegs ein ausschliesslich Rosenfelder, son¬
dern weit mehr ein Magdeburger; denn der hier erwähnte Graf Heinrich
von Stade war der Oheim der Grafen Siegfried und Bruno von Wal¬
beck, welche im Magdeburger Johanniskloster, dessen enge Beziehungen
zu Nienburg in der uns interessierenden Zeit ja bekannt sind, nachein¬
ander die Abtswürde bekleideten 2 . Auch kann der Bericht nicht das
1 MG. SS. XIV, 395: Iste beatus (sc. Bruno), sicut premisimus (p. 389), de
Castro Querenvorde fuit oriundus, pater eius Bruno dicebatur, mater Ida, frater
Gevehardus.
* Ihre Mutter, die Gräfin Kunigunde von Walbeck, war eine Schwester des
Grafen Heinrich von Stade. Vgl. Ann. Saxo (MG. SS. VI, 642) und Ann. Magdeb.
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Eigentum des Sächsischen Annalisten sein; denn es wäre doch gar zu
komisch, wenn er, der nicht vor 1160 schrieb 1 , den mehr als 25 Jahre
früher, am 13. April 1135 erfolgten Tod des Grafen Friedrich als „kürz¬
lich" (nuper) erfolgt bezeichnet hätte. Dieses Ausdruckes durfte sich
nur ein Geschichtschreiber bedienen, welcher unmittelbar nach dem Tode
des Grafen schrieb. Haben wir nun eben gesehen, dass der Nienburger
Annalist seine Annalen zwischen 1134 und 1137 verfasste, so ist es
klar, dass jener Bericht von ihm herrührt und vom Sächsischen Anna¬
listen, man möchte sagen „glücklicherweise", wörtlich abgeschrieben
worden ist. Die Abfassung der Nienburger Annalen ist demgemäss in
das Jahr 1135 zu setzen. Der ausführliche Bericht über Lothars III.
zweiten Römerzug und die späteren, welche noch durch Vergleichung des
Annalista Saxo und der Magdeburger Annalen zu gewinnen sind, sind
mithin bereits der „Fortsetzung" der Nienburger Annalen zuzuweisen.
Für den Abfassungsort der Annalen hat Scheffer-Boichorst * Nien¬
burg erklärt, indem er auf die Benutzung von Nienburger Urkunden,
auf die Mitteilungen über Nienburger Abtswechsel, und namentlich auf
die Notiz, dass Lothar III. Petri Kettenfeier, ein doch so unbedeuten¬
des kirchliches Fest, im Jahre 1135 in Nienburg begangen habe, hin¬
weist. Dieser Ansicht kann ich nicht beistimmen. Scheffer-Boichorst
hat zweierlei nicht in Erwägung gezogen, einmal, dass zu der Zeit, zu
welcher die Annalen entstanden, die Klöster Berge bei Magdeburg und
Nienburg in dem Abt Arnold einen gemeinsamen Abt hatten, und dann
die antistaufische Gesinnung, welche der Verfasser zumal in den Be¬
richten 1138 und 1139 hervorkehrt 3 . Sollte man wirklich in Nienburg
die welfische Partei begünstigt haben, so lange die Familie der Stifter
des Klosters, an ihrer Spitze Albrecht der Bär, zugleich der Schutzvogt
Nienburgs 4 , mit dieser verfeindet war und in enger Verbindung mit den
Staufen stand? Dies ist doch zu unwahrscheinlich! Nienburg war nicht
der Ort, an welchem eine welfische Geschichtschreibung gedeihen konnte.
Um so mehr Magdeburg, dessen Erzbischof Konrad bekanntlich einer
der eifrigsten Verfechter der welfischen Interessen war! Die zahlreichen
(MG. SS. XVI, 149). — Siegfried hatte die Abtei 1009 bis 1020, Bruno 1025 bis
1034 inne. Letzterer war gleichzeitig Abt von Nienburg. Vgl. Gesta abbatum
Bergensium (ed. Holstein) p. 5. 6.
1 Vgl. Wattenbach, a, a. 0. II, 228.
4 Forschungen zur deutschen Geschichte XI, 485 ff.
8 Sehr richtig hat dies schon Bernheim (a. a. 0. S. 283. Anm. 1.) hervor¬
gehoben.
4 Über die Beziehungen der Askanier zum Kloster Nienburg vgl. v. Heine¬
mann, Albrecht der Bär (Dannstadt, 1864) S. 6 ff.
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Nienburger Nachrichten in den Annalen können nicht im mindesten
auffallen, da der Mönch des Klosters Berge, welcher sie schrieb, durch
Abt Arnolds Vermittlung leicht sowohl zu den Nienburger Urkunden,
als auch zum Nienburger Abtskatalog gelangen konnte. Und was die
Erwähnung der Kettenfeier anbetrifft, so verstand sich diese ganz von
selbst, da einmal die Annalen in demselben Jahre 1135 geschrieben
worden sind und dann urkundlich feststeht, dass Abt Arnold damals
den Kaiser nach Nienburg begleitete 1 . Ich schlage daher vor, die Be¬
zeichnung „Nienburger Annalen“ fallen zu lassen und statt ihrer dem
verlorenen Werke den Titel „Annales S. Johannis Magdeburgensis“ oder,
wenn man sich kürzer fassen will, „Annales Bergenses“ zu geben.
Diese im Jahre 1135 geschriebenen Magdeburger Annalen haben,
so vermute ich, eine Fortsetzung erhalten, welche am besten noch in
den jüngeren Magdeburger Annalen vorliegt, jedoch das Jahr 1152 nicht
überschritt. Auffallen kann letzteres nicht: Ist es doch Thatsache, dass
in der Zeit, in welcher das Magdeburger Erzbistum auf dem Höhepunkt
seiner Blüte stand, nicht einmal die Chronik der Erzbischöfe oinen Fort¬
setzer fand 2 ! Als nun, so vermute ich des Weiteren, der Verfasser der
jüngeren Magdeburger Annalen seine Arbeit begann 3 , wandte er sich,
um die Lücke von 1152 an ausfüllen zu können, nach Ilsenburg 4 .
Von dort erhielt er jenen die Jahre 1152 (oder 1153) bis 1164 um¬
fassenden Auszug aus den Ilsenburger Annalen, welcher dann später
auf irgend eine Weise auch in die Hände Alberts von Stade gelangte.
Fassen wir die gewonnenen Resultate noch einmal kurz zusammenI
Im Laufe des 12. Jahrhunderts, sahen wir, sind zwei grössere, jetzt
leider verlorene Annalenwerke verfasst worden: Magdeburger und Ilsen¬
burger Annalen. Erstere, benutzt in sämtlichen noch vorhandenen
Magdeburger Geschichtswerken, den Gesta archiepiscoporum Magdebur-
gensium, den Annales Magdeburgenses, der Magdeburger Schöppen¬
chronik 5 und wahrscheinlich auch den Gesta abbatum Bergensium 0 ,
1 Vgl. die Urkunde Lothars für das Nonnenkloster zu Königslutter, Nien¬
burg 1. August 1135. (Stumpf Nr. 3310, wo aber irrtümlich Naumburg als Aus¬
stellungsort angegeben ist).
8 Vgl. Günther a. a. 0. S. 4.
8 Ungefähr 1175 (nach Wattenbach a. a. 0. II, 401).
4 Vielleicht vermittelte Hillersleben, dessen enge Beziehungen sowohl zum
Kloster Berge als auch zum Kloster Ilsenburg aus der Bestätigungsurkunde des
Bischofs Reinhard von Halberstadt für dasselbe ersichtlich sind. Vgl. Urkunden¬
buch des Hochstifts Halberstadt I, 96—98.
5 Vgl. Günther, a. a. 0. S. 69.
0 Vgl. Scheffer-Boichorst in v. Sybels Histor. Zoitschr. Bd. XXVI. S. 452—454.
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sowie im Annalista Saxo 1 , entstanden im Jahre 1135 und wurden im
welfischen Sinne fortgesetzt, erreichten jedoch schon um die Mitte des
12. Jahrhunderts ihr Ende. Das andere Werk dagegen, als dessen Be¬
nutzer der Sächsische Annalist, der Pöhlder Chronist und die Verfasser
der verlorenen Annales Saxonici und der Chronologia abbatum Ilsine-
burgensium, sowie — mit Beschränkung auf die letzten zwölf Jahre —
der Magdeburger Annalist und Albert von Stade namhaft gemacht wer¬
den konnten, wurde schon im ersten Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts
angelegt und zunächst etwa bis zum Jahre 1115 fortgesetzt. Von da
an erhielt es zwei Fortsetzungen, eine in Rosenfeld bis zum Jahre 1130,
die andere in Ilsenburg. Letztere, anfangs dürftig, wurde vom Jahre
1138 ab äusserst reichhaltig und vertrat den staufischen Standpunkt.
Sie endete mit dem Jahre 1164. Beide Geschichtswerke sind, soweit
es sich um die Geschichte des 12. Jahrhunderts handelt, das eine (Magde¬
burger) für die letzten Regierungsjahre Lothars, das andere (Ilsenburger)
für das erste Drittel der Regierung Konrads III., Quellen ersten Ranges.
1 Die von Kohlmann (Die Braunschweiger Reimchronik auf ihre Quellen ge¬
prüft. Kieler Dissert. 1876. S. 18 ff.) und Weiland (Deutsche Chroniken II, 574)
angenommene Benutzung in der Chronica Saxonum bez. der in dieser benutzten
Braunschweigischen Fürstenchronik beruht auf Irrtum.
Druck von Pösehel A Trepte In Leipzig.
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